1940er (?) Ur-Ravi-Kunst: Erster Entwurf vom kleinen Däumling (?), Handbemalt, 22 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s (?) Early Ravi-Kunst: First Design of Little Thumb (?), Hand-painted, 22 cm, German Wall Figure

UR-RAVI: Bevor Lisa Viertel in Hamburg Erna Rath das erste Mal traf, hatte sie schon Märchen-Holzbilder hergestellt. Ein Däumling mit den Siebenmeilenstiefeln, den ich schon lange als sehr frühe Figur von Lisa Viertel vermutete, ist tatsächlich als Vorlage (?) auf einem Ravi-Atelierfoto zu finden, das aus den frühen 1940er Jahren stammt. So waren auch andere Motive aus dieser sehr frühen Sammlung als Ur-Ravi identifiziert. Meine Theorie: Diese frühen Bilder von Lisa Viertel wurden als Vorlage benutzt. Sie waren noch auf grobem Holz gearbeitet und hatten keinerlei Stempel oder Beschriftung. Mit Ravi-Kunst wurde alles professionell: Qualitätsholz und Stempel!

🇬🇧 PRE-RAVI: Before meeting Erna Rath for the first time, Lisa Viertel had already produced and sold her own wood pictures. One Little Thumb with his Seven Miles Boots, that I had assumed was “Pre-Ravi”, could finally be identified: I discovered it on an early studio picture of Ravi-Kunst. My theory: They used it as a template. The figures of my early Lisa Viertel collection had had no stamps on the back and were painted on rather crude wood. With the founding of Ravi-Kunst everything became professional, along with quality wood and stamps!

1940er Ravi-Kunst: „Gänsedieb“ mit fluffiger Gans, Handbemalt, 20 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Ravi-Kunst: “Goose Thief” with Fluffy Goose, Hand-painted, 20 cm, German Wall Figure

RAVI, RÜCKSEITEN: Das Alter von Ravi-Kunst-Figuren kann man an den Rückseiten ablesen. Der allererste Ravi-Stempel war sehr groß und lang mit den Wörtern „Ravi-Kunst, handgemalt, Hamburg“. Eine weitere sehr frühe Kennzeichnung war ein aufgeklebter Papierstreifen; erst danach folgte der bekannteste Stempel mit dem jonglierenden Zwerg. Zum Schluss wurden zwei Handstempel benutzt, die nur noch Texte zeigten: Das Motiv der Figur und der Name der Manufaktur.

🇬🇧 RAVI, THE BACKS: The age of Ravi-Kunst figures can be determined by looking at their backs. The very first Ravi stamp was rather large and wide, featuring the words “Ravi-Kunst, handgemalt, Hamburg” (hand-painted, Hamburg). Another very early marking was a white glued-on paper strip; only after that came the most well-known stamp with the juggling dwarf. In the final phase, two hand stamps were used that showed only text: the figure’s title and the name of the manufacturer. (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst: Schwesterchen Anneliese aus Peterchens Mondfahrt (?), Handbemalt 🇬🇧 1940s Ravi-Kunst: Little Sister Anneli from Peter’s Journey to the Moon (?), Hand-painted

RAVI, NORDDEUTSCHE FACHSCHULE FÜR MODE: Lisa Viertel hat an der „Norddeutschen Fachschule für Mode“ in Hamburg studiert; danach machte sie sich als „Modezeichnerin“ selbstständig. Die Anmeldung war zum 19.02.1940, zunächst als „Hausgewerbe“, da Lisa Viertel zu dieser Zeit noch bei ihren Eltern im Hamburger Moorkamp lebte. Kurz darauf lernte sie Erna Rath kennen, und die beiden Frauen gründeten „Ravi-Kunst“: „Ra“ für Rath, „Vi“ für Viertel. Als talentierte Schneiderin gab Lisa Viertel ihren Märchen-Holzbildern unter anderem Stehkragen, Schalkragen, Unterkleider, Pudelmützen und besonders fein gezeichnete Gesichter, oft mit langen Wimpern. Sie selbst liebte es, sich schönzumachen und trug manchmal sogar falsche Wimpern. Lisa Viertel übernahm auch viele der Werbeaufträge, die Ravi-Kunst erhielt: Die Werbeaufträge von verschiedenen Hamburger Firmen waren quasi das zweite Standbein der beiden „Ravis“.

