1960er Hellerkunst: Kleiner Däumling mit grauem Cape, Siebdruck 17cm [EN] Little Thumb with Gray Cape (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

DER KLEINE DÄUMLING: Weil der kleine Däumling von Charles Perrault ein sehr grausames Märchen ist, wurde es im Laufe des letzten Jahrhunderts immer seltener vorgelesen. Auf den Märchen-Holzbildern aus dem letzten Jahrhundert blieb jedoch eine Szene bis in die 1980er-Jahre präsent – wie der kleine Däumling in den Siebenmeilenstiefeln des bösen Ogers (Menschenfressers) reist. Dabei wurde der Titel geändert: Die Figuren hießen nun nicht mehr „Kleiner Däumling“, sondern „Siebenmeilenstiefel“. Nur Ravi behielt den Namen „Däumling“ konsequent bei. Bei Heller trug die Christbaumschmuck-Figur aus den 1930er-Jahren noch ausdrücklich den alten Namen „Däumling“, aber auf der fröhlichen Version aus den 1960er-Jahren (mit dem hübscher Jungen im grauem Cape) steht auf der Rückseite „Siebenmeilenstiefel“. Also: Immer wenn auf einem Märchen-Holzbild ein kleiner Junge in Siebenmeilenstiefeln zu sehen ist, ist eigentlich der kleine Däumling aus der klassischen Märchensammlung von Charles Perrault gemeint.

🇬🇧 LITTLE THUMB: Because Little Thumb (Tom Thumb) by Charles Perrault is a rather gruesome fairy tale, it was read less and less as a bedtime story over the course of the last century. However, one scene continued to appear on German Wall Figures until the 1980s: the moment when Little Thumb travels in the ogre’s (man-eater’s) seven-league boots. The title was changed: The figures were no longer called “Little Thumb” but “Seven-League Boots.” Only Ravi consistently kept the name “Little Thumb.” Heller’s Christmas tree ornament from the 1930s still explicitly bore the name “Little Thumb,” but the cheerful 1960s version (with the gray cape) was labeled “Seven-League Boots” on the back. So, whenever you see a small boy in seven-league boots on an old wood plaque, it is actually Little Thumb from the fairy tale collection by Charles Perrault. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: „Das Wunder“ mit Zwerg und Seerosen-Baby, Siebdruck 22cm [EN] “The Miracle” with Dwarf and Water Lily Baby (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

HELLERKUNST, EPOCHEN: Man kann die Hellerkunst-Figuren in drei Epochen unterteilen; Antik, Jahrhundertmitte und Vintage. Antike Hellerkunst stammt aus den 1920er und 1930er Jahren. Die ganz frühen Bilder hatten meist einen Sockel mit geraden Seiten und spitzen Kanten. Die Heller-Märchen-Holzbilder der Jahrhundertmitte hatten den abgerundeten Sockel und waren bis um 1960 herum noch komplett handbemalt. Dann folgte eine Übergangszeit von Siebdruck plus Handbemalung. Zur Vintage Hellerkunst gehören die späten Siebdruckfiguren Ende des letzten Jahrhunderts: Sie weisen gar keine Handbemalung mehr auf.

🇬🇧 HELLER, ERAS: You can divide the Hellerkunst wood pictures into three eras: antique, mid-century, and vintage. The antique figures are from the 1920s and 1930s, with the very early ones often having a base with straight sides and sharp edges. The mid-century Heller wall figures had rounded bases and were completely hand-painted until about 1960, after which came a transitional period with screen printing plus additional hand-painting. The vintage Hellerkunst figures from the late 20th century were screen-printed only, with no more hand-painting. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Aladdin mit unheimlichem grünen Licht, Siebdruck 27cm [EN] Aladdin with Eerie Green Light

