1970er Hellerkunst: Buchzwerglein mit Brille und Schreibfeder-Hut, Siebdruck, 24 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1970s Hellerkunst: Little Book Dwarf with Glasses and Quill Hat, Screen-printed, 24 cm, German Wall Figure

HELLER, LOGOS: Bei einigen Hellerkunst-Holzbildern aus den 1920er Jahren sind auf der Rückseite die stilisierten Initialen „GH“ eingraviert. Sie stehen für Georg Heller, den Mann von Magda Heller, der ebenfalls ein ausgebildeter Künstler gewesen war. Klaus Heller, ein Sohn von Georg und Magda Heller hat mir bestätigt, dass sein Vater bei seinen sehr frühen Arbeiten diese Signatur mit seinen Initialen GH verwendet hat. Danach kam der silberne Aufkleber mit dem winzigen Schriftzug „Heller-Kunst“. In den 1930er Jahren ging man dann zu dem gebogenen Wort „Hellerkunst“ über und es kamen die berühmten beiden sich überlappenden Tannen dazu, zunächst eingebrannt, später nur noch eingeprägt. Später wurde der Name auf „Heller“ verkürzt und zeitweise ein Papieraufkleber verwendet, mit dem Namen und nur noch einer Tanne darauf. Um die Jahrtausendwende herum kam noch eine Änderung, denn seitdem verzichtet Heller komplett auf eine Kennzeichnung auf den Rückseiten der Märchenfiguren.

🇬🇧 HELLER, LOGOS: Some early Heller wood plaques from the 1920s have the carved initials “GH” on the back. These stand for Georg Heller, husband of Magda Heller, who was also a trained artist. Klaus Heller, their son, confirmed that his father used this “GH” signature on his earliest works. Later came a slim silver sticker with the small label “Heller-Kunst”. In the 1930s, the name “Hellerkunst” appeared in a curved layout, accompanied by the now-famous two overlapping fir trees—first burned into the wood, later just embossed. Eventually, the name was shortened to “Heller” with a paper sticker showing the name and only one tree. Around the turn of the millennium, Heller stopped marking the backs of their wall figures altogether. (Buch/25)

Hellerkunst mit Datierung, Taufe-Widmung von 1965: Hänsel und Gretel ohne Sockel, Siebdruck, 22 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 Hellerkunst Dated, Baptism Dedication from 1965: Hansel and Gretel without Base, Screen-printed, 22 cm, German Wall Figure

GLÜCKSFALL DATUM: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Jahreszahl auf einem alten Märchen-Holzbild finde. Meist sind die Daten zuverlässig und sie sagen mir, dass diese Kinder-Wandfigur mindestens so alt ist wie das Jahr, das auf die Rückseite geschrieben wurde. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie verschiedene Daten verschiedene Gefühle wachrufen: Vergleichen Sie zum Beispiel „Weihnachten 1942“ mit „Sommerferien 1972“!

🇬🇧 LUCKY DATE FIND: I’m always happy when I find a certain year stated on an old German Wall Figure. Most of those dates are reliable, and they tell me the figure is at least as old as the year written on its back. It’s always fascinating how different dates evoke different feelings: Compare for example “Christmas 1942” to “Summer 1972”! (Buch/25)

1980er Hellerkunst: Wiege mit großer Glockenblume, Siebdruck 21cm Märchen-Holzbild [EN] Cradle with Large Bellflower, German Wall Figure

HELLER, AUFLAGENVERGLEICHE: Man sollte meinen, dass doch die älteren Märchen-Holzbilder von Hellerkunst automatisch seltener sind, aber das ist nicht immer der Fall. In den 1930er Jahren hatte Heller die höchsten Auflagen: Das hat mir Klaus Heller, ein Sohn von Magda Heller, im neuen Jahrtausend erzählt. Es gibt daher späte Motive, die sehr selten sind, weil die Auflage nicht sehr hoch war. Oft sind das Varianten von alten Figuren oder auch neue Motive, meist von Ralf Heller entworfen. Ebenfalls selten sind einige der Plastik-Wandfiguren aus den Sechzigerjahren, mit denen Hellerkunst eine Weile experimentiert hatte.

