1960er Hellerkunst: Seltener roter Midcentury-Mini-Engel als Sternträger im Punkte-Kleid, 8 cm, Christbaumschmuck 🇬🇧 1960s Hellerkunst: Rare Red Midcentury Mini Angel as Star Bearer in Polka Dot Dress, 8 cm, Christmas Tree Decoration

MINI-FIGUREN: Einige der größeren Märchen-Holzbild-Manufakturen stellten im letzten Jahrhundert auch Figuren in Minigrößen her. Diese Mini-Größen wurden vor allem für die Weihnachtsdekoration hergestellt, als Christbaumschmuck. Man verwendete die teilweise winzigen Größen aber auch für Mobiles, Kinder-Messlatten, Wanduhren, kleine Dioramen, Kerzenhalter, Tischkartenhalter und Ähnliches.

🇬🇧 MINI FIGURES: Many of the large German Wall Figure manufacturers also produced miniature figures in the last century. These were primarily made for Christmas decorations, such as Christmas tree ornaments. These sometimes very tiny figures were also used for mobiles, measuring sticks, wall clocks, small dioramas, candle holders, place card holders, and similar items. (Buch/25)

1940er Weha-Kunst: Hänsel und Gretel mit Hauben-Hexe, Handbemalt 21 + 23 cm Märchen-Holzbilder [EN] Hansel and Gretel with Bonneted Witch, German Wall Figures

WEHA, ÜBERSICHT: „Weha“ steht für WEerkstätten HAupt. Diese Kunstgewerbe-Manufaktur wurde 1946, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, offiziell angemeldet. Dresden war zerstört, und der Architekt Fritz Haupt (Geburtsjahr 1913) konnte nicht mehr an seiner Hochschule unterrichten. So gründete er Weha-Kunst, später in Dippoldiswalde (Erzgebirge) ansässig. Weha ist berühmt für die kleinen Blumenkinder, aber es entstanden auch Märchen-Holzbilder. Die ersten Wandfiguren waren noch komplett handbemalt. Später ging man zum Siebdruck über. Einige der sehr frühen Märchen-Holzbilder entstanden eventuell auch schon vor der offiziellen Anmeldung 1946: Sie sollten in einem Kolonialwarenladen im zweiten Weltkrieg verkauft worden sein. Weiß jemand vielleicht mehr darüber? In der DDR war Weha enteignet worden. Der nach dem Mauerfall wiederaufgenommene Betrieb wurde im Frühling 2022 schließlich eingestellt.

🇬🇧 WEHA, OVERVIEW: “Weha” stands for WEerkstätten HAupt. Mr Fritz Haupt (born 1913) was an architect who had lost his job after the Second World War. He had worked at a Dresden University that was destroyed during the war. So he founded his famous workshop in Dippoldiswalde in the Ore Mountains, in 1946. Weha is most famous for their tiny flower girl figures, but they also produced German Wall Figures. The first wood plaques had still been hand-painted; later they switched to screen-printing. In the years that followed the workshop belonged to the communist GDR for several decades. Later the family got the rights of their company back but the business was finally closed down in 2022. (Buch/25)

1930er Mertens-Kunst: Frües elfenhaftes Rumpelstilzchen, Handbemalt 30cm 🇬🇧 Large Fairy Rumpelstiltskin (Märchen-Holzbild, German Wall Figure) *

RUMPELSTILZCHEN: Die allermeisten Rumpelstilzchen-Holzbilder aus dem 20. Jahrhundert zeigen es mit dem berühmten Lagerfeuer. Der böse Brüder-Grimm-Gnom tanzt darum herum, schmiedet Pläne und ist voller Vorfreude. Aber es gibt Ausnahmen: Da sehen wir auch die (oft weinende) Müllerstochter zum Beispiel mit dem Stroh, das sie zu Gold spinnen soll. Und neben ihr das Rumpelstilzchen, das seine Hilfe anbietet und jedes Mal sinngemäß wissen will – „Was kriege ich dafür?“ Mein Favorit unter den Rumpelstilzchen ist die Art Deco Mertens-Figur aus den 1930er Jahren, wo das Rumpelstilzchen wie eine große Elfe aussieht, mit grünem kurzen Hoodie und nackten Beinen.