🇬🇧 RAVI, NORTH GERMAN SCHOOL OF FASHION: Lisa Viertel studied at the „Norddeutsche Fachschule für Mode“ in Hamburg, then she became self-employed as a fashion illustrator. The registration was on February 19, 1940; initially as a „household business“, because at that time Lisa Viertel was still living with her parents in Moorkamp in Hamburg. Shortly afterwards, she met Erna Rath, and the two women became “Ravi-Kunst”–“Ra” for Rath, “Vi” for Viertel. As a talented seamstress, Lisa Viertel soon gave her German Wall Figures beautiful stand-up collars, shawl collars, underdresses, bobble hats, and particularly finely drawn faces, often with long eyelashes. She also loved to make herself beautiful and sometimes even wore false eyelashes. Lisa Viertel also took on many of the advertising orders that Ravi-Kunst received: Those advertising orders from various Hamburg companies were, so to speak, the second source of income for the two “Ravis”. (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst: Niedliches Glücksklee-Entlein mit Regenschirm unterm Arm, Handbemalt 🇬🇧 1940s Ravi-Kunst: Cute Lucky Clover Duckling with Umbrella under Arm, Hand-painted, German Wall Figure

RAVI, ERNA RATHS AUSBILDUNG: Erna Rath war von Beruf Grafikerin. Sie studierte an der Landeskunstschule in Hamburg, Lerchenfeld 2. Während der Ausbildung hatte sich Erna Rath häufig der Malerei gewidmet; so entstand unter anderem ein schönes großes Gemälde von der Dünenlandschaft von Hörnum auf Sylt. In Hörnum wohnte eine Tante von ihr, so dass Erna Rath jedes Jahr dort ihren Sommerurlaub verbrachte. Nach ihrem Studium machte sie sich selbstständig; die offizielle Anmeldung war am 6.4.1940 in Hamburg und das Gewerbe lautete „Anfertigung und Bemalen von Laubsägefiguren.“ Kurz darauf kam Lisa Viertel dazu. Aus den Nachnamen Rath und Viertel entstand schließlich der offizielle Name des gemeinsamen kunstgewerblichen Betriebs: Ravi!

🇬🇧 RAVI, ERNA RATH’S TRAINING: Erna Rath was a graphic artist. She completed her studies at the Landeskunstschule Hamburg, Lerchenfeld 2 in Hamburg. During her training, Erna Rath often devoted herself to painting; this resulted in (among other works) a beautiful large painting of the dune landscape of Hörnum on Sylt. An aunt of hers lived in Hörnum, so Erna Rath spent her summer vacation there every year. After her studies, she became self-employed; The official registration was on April 6, 1940 in Hamburg, and the business was “Manufacture and painting of fretsaw figures.” Shortly afterwards, Lisa Viertel joined her. The surnames Rath and Viertel ultimately gave rise to the official name of the joint arts and crafts business: Ravi! (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst: Reizender Nacktknie-Zwerg im fliederfarbenen Kleidchen, Handbemalt 🇬🇧 1940s Ravi-Kunst: Charming Naked Knees Gnome in Lilac Dress, Hand-painted, German Wall Figure

RAVI, NORDDEUTSCHE FACHSCHULE FÜR MODE: Lisa Viertel hat an der „Norddeutschen Fachschule für Mode“ in Hamburg studiert; danach machte sie sich als „Modezeichnerin“ selbstständig. Die Anmeldung war zum 19.02.1940, zunächst als „Hausgewerbe“, da Lisa Viertel zu dieser Zeit noch bei ihren Eltern im Hamburger Moorkamp lebte. Kurz darauf lernte sie Erna Rath kennen, und die beiden Frauen gründeten „Ravi-Kunst“: „Ra“ für Rath, „Vi“ für Viertel. Als talentierte Schneiderin gab Lisa Viertel ihren Märchen-Holzbildern unter anderem Stehkragen, Schalkragen, Unterkleider, Pudelmützen und besonders fein gezeichnete Gesichter, oft mit langen Wimpern. Sie selbst liebte es, sich schönzumachen und trug manchmal sogar falsche Wimpern. Lisa Viertel übernahm auch viele der Werbeaufträge, die Ravi-Kunst erhielt: Die Werbeaufträge von verschiedenen Hamburger Firmen waren quasi das zweite Standbein der beiden „Ravis“.

