1940er Hellerkunst: Herbstblatt-Elfe „Gilbhard“, Handbemalt 14×20cm [EN] Blue Fairy on Autumn Leaf

HELLER, HERBSTBLATT-ELFE: Eines der allerschönsten Märchen-Holzbilder von Magda Heller ist die auf einem Herbstblatt schwebende kleine Elfe im kurzen Hoodiekleid. Sie taucht erstmalig im 1930er Hellerkunst-Katalog auf, wo sie den Namen „Gilbhard“ trägt; eine altdeutsche Bezeichnung für den Monat Oktober. Normalerweise hat das kurze Kapuzenkleid der Elfe ein kräftiges Blau, ein Royalblau, aber ich kenne auch eine Variante mit einem helleren Blau. Außerdem gibt es eine winzige Miniversion als Christbaumschmuck, mit roten Wangen und beidseitig bemalt. Die wunderschöne Hellerkunst-Herbstblatt-Elfe wurde häufig kopiert; man sieht die Kopien manchmal mit einem roten Kleidchen.

[EN] HELLER, LEAF FAIRY: One of Magda Heller’s most beautiful German Wall Figures is the little elf child in a short hoodie dress, floating on an autumn leaf. It appears for the first time in the 1930 Hellerkunst catalog, where it bears the name “Gilbhard”; an old German name for the autumn month of October. Normally the short hooded dress has a strong blue, a royal blue, but I also know a version with a lighter blue. There is also a tiny version as a Christmas tree decoration, with red cheeks and painted on both sides. The beautiful Hellerkunst Autumn Leaf Fairy was often copied; you sometimes see the copies with a red dress. (Buch/25)

1930er Eifelkunst: Frühe Gänsemagd im langen Punktekleid, Handbemalt 29cm [EN] Antique Goose Maid in Long Red Dress

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EIFELKUNST, STEMPEL: Ilse Schneider hat drei Arten von Logos beziehungsweise Stempeln auf den Rückseiten ihrer Märchen-Holzbilder verwendet. Anfang der 1930er-Jahre waren es drei kaum lesbare, stilisierte Buchstaben: Zwei schräg eingeritzte Buchstaben „E“ und „K“ (für Eifelkunst), dazwischen ein „S“ für Schneider, das fast wie ein „Z“ aussah. Später folgte ein gut lesbares, eingeprägtes „Eifelkunst“ – und schließlich ein einfacher Farbstempel, der nicht mehr ins Holz eingeprägt wurde.

[EN] EIFELKUNST, STAMPS: Ilse Schneider used three types of logos or stamps on the backs of her German Wall Figures. In the early 1930s, she carved three barely legible letters into the backs: an “E” and a “K” for Eifelkunst, with an “S” for Schneider in between, which almost looked like a “Z”. Later, there was a clearly legible “Eifelkunst” impressed into the wood, and finally a simple ink stamp that was no longer carved in. (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst: Frühes Schneewittchen mit ausgesägtem Zopf und Papierstreifen, Handbemalt, 21cm [EN] Snow White with Cut-out Braid

RAVI, SCHNEEWITTCHEN: „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz.“ Ich kenne mehr als zehn verschiedene Ravi-Kunst-Schneewittchen – die meisten in gelben Kleidern. Selbst die beiden Versionen mit hellblauem und rosa Kleid tragen ein gelbes Unterkleid. Nur zwei sehr alte Ravi-Schneewittchen (frühe 1940er) hatten ganz einfarbige Kleider: Eines war rosa und das wohl älteste trug ein weißes Kleid; es hat auch den sehr alten, breiten Ravi-Kunst-Stempel. Das Schneewittchen hat sehr lange Haare, die unten ausgesägt sind, was die Figur zerbrechlicher macht als die späteren Ravi-Holzbilder.