🇬🇧 RUMPELSTILTSKIN: Most of the Rumpelstiltskins on the German Wall Figures of the last century are shown with his famous campfire. The evil Brothers Grimm’s gnome is dancing around it, making plans and looking forward to the promised gift. But there are exceptions: I know wood pictures where we also see the (often crying) miller’s daughter for example with all the straw she’s supposed to spin to gold. Next to her we see Rumpelstiltskin (or Rumplestitskin or Rumple) offering his help. And always asking: “What’s in it for me?” My favorite is the antique Mertens Rumpelstiltskin wood plaque from the 1930s where he looks like a large fairy, with his short green hoodie and naked legs. (Buch/25)

1930er Mertens-Kunst: Schlichtes Marienkind im weißen Kleid, Handbemalt 26cm 🇬🇧 Early Mary’s Child in White Dress

MARIENKIND: Das Marienkind ist ein Märchen der Gebrüder Grimm. Es ist sehr moralisch und wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten. Man sieht es nur selten auf den Holzbildern aus dem letzten Jahrhundert: Bei Heller ist das Marienkind zusammen mit Maria abgebildet, die dem Mädchen den Himmels-Schlüssel reicht. Ravi hat das rote Marienkind, das zu trauern scheint – es erinnert mich immer an den Tod von Lisa Viertel (Ravi-Künstlerin), da ich diese Figur erstmalig fast zur gleichen Zeit entdeckte, als ich auf ihrer Beerdigung war.

🇬🇧 MARY’S CHILD: Mary’s Child is an almost forgotten Brothers Grimm fairy tale—probably because it is very solemn and moral. You’ll rarely find it on German Wall Figures. In Heller’s version, the Holy Mary hands the golden Heaven’s key to the poor little girl. Ravi’s red version looks as if the girl is mourning. That wood plaque always reminds me of the death of Lisa Viertel (Ravi artist), as I first discovered this figure around the same time I attended her funeral. (Buch/25)

1930er Mertens-Kunst: Trachtenmädchen„Gutacher Bärbele”, Handbemalt 25cm Traditional Costume Girl with Blue Apron (Märchen-Holzbild, German Wall Figure) *

MERTENS, EPOCHEN: Man kann die Holzbilder von Alfred Mertens in Antik, Jahrhundertmitte und Vintage einteilen. Die antiken Figuren aus den 1930er-Jahren waren komplett handbemalt und hatten teilweise noch Elemente vom Jugendstil oder auch Art Deco Stil. Beispiel: das frühe Sieben-Raben-Schwesterchen mit Haarreif. In der Jahrhundertmitte wurden die Figuren kleiner, was mit dem Materialmangel im Zweiten Weltkrieg zusammenhing und später beibehalten wurde. Die Figuren aus den 1940er-Jahren sind zum größten Teil noch handbemalt, aber spätestens in den 1950er-Jahren begann Mertens-Kunst, die schmalen Grundformen (Gesichter, Hände, Umrisse) aufzudrucken, während der Rest der Figur noch handbemalt wurde – auch die Seitenränder. Zu den Vintage-Figuren zählen all die Holzbilder, die schon vollständig im Siebdruckverfahren hergestellt worden sind – ungefähr ab den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren, als schließlich die allerletzten Kinder-Wandfiguren von Mertens erschienen.

🇬🇧 MERTENS, ERAS: You can divide the German Wall Figures by Alfred Mertens into antique, mid-century, and vintage. The antique wood plaques are from the 1930s and completely hand-painted. Some of them also include elements of Art Nouveau and Art Deco style—for example, the early Seven Ravens sister with the hairband. Around the middle of the last century, the figures became smaller due to the material shortages during the Second World War. Most of the 1940s wood plaques were still entirely hand-painted. By the 1950s, however, Mertens-Kunst began printing the slim base shapes—faces, hands, and outlines—while the rest of the figure was still painted by hand, including the edges. The vintage wall figures were fully screen-printed, roughly from the 1960s to the 1980s, when the very last fairy tale motifs were designed by Mertens-Kunst. (Buch/25)

1930er Mertens-Kunst: Trachtenjunge „Hanauer Schwarzwald“, Handbemalt 26cm 🇬🇧 Traditional Costume Boy with Fur Cap (Märchen-Holzbild, German Wall Figure) *