HELLER, ÜBERSICHT: Hellerkunst wurde von Magda und Georg Heller 1927 gegründet. In den frühen 1930er Jahren erfolgte der Umzug von Wuppertal nach Dreis in der Eifel. Ab 1966 übernahm der Sohn Ralf Heller die Leitung der Firma. Inzwischen wird die Manufaktur, jetzt „Heller“ genannt, in dritter Generation von Jan Heller geführt, einem Enkel des Gründerpaares. So spannt sich die Hellerkunst-Ära inzwischen über rund hundert Jahre, so lange wie bei keinem anderen Hersteller von Märchen-Holzbildern. Heller war quasi der Erfinder der professionell hergestellten Märchen-Holzbilder: Es wurde eine Ära begründet, die viele Jahrzehnte anhalten sollte.

[EN]  HELLER, OVERVIEW: This wonderful manufacturer of German Wall Figures was founded in 1927 by Magda and Georg Heller. In the early 1930s they moved from Wuppertal to Dreis in the Eifel. In 1966, Ralf Heller, a son of the founding couple, took over the management. Hellerkunst is now led by Jan Heller (as of 2025), a grandson of the founders. The name of the workshop was changed to “Heller”. So Hellerkunst has lasted for about 100 years. That is much longer than any other producer of children’s wood plaques. And you can say that Heller was the inventor of the German Wall Figures: They started what became an era that lasted for a great many decades. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Sternenbaum-Mädchen „Abend“ mit Pagenschnitt, Siebdruck 22cm [EN] Star Tree Girl with Pageboy Cut

STERNENBAUM: Das Sternenbaum-Mädchen von Hellerkunst gibt es in zwei Versionen; mit Sockel und ohne Sockel. Die Figur mit Sockel stammt von Magda Heller und zeigt ein Lockenkopf-Mädchen. Die etwas spätere Überarbeitung hat vermutlich Ralf Heller entworfen, der Sohn von Magda und Georg Heller. Ralf Heller hat in zweiter Generation die Leitung von Hellerkunst übernommen. Auch Ravi hat einen Sternenbaum entworfen, da liegt das Mädchen schlafend unter dem Baum, mit einem kleinen schmalen Teddy in der Hand.

[EN] STAR TREE: The Star Tree Girl from Hellerkunst was created in two versions–with or without a base. The German Wall Figure with a base was designed by Magda Heller and depicts a curly-haired girl. The slightly later reworking was most likely designed by Ralf Heller, the son of Magda and Georg Heller. Ralf Heller was the second generation to lead Hellerkunst/Heller. Ravi-Kunst also designed a Star Tree, depicting the girl sleeping under the tree holding a small, slim teddy bear. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Zwerg mit Eichhörnchen auf der Schulter, „Zwei Schelme“, Siebdruck 29 cm [EN] Dwarf with Squirrel on Shoulder

ZWERGE MIT TIEREN: Die Kombination von einem Zwerg und einem niedlichen Tier war auf den alten Märchen-Holzbildern sehr beliebt. Alfred Mertens zum Beispiel hatte gleich mehrere Wichtel-Serien mit Tieren: Zwerg mit Reh, mit Fuchs, mit Maus, mit Schmetterling, mit Eichhörnchen oder mit Vogel. Auch Grossmann, der Zwergen-Experte, kombinierte viele seiner Wichtel mit Tieren, zum Beispiel das frühe, noch ganz handbemalte Holzbild mit dem Pfötchen gebenden Fuchs. Beim Vorlagen-Hersteller Graupner waren Motive wie zum Beispiel „Beim Walddoktor“ und „Der Vogeldoktor“ sehr beliebt, wo ein Zwerg die Tiere liebevoll versorgt: Er verbindet das Bein eines Rehs oder gibt einem erkälteten Vogel mit einem Löffel Medizin.