[EN] HELLER, COMPARING NUMBERS OF COPIES: You’d think that the oldest German Wall Figures by Hellerkunst are automatically the more rare ones. But that is not always the case: Heller had the highest circulation numbers in the 1930s: Klaus Heller, a son of Magda Heller, told me about that in the new century. There are late figures that are very rare. Very often those are varieties of old motifs or new figures, designed by Ralf Heller. In the Sixties Heller had experimented with plastic wall figures, and some of those are very rare as well. (Buch/25)

1950er Hellerkunst: „Himmelsschlüssel“-Engel mit großer Schlüsselblume, Siebdruck, 24 cm, Märchen-Holzbild [EN]“Cowslip” Angel with Large Primrose, German Wall Figure

GOLD ODER GELB? Die Goldfarbe wurde vor allem in den frühen Märchen-Holzbild-Jahrzehnten eingesetzt. Später wurde Gold häufig durch Gelb ersetzt: Da waren die goldenen Kronen plötzlich gelb geworden. Das fällt unter anderem beim Heller-Froschprinzesschen mit dem angehobenen Rock auf: Die erste Version um 1960 herum hatte noch die goldene Krone und die goldene Kugel. In den späteren Jahrzehnten (vor allem im späten Siebdruckverfahren) war beides gelb geworden.

🇬🇧 GOLD OR YELLOW? The color gold was mainly used in the first decades of the German Wall Figures. Later, gold was often replaced by yellow — suddenly all the golden crowns became yellow. For example: the Heller Frog Prince princess with raised hem. The first version, around 1960, still had the golden crown and golden ball. In later screen-printed decades both had turned yellow. (Buch/25)

1980er Hellerkunst: Kopfweh-Aschenputtel mit Dutt, „Made in West Germany“, Siebdruck, 26 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1980s Hellerkunst: Headache Cinderella with Bun, “Made in West Germany,” Screen-printed, 26 cm, German Wall Figure

MADE IN GERMANY: Auf vielen Rückseiten von alten Märchen-Holzbildern steht: „Made in Germany“. Besonders die großen Manufakturen haben damals auch ins Ausland verkauft. Teilweise wurde der Deutschland-Schriftzug standardmäßig auf die Rückseiten oder Verpackungen gedruckt, teilweise gab es einen zusätzlichen Handstempel. Während der DDR-Jahrzehnte kam in Westdeutschland häufig zum „Germany“ das „West“ oder „Western“ hinzu. Auch die DDR hat viele Kinder-Wandfiguren (speziell für den Verkauf ins Ausland) produziert – bis 1989. Zeitlich kann man tatsächlich sagen: Mit dem Fall der Mauer 1989 war auch die Zeit der Märchen-Holzbilder endgültig vorbei.

🇬🇧 MADE IN GERMANY: On the back of many German Wall Figures from the last century it says “Made in Germany.” Several manufacturers had this printed on all of their products or packaging; some added an extra hand stamp to the wood plaques intended for export. During the GDR decades, West Germany often added “West” or “Western” to the label. The GDR also produced a large number of wood pictures specifically for export—up until 1989. In fact, it’s fair to say that with the fall of the Berlin Wall in 1989, the era of German Wall Figures also came to an end. (Buch/25)

1980er Hellerkunst: Orange Froschkönig-Prinzessin mit erhobenem Rock, Sperrholz, Siebdruck, 20cm [EN] Orange Frog Princess with Yellow Crown

HELLER, AUFLAGENVERGLEICHE: Man sollte meinen, dass doch die älteren Märchen-Holzbilder von Hellerkunst automatisch seltener sind, aber das ist nicht immer der Fall. In den 1930er Jahren hatte Heller die höchsten Auflagen: Das hat mir Klaus Heller, ein Sohn von Magda Heller, im neuen Jahrtausend erzählt. Es gibt daher späte Motive, die sehr selten sind, weil die Auflage nicht sehr hoch war. Oft sind das Varianten von alten Figuren oder auch neue Motive, meist von Ralf Heller entworfen. Ebenfalls selten sind einige der Plastik-Wandfiguren aus den Sechzigerjahren, mit denen Hellerkunst eine Weile experimentiert hatte.