MÄRCHEN ODER KEIN MÄRCHEN? Das ist die wichtigste Grundfrage zu den Motiven der Kinder-Wandfiguren aus dem letzten Jahrhundert. Die Holzbilder-Ära hatte im Grunde nur zwei Themenbereiche: Eine Figur war entweder ein Märchen oder kein Märchen. Dann war es oft ein reines Kindermotiv, zum Beispiel ein Frühlingskind mit Blumen oder ein frierender kleiner Junge mit Schneeball – wie die berühmte Heller-Figur aus den 1930er-Jahren. Die häufigsten Motive waren allerdings die klassischen Brüder-Grimm-Märchen, daher auch der Genre-Name: Märchen-Holzbilder. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] FAIRY TALE OR NOT A FAIRY TALE? That is the most important basic question concerning the motifs of last century’s German Wall Figures. You can divide the wood figure era into two main types: The figure either showed a fairy tale—or not. In the latter case, it was often a simple child motif, for example a spring girl with flowers or a freezing little boy with a snowball, like the famous Heller figure from the 1930s. Most of the motifs, however, were classic Brothers Grimm fairy tales—that’s why the German genre name is “Märchen-Holzbild,” meaning fairy tale wood picture. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1950er Mertens-Kunst: „Laterne, Laterne“-Zwerg mit offenem Mund, Siebdruck, 24 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Alfred Mertens: “Laterne, Laterne” Dwarf with Open Mouth, Screen-printed, 24 cm, German Wall Figure

LATERNE, LATERNE: Es gibt nicht viele, aber doch ein paar Märchen-Holzbilder zum Thema Laternelaufen am Martinstag (11. November, Sankt Martin von Tours). Babyboomer verbinden mit dieser Erinnerung oft ein anheimelnd schönes Laternelaufen-Gefühl: Man war im Dunkeln draußen und vom warm-gelben Kerzenlicht der Papierlaternen umgeben. Alle waren in guter Stimmung, weil man etwas Schönes gemeinsam machte, und es ging langsam auf die Adventszeit zu. Ein wunderschönes Motiv ist der Laterne-Zwerg von Mertens um 1960 herum: Er trägt eine Laterne in Regenbogenfarben, und es gibt ihn in verschiedenen Varianten – einmal mit einer schwarzen Katze. Es gibt allerdings auch einen sehr frühen Mertens-Zwerg mit einer Papierlaterne und nackten Beinen, aus den 1930er-Jahren: Er heißt „Muck“.

🇬🇧 LANTERN, LANTERN: The kindergarten and primary school song “Laterne, Laterne” is linked to a German tradition for children. There, every child carries a paper lantern in the dark, accompanied by many other children and their parents, singing songs around St. Martin’s Day (November 11th). Wood pictures with this paper lantern motif are rather rare, but they do exist. For many German baby boomers, there are beautiful childhood memories connected to “lantern walking”: you were outside in the dark, surrounded by the warm yellow candlelight of paper lanterns. Everyone was in a good mood, doing something lovely together—and the promise of Christmas time was already in the air. Mertens made a beautiful “Laterne, Laterne” dwarf around 1960, carrying a rainbow-colored lantern. There are different versions, including one with a black cat. And in the 1930s, there was the naked knees gnome “Muck” with a yellow paper lantern. (Buch/25)

1930er Unbekannt: Reizendes blondes Glockenblumen-Mädchen, Handbemalt, 26 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1930s Unknown: Charming Blonde Bluebell Girl, Hand-painted, 26 cm, German Wall Figure

MÄRCHEN ODER KEIN MÄRCHEN? Das ist die wichtigste Grundfrage zu den Motiven der Kinder-Wandfiguren aus dem letzten Jahrhundert. Die Holzbilder-Ära hatte im Grunde nur zwei Themenbereiche: Eine Figur war entweder ein Märchen oder kein Märchen. Dann war es oft ein reines Kindermotiv, zum Beispiel ein Frühlingskind mit Blumen oder ein frierender kleiner Junge mit Schneeball – wie die berühmte Heller-Figur aus den 1930er-Jahren. Die häufigsten Motive waren allerdings die klassischen Brüder-Grimm-Märchen, daher auch der Genre-Name: Märchen-Holzbilder.