[EN] DWARFS WITH ANIMALS: The combination of gnome and animal on German Wall Figures was very popular back then. Alfred Mertens, for example, had several series with this combination: Dwarf with Doe, Dwarf with Fox, Dwarf with Mouse, Dwarf with Butterfly, Dwarf with Squirrel, or Dwarf with Bird. Grossmann, the dwarf expert, also combined many of their gnomes with animals. For example, there is a cute mid-century figure of a fox giving paw. The template producer Johannes Graupner/Graubele had some pretty motifs in store, too: “At the Forest Doctor’s” shows a dwarf fixing a doe’s injured knee, and “The Bird Doctor” has a dwarf spoon-feeding medicine to a bird with a cold. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Sonnenblumen-Elfe mit großer Biene, Siebdruck 19×18 cm [EN] Sunflower Fairy with Bee

BESCHÄDIGT, ABER DA! Manchmal findet man Märchen-Holzbilder aus dem letzten Jahrhundert, die beschädigt, aber selten und interessant sind. Dann ist eine Beschädigung kein großes Problem – man ist einfach froh, die Wandfigur überhaupt in den Händen halten zu können. Das trifft natürlich ganz besonders auf sehr seltene und außergewöhnlich schöne Figuren zu. Beispiel: die Bienen-Elfe von Heller.

[EN] DAMAGED, BUT THERE! Sometimes I come across German Wall Figures from the last century that are damaged, but also rare and interesting. In such cases, some damage is no problem–it’s simply a joy to be able to hold the piece at all. This is especially true for very rare and particularly wonderful motifs. Example: the Bee Fairy by Heller. (Buch/25)

1950er Hellerkunst: Marienkäfer-Elfe auf Frühlingsblatt, Siebdruck 21cm [EN] Spring Fairy with May Beetle

BESCHÄDIGT, ABER DA! Manchmal findet man Märchen-Holzbilder aus dem letzten Jahrhundert, die beschädigt, aber selten und interessant sind. Dann ist eine Beschädigung kein großes Problem – man ist einfach froh, die Wandfigur überhaupt in den Händen halten zu können. Das trifft natürlich ganz besonders auf sehr seltene und außergewöhnlich schöne Figuren zu. Beispiel: die Bienen-Elfe von Heller.

[EN]  DAMAGED, BUT THERE! Sometimes I come across German Wall Figures from the last century that are damaged, but also rare and interesting. In such cases, some damage is no problem–it’s simply a joy to be able to hold the piece at all. This is especially true for very rare and particularly wonderful motifs. Example: the Bee Fairy by Heller. (Buch/25)

1950er Hellerkunst: Zwerg „Herbst“ mit Fliegenpilzhut, Siebdruck 27cm [EN] Dwarf with Toadstool Hat

JAHRESZEITEN-SERIEN: Viele Manufakturen haben im letzten Jahrhundert Märchen-Holzbilder zu den vier Jahreszeiten hergestellt. Es waren meist Mädchen und Jungen, die die Kinderkleidung zeigten, die damals gerade in Mode war. Die alten Mädchenkleider der Dreißigerjahre zum Beispiel hatten andere Farben und Schnitte als die Kleider der Siebziger! Von Heller gab es auch eine Jahreszeiten-Reihe mit Zwergen. Dazu gehören folgende Figuren, die alle laufend dargestellt werden: Frühlings-Zwerg mit Tulpe, Sommer-Zwerg mit Rechen, Herbst-Zwerg mit Apfelkiepe und Winter-Zwerg als Sternträger.

[EN] SEASONS SERIES: Many of the old manufacturers produced German Wall Figures that belonged to the four seasons. In most cases those were cute girls and boys sporting the children’s fashion of their decade. Compare for example the girls’ dresses on the wood plaques of the Thirties to those of the Seventies: very different in style and color! Heller also designed a seasons series with dwarfs, all of them walking: spring dwarf with tulip, summer dwarf with rake, autumn dwarf with apple basket and winter dwarf as a star bearer (Sternträger/Sternsinger). (Buch/25)