[EN] RAVI, SNOW WHITES: „White as snow, red as blood, black as ebony.” I’ve known about a dozen different Snow Whites by Ravi-Kunst–most of them in yellow dresses. Even those two versions with the light blue and baby pink dresses have a yellow shift underneath. Only two very old Ravi Snow Whites I’ve known so far (early 1940s) had completely plain dresses: one was light pink and the oldest one was white–it also has the very early wide Ravi-Kunst stamp on the back. That Snow White also has very long hair that is sawn out at the bottom, which makes the figure more fragile than the later Ravi wood plaques. (Buch/25)

1950er Ravi-Kunst, Hampelmann: Graues „Kätzchen“ mit rotem Kleid, Handbemalt 23cm [EN] Grey “Kitten” in All Red Dress

RAVI, ERNA RATHS GEWERBEKARTE: Erna Martha Grete Rath, geboren am 16. November 1911 in Hamburg, meldete ihr Gewerbe „Anfertigen und Bemalen von Laubsägefiguren“ am 6. April 1940 in Hamburg an. Als Betriebsstätte war unter anderem die folgende Adresse angegeben: Ferdinandstraße 45, im 1. Stock. Zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung (als Einzelunternehmen) wohnte Erna Rath in Stellingen, in der Höhenstraße 15. Der zweite gut lesbare Datumsstempel (das meiste ist in Sütterlin-Handschrift geschrieben) ist der 25. August 1964, aber das kann eigentlich nicht der Termin der endgültigen Abmeldung gewesen sein, da es im Fotoalbum von Erna Rath (inzwischen im Besitz ihrer Nichte Ingeborg Wigger) noch Fotos von den „Neuheiten 1969“ gibt. „Neuheiten 1970“ sind nicht mehr dokumentiert, also kann es gut sein, dass Ravi-Kunst tatsächlich nur bis Ende der Sechzigerjahre existierte, aber nicht mehr in den Siebzigerjahren.

[EN] RAVI, ERNA RATH’S CERTIFICATE OF TRADE: Erna Martha Grete Rath, born on November 16, 1911 in Hamburg, registered her business “making and painting fretsaw figures” (translated) on April 6, 1940 in Hamburg. The following address was given as the place of business: Ferdinandstrasse 45, on the 1st floor. At the time of registering the business (as a sole proprietorship), Erna Rath lived in Stellingen, Höhenstraße 15. The second legible date stamp (most of it is written in Suetterlin handwriting) is August 25, 1964, but that cannot have been the date of de-registration, because I have seen photos of the “New products in 1969” (translated) in Erna Rath’s photo album (now owned by her niece Ingeborg Wigger). “New products in 1970” are no longer documented, so it is likely that Ravi-Kunst actually only existed until the late 1960s, but no longer in the 1970s. (Buch/25)

1940er Original Bergischer Engel: Blauer Froschkönig mit schmalem Gesicht und O-Mund, Handbemalt 24cm [EN] Frog Prince with Narrow Face

ORIGINAL BERGISCHER ENGEL, O-MÜNDER: Die frühen Holzbilder des Original Bergischer Engel aus den 1940er Jahren hatten oft einen erstaunten Ausdruck, weil der Mund ein längliches „O“ formte. Johanna Gruner-Witkop, die erste Besitzerin und Künstlerin des Original Bergischer Engel, hat mir im neuen Jahrtausend erzählt, dass sie zu Beginn ihres Betriebs in den Vierzigerjahren eine Freundin mit Design-Erfahrung hatte, die ihr sagte, dass gerade niedliche O-Münder und blonde Locken beliebt waren. Daher findet man häufig beides bei den frühen, noch ganz handbemalten Figuren des OBE: Die Froschkönig-Prinzessin mit dem blauen Sternenrock, die erste Version der Schornsteinfegerin (Hampelmann), das kleine blaue Aschenputtel und die Köchin mit der großen roten Schleife (Hampelmann). Die originelle Fischverkäuferin mit der kleinen Metallglocke in der Hand (Hampelmann) hatte zwar dunkle