🇬🇧 FAIRY TALE OR NOT A FAIRY TALE? That is the most important basic question concerning the motifs of last century’s German Wall Figures. You can divide the wood figure era into two main types: The figure either showed a fairy tale—or not. In the latter case, it was often a simple child motif, for example a spring girl with flowers or a freezing little boy with a snowball, like the famous Heller figure from the 1930s. Most of the motifs, however, were classic Brothers Grimm fairy tales—that’s why the German genre name is “Märchen-Holzbild,” meaning fairy tale wood picture. (Buch/25)

1940er EW-Figuren: Aschenputtel mit schwarzen Haaren und großen Augen, 20 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s EW Figuren: Cinderella with Black Hair and Big Eyes, 20 cm, German Wall Figure

EW-FIGUREN: Typisch für diesen Hersteller von Märchen-Holzbildern aus der Mitte des letzten Jahrhunderts sind die wunderschönen großen Augen und der Comic-Stil. Die Entwürfe sind äußerst originell, vermutlich einzigartig, denn ich kenne sie bisher von keiner anderen Manufaktur. Häufig werden Kinder aus Brüder-Grimm-Märchen dargestellt, aber es gibt zum Beispiel auch ein großes Kerzenkind mit einem kleinen Sack-Zwerg, der vermutlich den Sandmann darstellen soll. Besonders ungewöhnlich und sehr auffallend ist der Struwwelpeter mit schwarzen Fingernägeln. Einige Figuren tragen einen DDR-Preisaufkleber, was auf eine Herkunft aus Ostdeutschland hinweist. Wofür steht das Kürzel „EW“? Weiß jemand mehr über diese fast vergessene Manufaktur? Bitte schreiben Sie mir!

🇬🇧 EW FIGURES: The beautifully large eyes and the comic style are typical of the “EW Figures,” who produced German Wall Figures in the middle of the last century. Their designs are extremely original, probably unique, as I have not seen them from any other manufacturer. The Brothers Grimm fairy tale children are often depicted, but there is also a large candle child with a small sack dwarf, likely representing the Sandman. Particularly unusual and striking is the Struwwelpeter with black fingernails. Some figures bear a GDR price sticker, suggesting an East German origin. What does “EW” stand for? Does anyone know more about this great and almost forgotten decorative arts manufacturer? Please contact me! (Buch/25)

1930er Pfeil (?): Filigranes kniendes blaues Aschenputtel, Handbemalt, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1930s Pfeil (?): Filigree Kneeling Blue Cinderella, Hand-painted, German Wall Figure

PFEIL, STUTTGART-VAIHINGEN: Es gibt einen kleinen Wanderer mit Stock und Stiefeln vom Hersteller „Pfeil“. Auf dem weißen Aufkleber steht „Pfeil (mit Asterisk-Sternchen daneben), Handgemalt, Stuttgart-Vaihingen.“ Interessant sind die weißen Streifen auf dem grünen Dreiecks-Sockel, denn das Holzbild stammt aus einer Sammlung von mehreren Figuren, die alle Streifen auf den jeweiligen Dreiecks-Sockeln haben, jedoch keine Rückseiten-Kennzeichnung. Es kann Zufall sein, zumal die anderen Figuren aus etwas dünnerem Holz sind (wenngleich vermutlich ebenfalls aus den 1930er Jahren), aber ich möchte sie erwähnen, weil sie besonders markant sind: Ein Schneewittchen im hellblauen Kleid, das mit erhobenem Finger einen Zwerg ermahnt, ein Barfuß-Kerzenmädchen im gelben Nachthemd, ein auf einem Bein kniendes Aschenputtel in Blautönen und ein besonders ängstlich dreinschauendes Rotkäppchen.

🇬🇧 PFEIL, STUTTGART-VAIHINGEN: I know a German Wall Figure with a little hiker with hiking stick and boots from the manufacturer Pfeil. The white back sticker says: “Pfeil (with asterisk stars next to it), Handgemalt, Stuttgart-Vaihingen.” The white stripes on the front of the green triangular base are interesting, because this wood plaque comes from a collection of figures that also have additional stripes on their triangular bases, but no markings on the back. It may be a coincidence, especially since the other figures are made of slightly thinner wood (although probably also from the 1930s), but I would like to mention them because they are particularly striking: a Snow White in a light blue dress admonishing a dwarf with her raised finger, a barefoot candle girl in a yellow nightgown, a blue Cinderella kneeling on one leg and a particularly frightened-looking Little Red Riding Hood. (Buch/25)