1960er Hellerkunst: Bassgeiger mit Hosen, Siebdruck, 25 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Double Bass Gnome with Trousers, Screen-printed, 25 cm, German Wall Figure

HOSENMALER: Der berühmteste „Hosenmaler“ aller Zeiten war Daniele da Volterra, der die allzu freizügigen Darstellungen in der Sixtinischen Kapelle übermalen musste, nachdem Michelangelo sich geweigert hatte. Auch viele der großen Märchen-Holzbild-Manufakturen des letzten Jahrhunderts wurden zu Hosenmalern, jedenfalls, was die Zwerge anging: Die frühen Art Deco Gnome hatten meistens nackte Beine, aber ab den 50er- und 60er-Jahren bekamen sie plötzlich Hosen. Hier waren es wohl andere Gründe, und ich vermute Folgende: Die Figuren wurden durch die breiteren Hosenbeine stabiler, denn die frühen schmalen nackten Beine waren recht bruchanfällig gewesen. Zudem sind Hosen einfacher zu zeichnen als knubbelige Knie. Und das Aussehen der Figuren sollte wohl auch einen moderneren Touch bekommen.

🇬🇧 BREECHES-MAKER: The most famous “breeches-maker” of all times was Daniele da Volterra who had to overpaint the too naked people in the Sistine Chapel after Michelangelo had refused to do so. Many of the larger wall figures manufacturers of the last century also became breeches-makers, at least with their dwarf figures. Most of the early Art Deco gnomes had had naked legs, but in the 50s/60s they suddenly got trousers. For different reasons, obviously, and I think it was because of this: The figures became more stable, because the earlier narrow legs were rather fragile. Also, trousers are easier to draw than knobbly knees. And the look of the figures was supposed to get a more modern touch. (Buch/25)

1970er Hellerkunst: Zwerg mit Pfeife, unterm Fliegenpilz sitzend, Siebdruck, 22 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1970s Hellerkunst: Gnome with Pipe Sitting under Fly Agaric, Screen-printed, 22 cm, German Wall Figure

FLIEGENPILZE: Fliegenpilze waren beliebte Motive auf den Märchen-Holzbildern im letzten Jahrhundert. Sie sehen einfach reizend aus – obwohl es sich eigentlich um Giftpilze handelt. Der Zauber liegt wohl auch im Farbschema: ein kräftiges Rot als Kontrast zu den weißen Punkten. Das macht sie oft zu echten Hinguckern! Eine der schönsten Figuren mit diesem Motiv ist wohl der wunderbare „Glückspilz“ von Mertens – die kleine zarte Elfe mit dem großen Fliegenpilz-Hut aus den 1930er- und 1940er-Jahren.

🇬🇧 TOADSTOOLS: Toadstools, especially the fly agaric variety, were popular motifs on mid-century German Wall Figures. They look charming, even though they are actually poisonous. It’s probably the bold red color contrasted with white dots that makes them so visually appealing. One of the most beautiful figures featuring this motif is likely the little “Glückspilz” by Mertens–the small elf with the oversized toadstool hat, dating from the 1930s and the 1940s. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Münchhausen, auf der Kanonenkugel reitend, Siebdruck, 22×21 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Münchhausen Riding on the Cannonball, Screen-printed, 22×21 cm, German Wall Figure

1960er  Hellerkunst: Münchhausen, auf der Kanonenkugel reitend, Siebdruck, 22×21 cm 

TILL EULENSPIEGEL: Der meist im Narrenkostüm (Hofnarr) dargestellte Till Eulenspiegel lebte vor etwa 700 Jahren. In der Stadt Mölln finden regelmäßig die Eulenspiegel-Festspiele statt, die an seine Streiche und seine Klugheit erinnern. Auf den Wandfiguren des 20. Jahrhunderts findet man ihn eher selten. Das schönste Till-Eulenspiegel-Holzbild stammt von Mertens: Es ist eine Art Deco Figur mit sehr langer, filigran ausgesägter Narrenkappe, die ihm fast bis zu den Knien reicht. Da kommt Till Eulenspiegel sogar ohne seine beiden Attribute aus (Eule und Spiegel) und man erkennt ihn trotzdem.