🇬🇧 RAVI, NORTH GERMAN SCHOOL OF FASHION: Lisa Viertel studied at the „Norddeutsche Fachschule für Mode“ in Hamburg, then she became self-employed as a fashion illustrator. The registration was on February 19, 1940; initially as a „household business“, because at that time Lisa Viertel was still living with her parents in Moorkamp in Hamburg. Shortly afterwards, she met Erna Rath, and the two women became “Ravi-Kunst”–“Ra” for Rath, “Vi” for Viertel. As a talented seamstress, Lisa Viertel soon gave her German Wall Figures beautiful stand-up collars, shawl collars, underdresses, bobble hats, and particularly finely drawn faces, often with long eyelashes. She also loved to make herself beautiful and sometimes even wore false eyelashes. Lisa Viertel also took on many of the advertising orders that Ravi-Kunst received: Those advertising orders from various Hamburg companies were, so to speak, the second source of income for the two “Ravis”. (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst: Früher Nacktknie-Zwerg mit Laterne und Hand in der Tasche, Handbemalt 🇬🇧 1940s Ravi-Kunst: Early Naked Knees Gnome with Lantern and Hand in Pocket, Hand-painted, German Wall Figure

NACKTKNIE-ZWERGE: Viele der frühen Zwergen-Holzbilder hatten diese reizenden knubbeligen Knie und nackte Beine. Später haben die meisten Hersteller sie mit Hosen ausgestattet. Durch die breiteren Hosen wurden die Figuren stabiler, das war wohl der Hauptgrund. Ein zweiter Grund: Knie sind schwer zu zeichnen und Hosen entsprechend einfacher. Bei den frühen Ravi-Wandfiguren ist die Kombination von nackten Beinen und kurzem Hoodie besonders reizend, zum Beispiel bei der 1940er-Figur „Zwerg mit Hellebarde“: Da steht das kurze Hoodie-Kleid sogar noch nach vorne ab.

🇬🇧 NAKED KNEES GNOMES: Many of the early gnomes on German Wall Figures had those cute naked legs with knobbly knees. Later, most producers gave them trousers. With the wider trousers the figures became less fragile–that was probably the main reason. Another reason: Knees are hard to draw, trousers are easier. The early Ravi wood plaques had this charming combination of naked legs and very short hoodies, for example with the 1940s figure “Dwarf with Halberd”: The short hoodie dress even lifts slightly at the front. (Buch/25)

1950er Ravi-Kunst: Reizender Zwerg auf Margeritenblume sitzend, Handbemalt, Zimmerschild (?) 🇬🇧 1950s Ravi-Kunst: Charming Dwarf Sitting on Daisy Flower, Hand-painted, Room Sign (?)

SCHLÜSSELBRETTER: Einige der alten Märchen-Holzbild-Manufakturen haben auch Schlüsselbretter hergestellt, zum Beispiel gab es eine reizende Jahrhundertmitte-Puppenmutter mit weit ausgestelltem Rock von Mertens. Ravi hat sehr viele Schlüsselbretter produziert, häufig waren es Zwerge mit kleinen Tieren wie Schnecken oder Küken. Von Graupner kamen Laubsägevorlagen, aus denen Hobbyarbeiten entstanden: Als Motive waren zum Beispiel die Bremer Stadtmusikanten und die sieben Schwaben sehr beliebt.

