Original Bergischer Engel: Rückblick mit 90

Die Anfänge waren eher unspektakulär: In dem Zimmer auf diesem Foto hatte Frau Gruner-Witkop als Siebzehnjährige die ersten Hampelmänner und Märchen-Holzbilder angefertigt. In den 22 Jahren, in denen es den „Original Bergischen Engel“ in Solingen-Wald gab, wurde in eben diesem Raum entworfen und gearbeitet.

Für mich war es ein Glück, dass der 1971 verstorbene Vater von Frau Gruner-Witkop damals ein Album mit Fotos, Briefen, Dokumenten und Zeitungsausschnitten angelegt hatte. Auf den schwarz-weiß Bildern auf dem Foto unten sieht man eine Weihnachtsfeier, die die Firma in den 1960er Jahren für die Kinder der Belegschaft organisiert hatte. In den besten Zeiten waren es bis zu 12 Mitarbeiter, die für den „Original Bergischen Engel“ tätig waren.

Ende der 1960er Jahre konnte die ehemalige Gründerin, inzwischen verheiratet als Frau Johanna Gruner-Witkop, ihre Firma „Original Bergischer Engel“ abgeben, und das Grundgefühl dabei war Erleichterung. Der Käufer war Alfred Mertens mit seinem Sohn Reiner Mertens, der die Motive von „Original Bergischer Engel“ und vor allem auch die Technik übernahm und sie erstaunlicherweise zunächst unter dem Namen „Gruner Witkop“ weiterführte. Frau Johanna Gruner-Witkop selbst übernahm sogar noch einige Jahre lang die Präsenz der neuen Firma bei Spielzeugmessen im ganzen Land. Reiner Mertens konnte mit ihr an der Seite einen Teil der alten Kunden übernehmen. Da die Verantwortung der Manufaktur jetzt nicht mehr auf ihren Schultern lang, war Frau Gruner-Witkop mit dieser Lösung einverstanden. Was sie vielleicht erst später realisierte, war der gute Zeitpunkt, zu dem sie ihre Firma verkauft hatte: Es dauerte noch ein gutes Jahrzehnt, bis das langsame Sterben der Holzbild-Manufakturen begann. Reiner Mertens musste um die Jahrtausendwende in Konkurs gehen – von einem erfolgreichen Verkauf seiner Firma mitsamt der Produktions-Fabrik konnte nicht mehr die Rede sein.