🇬🇧 TILL OWLGLASS: “Till Eulenspiegel” was a very clever jester who lived about 700 years ago in the German town of Mölln. He is most often shown in his jester costume with cap and bells, usually accompanied by an owl and a hand mirror. You’ll not find many German Wall Figures from the last century with this motif, but there are some. The most beautiful one is early Mertens: An Art Deco wood plaque with a delicate jester’s cap that is so long it almost reaches his knees. It’s one of my favorite wall figures! (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Fröhlicher laufender Hans im Glück mit langer Feder, Siebdruck, 23 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Cheerful Running Hans in Luck with Long Feather, Screen-printed, 23 cm, German Wall Figure

HELLER, ERFINDER DER MÄRCHEN-HOLZBILDER: Es war Georg Heller, der in den 1920er Jahren als erster auf diese Idee gekommen war, so wird es auf der Heller-Website (Stand 2025) beschrieben. Ja, es hatte auch vorher schon viele Vorlagen für Laubsägearbeiten gegeben, aber diese Motive zeigten kaum Personen und es waren in der Regel auch keine flachen Wandfiguren. Außerdem ging es bei den alten Laubsägevorlagen meist um Hobbyarbeiten, während Hellerkunst durchweg nur großartige kunstgewerbliche Produkte herstellte. So hat das Ehepaar Georg und Magda Heller aus der Eifel etwas ins Leben gerufen, das ein Jahrhundertphänomen werden sollte: Die Ära der Märchen-Holzbilder, die von den 1920er bis zu den 1980er Jahren andauerte.

🇬🇧 HELLER, INVENTOR OF GERMAN WALL FIGURES: It was Georg Heller who first had the idea of producing fairy tale wood plaques, back in the 1920s. This is stated on the Heller website (as of 2025). Yes, there had been templates for fretwork items before, but those hardly showed people and most were not flat wall figures, either. Moreover, those older templates were meant for hobby craft, whereas Hellerkunst soon produced highly artistic decorative objects. So Georg and Magda Heller, the artist couple from the Eifel region, started something that would become a cultural phenomenon of the century: The era of German Wall Figures, lasting from the 1920s to the 1980s. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Laufendes kleines Mädchen mit großer Sonnenblume, Siebdruck, 22 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Walking Little Girl with Large Sunflower, Screen-printed, 22 cm, German Wall Figure

POLKA DOTS: Polka Dots sind eine reizende Bezeichnung für gleichmäßig angebrachte Punkte auf einfarbigem Hintergrund. Dieses Punkte-Muster hat etwas Fröhliches an sich und ist häufig auf Kleidung zu finden, aber auch auf einigen der historischen Holz-Wandfiguren. Beispiel: Der fröhliche Hampelmann „Zwerg“ mit großen blauen Augen aus den Siebzigerjahren, auf dessen Rückseite „Gruner Witkop“ steht – ein Zweitname von Mertens.

🇬🇧 POLKA DOTS: Polka Dots are many similar dots on a one-color background. This dot pattern makes people smile, it’s got something friendly about it. Polka Dots are often found on clothes, but also on many of the old German Wall Figures. Example: The jumping jack “Zwerg” from the 1970s. On its back you’ll see the name Gruner Witkop, but it’s really made by Alfred Mertens: “Gruner Witkop” is one of their many other names. (Buch/25)

1950er Hellerkunst: Regenkinder „November“ mit Zipfelmütze, 25 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Hellerkunst: Rain Children “November” with Pointed Cap, 25 cm, German Wall Figure

MONATE-SERIEN: Es gibt mehrere alte Hersteller von Holzbildern, die jeweils eine Wandfigur zu jedem Monat gestaltet haben – teilweise sogar mit wechselnden Motiven über die Jahrzehnte hinweg. Magda und Georg Heller gaben ihren Figuren in den 1930er-Jahren die historischen Monate-Namen, zum Beispiel „Lenzing“ für den März, „Heumond“ für den Juli oder „Neblung“ für den November. Als Motive wurden meistens Kinder gezeigt. Besonders schön ist auch eine Figur von Ravi: das strickende November-Mädchen mit Kerzenschein aus den 1950er-Jahren.

🇬🇧 MONTHS SERIES: Many of the old manufacturers of German Wall Figures created one figure for each month of the year—sometimes even in changing designs over several decades. In the 1930s, Magda and Georg Heller gave their monthly figures the traditional historical month names. Today, even most German people would have to look them up: “Lenzing” means March, “Heumond” is July, and “Neblung” is November. Most of these month figures depict children. A particularly lovely example is by Ravi: the little knitting November girl with the wonderful candlelight from the 1950s. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Flower-Power-Kind als Hampelmann mit großen Augen, Siebdruck, 25 cm 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Flower Power Child as Jumping Jack with Large Eyes, Screen-printed, 25 cm

HAMPELMÄNNER: Alle großen Märchen-Holzbild-Manufakturen haben damals auch Hampelmänner hergestellt. Sehr originelle Motive kamen zum Beispiel vom Original Bergischer Engel und von Ravi. Alfred Mertens jedoch erzielte mit mehreren Hundert verschiedenen Motiven die höchsten Hampelmann-Verkaufszahlen. Andere Namen, unter denen diese Figuren angeboten wurden: Hampel-Figuren, Zugfiguren oder Ziehfiguren.