🇬🇧 KEY RACKS: Many of the old manufacturers of German Wall Figures also produced key racks. For example, Mertens created a very small and very cute mid-century doll mother with a wide-flared skirt. Ravi produced many key racks, most of which featured dwarfs with small animals like chicks or snails. Graupner provided fretsaw templates for hobbyists, with popular motifs like the Bremen Town Musicians and the Seven Swabians. (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst: Früher filigraner Nacktknie-Zwerg auf Fliegenpilz hockend, Handbemalt 🇬🇧 1940s Ravi-Kunst: Early Filigree Naked Knees Gnome Crouching on Toadstool, Hand-painted, German Wall Figure

NACKTKNIE-ZWERGE: Viele der frühen Zwergen-Holzbilder hatten diese reizenden knubbeligen Knie und nackte Beine. Später haben die meisten Hersteller sie mit Hosen ausgestattet. Durch die breiteren Hosen wurden die Figuren stabiler, das war wohl der Hauptgrund. Ein zweiter Grund: Knie sind schwer zu zeichnen und Hosen entsprechend einfacher. Bei den frühen Ravi-Wandfiguren ist die Kombination von nackten Beinen und kurzem Hoodie besonders reizend, zum Beispiel bei der 1940er-Figur „Zwerg mit Hellebarde“: Da steht das kurze Hoodie-Kleid sogar noch nach vorne ab.

🇬🇧 NAKED KNEES GNOMES: Many of the early gnomes on German Wall Figures had those cute naked legs with knobbly knees. Later, most producers gave them trousers. With the wider trousers the figures became less fragile–that was probably the main reason. Another reason: Knees are hard to draw, trousers are easier. The early Ravi wood plaques had this charming combination of naked legs and very short hoodies, for example with the 1940s figure “Dwarf with Halberd”: The short hoodie dress even lifts slightly at the front. (Buch/25)

1950er Ravi-Kunst: Fröhliche Frau Holle am Backstein-Fenster, Handbemalt, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Ravi-Kunst: Cheerful Mother Hulda at Brick Window, Hand-painted, German Wall Figure

RAVI, BACKSTEINE: Eine Besonderheit von Ravi-Kunst sind die roten Backsteine. Sie bilden einen schönen Farbkontrast, beispielsweise zum typischen Blau des frühen Aschenputtels. Man findet sie unter anderem am Fenster der Frau Holle und bei den Bremer Stadtmusikanten. Die historischen Märchen-Holzbilder von Ravi-Kunst (Erna Rath und Lisa Viertel) entstanden um die vergangene Jahrhundertmitte herum und sind alle noch komplett handbemalt.

🇬🇧 RAVI, BRICKS: The red bricks are a specialty of Ravi-Kunst. They make a nice contrast color, for example, with the typical blue on the Cinderella figure. You’ll also find them at Mother Holle’s window and with the Bremen Town Musicians. The German Wall Figures by Ravi-Kunst were produced around the middle of the last century– and all of them are are hand-painted. (Buch/25)

1950er Ravi-Kunst: Goldmarie am Goldtor, Handbemalt, 23 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Ravi-Kunst: Golden Mary at the Golden Gate, Hand-painted, 23 cm, German Wall Figure

FRAU HOLLE: Es gibt zwei unterschiedliche Versionen von diesem Märchen. Bei den Brüdern Grimm hat Frau Holle erschreckend große Zähne, und die Mädchen bleiben namenlos. Bei Ludwig Bechstein hingegen ist „Frau Holle“ ein Mann, und die Mädchen heißen Goldmarie und Pechmarie. Trotzdem scheint es jeder zu verstehen, wenn von „Frau Holles Goldmarie“ die Rede ist. Frau Holle, Goldmarie und Pechmarie sind sehr beliebte Motive auf den alten Märchen-Holzbildern aus dem letzten Jahrhundert. Ich kenne sie zum Beispiel von Mertens, Ravi und Original Bergischer Engel.

🇬🇧 MOTHER HOLLE: There are two very different versions of this fairy tale. In the Brothers Grimm version, Mother Holle/Hulda has enormous, frightening teeth, and the girls remain unnamed. In Ludwig Bechstein’s version, “Mother Holle” is a man, and the girls are called Goldmarie (Golden Mary) and Pechmarie (Pitch Mary). However, everyone understands the phrase “Mother Holle’s Golden Mary” — at least if they know the story. Mother Holle, Golden Mary, and Pitch Mary are very popular motifs on German Wall Figures of the last century. I’ve seen them, for example, from Mertens, Ravi, and Original Bergischer Engel. (Buch/25)