[EN] ORIGINAL BERGISCHER ENGEL, O-MOUTHS: The early wood plaques by Original Bergischer Engel (1940s) often had an astonished expression because the mouth formed an elongated “O”. Johanna Gruner-Witkop, the first owner and artist of the Original Bergischer Engel, told me in the new millennium that when she started her business in the 1940s, she had a friend with design experience who told her that cute O-mouths and blonde curls were popular. That’s why you often find both on the early hand-painted figures by Original Bergischer Engel: on the Frog Prince princess with the blue starry skirt, the first chimney sweep girl (jumping jack), the little blue Cinderella and the chef girl with the big red bow (jumping jack). The fish seller woman with the small metal bell in her hand (jumping jack) had dark curly hair, but her shouting mouth also formed an “O”. (Buch/25)

1930er Mertens-Kunst (?): Panflöten-Spieler mit gehetztem Blick, Handbemalt 25cm [EN] Pan Flute Player with Crazy Eyes

BESCHÄDIGT, ABER DA! Manchmal findet man Märchen-Holzbilder aus dem letzten Jahrhundert, die beschädigt, aber selten und interessant sind. Dann ist eine Beschädigung kein großes Problem – man ist einfach froh, die Wandfigur überhaupt in den Händen halten zu können. Das trifft natürlich ganz besonders auf sehr seltene und außergewöhnlich schöne Figuren zu. Beispiel: die Bienen-Elfe von Heller.

[EN] DAMAGED, BUT THERE! Sometimes I come across German Wall Figures from the last century that are damaged, but also rare and interesting. In such cases, some damage is no problem–it’s simply a joy to be able to hold the piece at all. This is especially true for very rare and particularly wonderful motifs. Example: the Bee Fairy by Heller. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Sieben-Raben-Schwester im kurzen orangen Kleid, Handbemalt 20cm [EN] 7 Ravens Sister in Short Dress

MERTENS, ÜBERSICHT: Mertens-Kunst hat über sechs Jahrzehnte lang Märchen-Holzbilder hergestellt, von den frühen 1930er- bis zu den späten 1980er-Jahren. Alfred Mertens wurde am 21.3.1898 in Wiesbaden geboren und starb am 29. Juni 1987 in Hallwangen/Dornstetten. Die ersten Kinder-Wandfiguren von Alfred Mertens entstanden Anfang der 1930er-Jahre in Reutlingen, im „Reutlinger Werkhaus“, einem Kunstgewerbegeschäft, das Alfred Mertens mit seiner Frau Maria Mertens 1928 gegründet hatte. Am 5.10.1936 meldete Alfred Mertens seine Werkstatt im nahe gelegenen Pfullingen an: zunächst Panoramastraße 20, später Bergstraße 15 und ab 1971 Carl-Zeiss-Straße 7. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] MERTENS, OVERVIEW: Mertens-Kunst produced German Wall Figures for more than six decades, from the early 1930s to the late 1980s. Alfred Mertens was born on March 21, 1898, in Wiesbaden and died on June 29, 1987 in Hallwangen/Dornstetten. The first fairy-tale wood pictures by Alfred Mertens were created in the early 1930s in Reutlingen, in the “Reutlinger Werkhaus,” a crafts store founded by Alfred and his wife Maria Mertens in 1928. On October 5, 1936, Alfred Mertens registered his workshop in nearby Pfullingen: first at Panoramastraße 20, later at Bergstraße 15, and from 1971 at Carl-Zeiss-Straße 7. (From the book: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

1950er Original Bergischer Engel: Froschkönig-Prinzessin mit rosa Brautschleier, Handbemalt 16cm [EN] Yellow Frog Princess with Bridal Veil