🇬🇧 JUMPING JACKS: All of the large manufacturers of German Wall Figures also produced jumping jacks. Very funny and very cute pull figures came for example from Original Bergischer Engel and Ravi-Kunst. Mertens-Kunst however produced several hundreds of different jumping jack motifs and they achieved the highest production numbers. (Buch/25)

1970er Hellerkunst: Rotkäppchen mit Schutenhut und Wolf, Siebdruck 24cm Märchen-Holzbild [EN] Little Red Riding Hood with Bonnet and Wolf, German Wall Figure

HELLER, OHNE SOCKEL: Etwa ein halbes Jahrhundert lang hatten die allermeisten Märchen-Holzbilder von Hellerkunst einen Sockel gehabt, also einen farblich abgesetzten unteren Teil der Figur, der in der Regel braun gewesen war. Ungefähr ab den 1970er Jahren begann Hellerkunst, diesen Sockel wegzulassen. Ein ganz neuer Entwurf dafür war zum Beispiel das Dutt-Aschenputtel, das ich auch „Kopfweh-Aschenputtel“ nenne, weil das Mädchen ganz erschöpft die Hand an die Stirn hält. Dieses Holzbild endet also am unteren Ende nicht mehr mit einem Sockel, sondern mit den Füßen – und in diesem speziellen Fall mit den gelben Clogs der Figur.

🇬🇧 HELLER, WITHOUT BASE: For about half a century the Hellerkunst wall figures typically had a base, which was a distinct bottom part of the plaque, usually painted brown. Around the 1970s, Hellerkunst began phasing out this design element. A completely new concept figure was the Hair Bun Cinderella, which I like to call the Headache Cinderella because she looks exhausted and holds her hand to her forehead. So this figure no longer ends in a base but simply with the feet—in this case, with her yellow wooden clogs. (Buch/25)

1970er Hellerkunst: Zwerg „Frühling“, Zwerg mit blauer Tulpe, Siebdruck, 22 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1970s Hellerkunst: Dwarf “Spring,” Dwarf with Blue Tulip, Screen-printed, 22 cm, German Wall Figure

JAHRESZEITEN-SERIEN: Viele Manufakturen haben im letzten Jahrhundert Märchen-Holzbilder zu den vier Jahreszeiten hergestellt. Es waren meist Mädchen und Jungen, die die Kinderkleidung zeigten, die damals gerade in Mode war. Die alten Mädchenkleider der Dreißigerjahre zum Beispiel hatten andere Farben und Schnitte als die Kleider der Siebziger! Von Heller gab es auch eine Jahreszeiten-Reihe mit Zwergen. Dazu gehören folgende Figuren, die alle laufend dargestellt werden: Frühlings-Zwerg mit Tulpe, Sommer-Zwerg mit Rechen, Herbst-Zwerg mit Apfelkiepe und Winter-Zwerg als Sternträger.

🇬🇧 SEASONS SERIES: Many of the old manufacturers produced German Wall Figures that belonged to the four seasons. In most cases those were cute girls and boys sporting the children’s fashion of their decade. Compare for example the girls’ dresses on the wood plaques of the Thirties to those of the Seventies: very different in style and color! Heller also designed a seasons series with dwarfs, all of them walking: spring dwarf with tulip, summer dwarf with rake, autumn dwarf with apple basket and winter dwarf as a star bearer (Sternträger/Sternsinger). (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Midcentury Rehkitz-Kinder „Juni“ mit Weste, 23 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Midcentury Fawn Children “June” with Vest, 23 cm, German Wall Figure

MONATE-SERIEN: Es gibt mehrere alte Hersteller von Holzbildern, die jeweils eine Wandfigur zu jedem Monat gestaltet haben – teilweise sogar mit wechselnden Motiven über die Jahrzehnte hinweg. Magda und Georg Heller gaben ihren Figuren in den 1930er-Jahren die historischen Monate-Namen, zum Beispiel „Lenzing“ für den März, „Heumond“ für den Juli oder „Neblung“ für den November. Als Motive wurden meistens Kinder gezeigt. Besonders schön ist auch eine Figur von Ravi: das strickende November-Mädchen mit Kerzenschein aus den 1950er-Jahren.

🇬🇧 MONTHS SERIES: Many of the old manufacturers of German Wall Figures created one figure for each month of the year—sometimes even in changing designs over several decades. In the 1930s, Magda and Georg Heller gave their monthly figures the traditional historical month names. Today, even most German people would have to look them up: “Lenzing” means March, “Heumond” is July, and “Neblung” is November. Most of these month figures depict children. A particularly lovely example is by Ravi: the little knitting November girl with the wonderful candlelight from the 1950s. (Buch/25)