1950er Hellerkunst: Früher großer Sternträger „Winter“, Siebdruck, 33cm [EN] Star-Carrier with Base

STERNSINGER: Manchmal findet man einen Sternträger auf den alten Märchen-Holzbildern. Dann weiß man, welches Motiv gemeint ist: Es ist das Sternsingen am Dreikönigstag (6. Januar), wo Kinder sich als die drei heiligen Könige (traditionell genannt Caspar, Melchior und Balthasar) verkleiden und immer auch einen Sternträger dabei haben. Von Magda Heller stammt ein schöner Sternträger-Zwerg: Die frühe Version (1930er) hat einen weißen Schnee-Sockel und der Zwerg hat einen Bart. Die späte Variante stammt aus den 1960er Jahren, wurde aber auch in späteren Jahrzehnten noch reproduziert: Ohne Sockel, aber dafür hat der Zwerg auf seinem grauen Cape die schönen dicken Schneeflocken.

[EN] GERMAN CAROL SINGERS: Sometimes you find a Star Carrier on an old German Wall Figure. Then you know which motif is meant: The “Sternsinger” (Star Singers), which is the German version of the carol singers. This tradition takes place around January 6 (Epiphany/Three Kings Day). The children are dressed in the traditional clothes of the Three Kings (Caspar, Melchior and Balthasar) who visit baby Jesus and bring gifts. And there is always one „Sternträger“ (Star Carrier), too. Magda Heller created a beautiful dwarf as Star Carrier: The early version (1930s) has the snow base and the gnome has a beard. The late version is from the 1960s but was still reproduced in the following decades: without base and beard, and the dwarf has rather thick snowflakes on his grey cape. (Buch/25)

1960er Hellerkunst: Schneewittchen und die sieben Zwerge, Siebdruck 8–17cm [EN] Snow White and the 7 Dwarfs

GARDEROBEN, MESSLATTEN, DIORAMEN: Die meisten Hersteller von Märchen-Holzbildern haben damals auch größere Zusatzprodukte angefertigt. Kindergarderoben kamen zum Beispiel von Mertens, Heller, Kleur & Profiel (Niederlande) und von Grossmann Reit im Winkl in Bayern. Viele Manufakturen stellten außerdem Kindermesslatten her. Eine der schönsten Messlatten von Mertens-Kunst zeigt Kinder aus verschiedenen Nationen und Epochen – heute politisch unkorrekt, etwa Indianer, Maya-Junge, Eskimo, Japan-Mädchen im Kimono, Griechenland-Mädchen in antiker Kleidung, Holland-Mädchen, Afrika-Mädchen im Bastrock und ein Mexiko-Junge. Dioramen ohne Garderobenfunktion wurden etwa bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts produziert; die größte Vielfalt stammt von den Münchner Herstellern, zum Beispiel mit dem gestiefelten Kater und einer Märchenkutsche. Mertens stellte auch sehr kleine Dioramen mit Mini-Figuren her, etwa Schneewittchen mit den sieben Zwergen auf einer schmalen Holzleiste.

🇬🇧 COAT RACKS, GROWTH CHARTS, DIORAMAS: Most manufacturers of German Wall Figures in the last century also produced larger supplementary items. Children’s coat racks came, for example, from Mertens, Heller, Kleur&Profiel (Netherlands), and Grossmann. Many producers also made children’s growth charts. One of the most beautiful Mertens growth charts shows children from various nations and historical eras—most of them now politically incorrect: for example, Native American boy, Mayan boy, Eskimo (Inuit) girl, Japanese girl in a kimono, Greek girl in ancient attire, Dutch girl, African girl in a raffia skirt, and a Mexican boy. Dioramas without coat rack function were produced until the 1960s; the greatest variety came from Munich manufacturers—such as a Puss in Boots figure with a fairy tale carriage. Mertens also made very small dioramas with mini-figures, like a Snow White with all the seven dwarfs, mounted on a narrow wooden strip. (Buch/25)