ORIGINAL BERGISCHER ENGEL, MESSEWERBUNG: Der OBE hat in den 1940er bis 1960er Jahren viele Stände auf Spielwarenmessen gehabt. Johanna (Hannelore) Gruner-Witkop hat mir im neuen Jahrhundert von vielen Messen ihrer Manufaktur erzählt und mir Fotos gezeigt, auf denen man sie immer schick angezogen und häufig im Kundengespräch sieht. Auf einer Werbekarte des OBE steht folgender Text über gleich zwei verschiedene Messen: „Der Bergische Engel am neuen Messestand, Spielwaren-Messe Nürnberg, 13. bis 18. Februar 1966, Neubau Europahaus, Erdgeschoß, Stand 3082 B; Baby-Messe Köln 22. bis 24. April 1966, Halle 12, Erdgeschoß, Gang B, Stand 32, Hannelore Gruner-Witkop, Solingen-Wald, Hampelmänner, Wandbilder, Kleider-Recke.“

[EN] ORIGINAL BERGISCHER ENGEL, TOY FAIR AD: The Original Bergischer Engel had many booths at toy fairs from the 1940s to the 1960s. Johanna Gruner-Witkop told me about that in 2017 and and showed me photos in which you could see her, always smartly dressed and often talking to customers. On an Original Bergischer Engel advertising card, there is the following text about two different trade fairs: “The Bergischer Engel at the new trade fair stand, Nuremberg Toy Fair February 13th to 18th, 1966, new Europahaus building, ground floor, booth 3082 B; Baby Fair Cologne April 22nd to 24th, 1966, Hall 12, ground floor, aisle B, booth 32, Hannelore Gruner-Witkop, Solingen-Wald; Jumping Jacks, Wall Figures, Children’s Clothes Racks.” (translated) (Buch/25)

1930er Niedersachsen-Kunst: Aschenputtel auf Ofen sitzend, Handbemalt 18×20cm [EN] Cinderella Sitting on Stove

NIEDERSACHSEN-KUNST: Dieser Hersteller hat in den 1930er und vielleicht auch noch in den frühen 1940er Jahren Märchen-Holzbilder produziert, aber auch Kindermotive und Zwerge. Sie wurden alle handbemalt. Auf vielen der Figuren kann man unten ein Grasbüschel sehen, und die Augen wurden mit braunem Bleistift gezeichnet, wie das auch bei Heller der Fall war. Vielleicht wurde die Werkstatt im Zweiten Weltkrieg ausgebombt? Ich kenne jedenfalls keine späteren Produkte dieses Herstellers. Weiß jemand mehr über Niedersachsen-Kunst? Bitte schreiben Sie mir!

[EN] NIEDERSACHSEN-KUNST: This manufacturer produced many German Wall Figures in the 1930s and maybe in the early 1940s, too. Most of those wood plaques were the classic Brothers Grimm’s motifs, but there were also children and dwarfs. All of them were hand-painted. On many of their figures you’ll find grass sprouting at the bottom. The eyes were painted with a brown pencil, like Heller did, too. This producer doesn’t seem to have survived the Second World War, maybe they got bombed out, like other manufacturers, too. Does anyone know more about this wonderful historic manufacturer? Please get in touch! (Buch/25)

1940er Ravi-Kunst, Hampelmann: Frühes schwarzes „Kätzchen“ mit Federhut, Handbemalt 23cm [EN] Early Black Cat

RAVI, HAMPELMÄNNER: Ravi-Kunst aus Hamburg hat im letzten Jahrhundert viele reizende und äußerst originelle Hampelmänner hergestellt. Ich kenne zum Beispiel das schwarze „Kätzchen“ mit Dirndlkleid aus den 1940er Jahren, das in der frühen Version sogar noch eine filigrane Feder auf seinem kleinen Hut trägt. Alle Hampelmänner von Ravi sind komplett handbemalt und mit stabilen Metallverbindungen versehen: Ich habe noch nie eine Ravi-Hampelfigur mit losen Gliedern gesehen!

[EN] RAVI, JUMPING JACKS: The manufacturer Ravi-Kunst from Hamburg created many charming and unique jumping jack figures around the middle of the last century. For example, there is the black kitten in a dirndl dress from the 1940s, with a delicate feather on its little hat. All jumping jack toys by Ravi were completely hand-painted, and their stability is truly impressive: I’ve never encountered a Ravi-Kunst pull figure with loose limbs! (Buch/25)