🇬🇧 HELLER, COMPARING NUMBERS OF COPIES: You’d think that the oldest German Wall Figures by Hellerkunst are automatically the more rare ones. But that is not always the case: Heller had the highest circulation numbers in the 1930s: Klaus Heller, a son of Magda Heller, told me about that in the new century. There are late figures that are very rare. Very often those are varieties of old motifs or new figures, designed by Ralf Heller. In the Sixties Heller had experimented with plastic wall figures, and some of those are very rare as well. (Buch/25)

1980er Hellerkunst: Sonnenblumen-Mädchen „Mittag“, brünett mit Schutenhut, Siebdruck, 26 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1980s Hellerkunst: Sunflower Girl “Noon,” Brunette with Bonnet, Screen-printed, 26 cm, German Wall Figure

TAGESZEITEN-SERIEN: Fast alle großen Märchen-Holzbild-Manufakturen haben sie hergestellt, die Figuren mit den Tageszeiten-Kindern. Morgens und abends wurden oft von Sonne und Mond begleitet, aber auch von Nachthemd oder Schlafanzug. Die Tagsüber-Tätigkeiten waren häufig die Mahlzeiten, das Spielen oder auch der Mittagsschlaf. Von Mertens gab es in den Fünfzigerjahren einen Jungen und ein Mädchen, die jeweils mit ausgesteckten Armen die aufgehende Sonne begrüßen. Ich nenne sie so: Das „Guten-Morgen-Mädchen“ und der „Guten-Morgen-Junge“.

🇬🇧 TIMES OF THE DAY SERIES: Most of the larger German Wall Figures manufacturers designed them, the wood pictures of children during the course of their day. Morning and evening were accompanied by the sun and the moon, but also night dresses or pajamas. The noon activities were often shown as eating, playing, or resting. Mertens made a “Morgen” (morning) boy and girl with widespread arms, greeting the rising sun. They are from the Fifties and I call them this: The “Good Morning Girl” and the “Good Morning Boy”. (Buch/25)

1980er Hellerkunst: Zarte Gänsemagd ohne Sockel, Siebdruck 26cm Märchen-Holzbild [EN] Goose Girl without Base, German Wall Figure

HELLER, OHNE SOCKEL: Etwa ein halbes Jahrhundert lang hatten die allermeisten Märchen-Holzbilder von Hellerkunst einen Sockel gehabt, also einen farblich abgesetzten unteren Teil der Figur, der in der Regel braun gewesen war. Ungefähr ab den 1970er Jahren begann Hellerkunst, diesen Sockel wegzulassen. Ein ganz neuer Entwurf dafür war zum Beispiel das Dutt-Aschenputtel, das ich auch „Kopfweh-Aschenputtel“ nenne, weil das Mädchen ganz erschöpft die Hand an die Stirn hält. Dieses Holzbild endet also am unteren Ende nicht mehr mit einem Sockel, sondern mit den Füßen – und in diesem speziellen Fall mit den gelben Clogs der Figur.

🇬🇧 HELLER, WITHOUT BASE: For about half a century the Hellerkunst wall figures typically had a base, which was a distinct bottom part of the plaque, usually painted brown. Around the 1970s, Hellerkunst began phasing out this design element. A completely new concept figure was the Hair Bun Cinderella, which I like to call the Headache Cinderella because she looks exhausted and holds her hand to her forehead. So this figure no longer ends in a base but simply with the feet—in this case, with her yellow wooden clogs. (Buch/25)

1970er Hellerkunst: Schneewittchen ohne Sockel, Siebdruck 26cm Märchen-Holzbild [EN] Vintage Snow White without Base, German Wall Figure

SCHNEEWITTCHEN-ZWERGE: Das Märchen-Holzbild vom Schneewittchen wurde meist mit einem oder zwei kleineren Zwergen dargestellt. Die fünf oder sechs fehlenden Zwerge wurden häufig als zusätzliche Einzelfiguren produziert. Sie bekamen verschiedene Attribute, wie zum Beispiel Laterne, Blaubeere, Geschenk, Krone, Fliegenpilz, Marienkäfer, Apfel, Blatt, Axt oder Flöte. Zehntausende dieser Mini-Gnome kamen von den großen Manufakturen wie Mertens, Heller und Ravi. Aber es gab auch weitere Hersteller, unter anderem die fast vergessenen „Irmscher Figuren“ aus der Karl-Marx-Stadt (DDR, heute wieder Chemnitz genannt). Die Irmscher Figuren hatten schöne kleine Schneewittchen-Zwerge produziert, alle auf einem grünen Wiesen-Sockel mit kleinen Blümchen.

🇬🇧 SNOW WHITE DWARFS: The Snow White figure often came with one or two small dwarfs attached. The missing five or six ones were very often produced as small single figures. Most of the time they had an attribute, too: Lantern, blueberry, gift, crown, toadstool, ladybug, apple, leaf, axe or flute. Tens of thousands of those mini gnomes came from the large manufacturers like Mertens, Ravi, and Heller. But they were not the only ones: One almost forgotten producer in the last century was “Irmscher Figuren” from Karl-Marx-Stadt. The name Karl-Marx-Stadt was invented by the then Communist government of East Germany, the GDR. After the fall of the Berlin Wall, the city got its original name back: Chemnitz. However, “Irmscher Figuren” produced many pretty small Snow White dwarfs back then: All came on a green meadow base with tiny flowers. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Musikzwerg mit Hose und Laute, Siebdruck 23cm Märchen-Holzbild [EN] Music Dwarf with Pants and Lute, German Wall Figure

HOSENMALER: Der berühmteste „Hosenmaler“ aller Zeiten war Daniele da Volterra, der die allzu freizügigen Darstellungen in der Sixtinischen Kapelle übermalen musste, nachdem Michelangelo sich geweigert hatte. Auch viele der großen Märchen-Holzbild-Manufakturen des letzten Jahrhunderts wurden zu Hosenmalern, jedenfalls, was die Zwerge anging: Die frühen Art Deco Gnome hatten meistens nackte Beine, aber ab den 50er- und 60er-Jahren bekamen sie plötzlich Hosen. Hier waren es wohl andere Gründe, und ich vermute Folgende: Die Figuren wurden durch die breiteren Hosenbeine stabiler, denn die frühen schmalen nackten Beine waren recht bruchanfällig gewesen. Zudem sind Hosen einfacher zu zeichnen als knubbelige Knie. Und das Aussehen der Figuren sollte wohl auch einen moderneren Touch bekommen.

🇬🇧 BREECHES-MAKER: The most famous “breeches-maker” of all times was Daniele da Volterra who had to overpaint the too naked people in the Sistine Chapel after Michelangelo had refused to do so. Many of the larger wall figures manufacturers of the last century also became breeches-makers, at least with their dwarf figures. Most of the early Art Deco gnomes had had naked legs, but in the 50s/60s they suddenly got trousers. For different reasons, obviously, and I think it was because of this: The figures became more stable, because the earlier narrow legs were rather fragile. Also, trousers are easier to draw than knobbly knees. And the look of the figures was supposed to get a more modern touch. (Buch/25)