1940er Großartige Kopie der Hellerkunst-Laternenkinder, 25 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 1940s Excellent Copy of the Hellerkunst Lantern Children, 25 cm, Hobby Craft

ZWEITER WELTKRIEG, NOTKOPIEN: Die Jahre im und nach dem Zweiten Weltkrieg waren für viele Menschen hart. In Deutschland entstanden damals tausende von Märchen-Holzbild-Hobbyarbeiten, die für den Verkauf hergestellt wurden. Aber nicht jede 1940er Hobby-Laubsägearbeit wurde aus der Not heraus gefertigt. Woran also erkennt die Verkaufsabsicht? Am deutlichsten daran, dass viele Motive mehrfach herstellt wurden. Ich kenne Sammlungen, denen nicht nur zum Beispiel das gleiche Rotkäppchen dreimal beilag, sondern auch die Vorlagen, von denen kopiert wurde: Ein Faltblatt mit Ilse Schneider-Motiven aus der Eifel oder Pauspapier mit Motiven von Heller. „Nachahmungen werden verfolgt“ stand auf einigen Mertens-Rückseiten aus dieser Zeit.

🇬🇧 SECOND WORLD WAR, HARD TIMES COPIES: The years in and after the Second World War were hard for many people. In Germany, many tried crafting fairy tale fretsaw figures to sell them. But not every 1940s fretsaw item was made to sell and survive: How can you tell the difference? The easiest telltale sign would be that someone had made many copies of the same motif. I’ve known of collections that contained not only something like three times the same Little Red Riding Hood but also the templates that were used: real figures from the prewar nursery or paper templates, copied from Heller or Ilse Schneider (Eifel). Back then, there were stamps on some backs of Mertens figures: “Copying will be prosecuted” (translated). (Buch25)

1970er Unbekannt: Seltene Maus mit Trompete und Sockel 21 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 1970s Unknown: Rare Mouse with Trumpet and Base, 21 cm, Hobby Craft

HOBBYARBEITEN, QUALITÄTS-UNTERSCHIEDE: Manchmal findet man alte Laubsägefiguren aus dem letzten Jahrhundert, die einfach großartig ausgeführt worden sind. Deren Hersteller hätten im letzten Jahrhundert sicher kein Problem gehabt, bei einer der großen Märchen-Holzbild-Manufakturen eine Anstellung zu finden. Vielen Hobbyarbeiten sieht man die Hobbyarbeit deutlich an, aber auch das hat seinen Charme. Oder es ist sehr anrührend – wie zum Beispiel bei einer Figur mit der Widmung „Für Mama zum Geburtstag 1948.“

🇬🇧 HOBBY CRAFTS, DIFFERENT QUALITIES: In the last century there was the very popular German hobby of making your own fretsaw wood plaques. Templates came from many producers, and some motifs were extremely popular. Some of those hobby items are so beautifully done that the crafter would easily have found a job with one of the professional manufacturers of German Wall Figures. With most homemade figures you can tell a hobby craft is a hobby craft—but still, that can be very charming. Or it can be touching, for example if a child had written “Mommy’s birthday 1948” (translated) on the back. (Buch/25)

1950er Unbekannt: Filigranes Paar in Bayerntracht als Hampelmänner, 41 + 43 cm 🇬🇧 1950s Unknown: Magnificent Delicate Couple in Bavarian Costume as Jumping Jacks, 41 + 43 cm

HAMPELMÄNNER: Alle großen Märchen-Holzbild-Manufakturen haben damals auch Hampelmänner hergestellt. Sehr originelle Motive kamen zum Beispiel vom Original Bergischer Engel und von Ravi. Alfred Mertens jedoch erzielte mit mehreren Hundert verschiedenen Motiven die höchsten Hampelmann-Verkaufszahlen. Andere Namen, unter denen diese Figuren angeboten wurden: Hampel-Figuren, Zugfiguren oder Ziehfiguren.

🇬🇧 JUMPING JACKS: All of the large manufacturers of German Wall Figures also produced jumping jacks. Very funny and very cute pull figures came for example from Original Bergischer Engel and Ravi-Kunst. Mertens-Kunst however produced several hundreds of different jumping jack motifs and they achieved the highest production numbers. (Buch/25)

1940er Graupner(?): Grinsender Osterhase mit Ostereier-Kiepe, 26 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 1940s Graubele(?): Grinning Easter Bunny with Basket of Easter Eggs, 26 cm, Hobby Craft

HOBBYARBEITEN, ÜBERSICHT: Die weitaus bekanntesten Laubsägefiguren sind immer noch die Hobbyarbeiten, die im letzten Jahrhundert zu Hause gebastelt wurden. Erstaunlicherweise kennen jedoch selbst die meisten älteren Leute in den 2020er Jahren in Deutschland die kunstgewerblichen Figuren zum Beispiel von Heller oder Mertens überhaupt nicht. Das liegt daran, dass die meisten Eltern im letzten Jahrhundert ihren Kindern keine teuren Geschenke in Kunstgewerbe-Geschäften kauften, denn es war ja oft gerade die Zeit vor, in oder nach einem Weltkrieg. Man muss also grundsätzlich zwei Arten von Laubsägefiguren unterscheiden: die selbstgebastelten Hobbyarbeiten und die Manufakturen-Arbeiten, die ich Märchen-Holzbilder nenne.

🇬🇧 HOBBY CRAFTS, OVERVIEW: The most famous German fretsaw figures are still the hobby craft items. They were home made in the last century by every other family. Even in the 2020s, most elderly people in Germany have never heard of the professionally crafted fairy tale wall figures made by manufacturers like Heller or Mertens. That’s because most parents in the last century didn’t take their children to expensive arts and crafts stores, especially during those periods before, during, or just after a world war. So we basically need to distinguish between two kinds of fretsaw items: The hobby crafts and the manufacturer-made wall plaques. I call the latter German Wall Figures—or in German: Märchen-Holzbilder. (Buch/25)

1940er „MA-Sammlung“ USA: Rosa Goldmarie auf Riesenwolke, 17 cm, Brünhild-Schlötter-Stil, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s “MA Collection” USA: Pink Golden Mary on Giant Cloud, 17 cm, Brünhild Schlötter Style, German Wall Figure

IN DIE USA UND ZURÜCK: Besonders kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Märchen-Holzbilder den Weg von Deutschland in die USA. Vor allem die alliierten Soldaten aus den Vereinigten Staaten kauften sie gerne als Mitbringsel für die Heimreise oder sie schickten sie nach Hause, für ihre Kinder, Nichten und Neffen. Es waren eben sehr ungewöhnliche, typisch deutsche und oft besonders schöne Mitbringsel. Auch nach der Besatzungszeit wurden viele Wandfiguren in die USA geschickt, viele der großen Manufakturen bekamen Bestellungen aus „Übersee“. Von einigen Figuren weiß ich ganz genau, dass sie in der USA gewesen waren, weil ich sie selbst von dort erworben habe und sie nun wieder in Deutschland sind – vielleicht auch nur vorläufig?

🇬🇧 TO THE USA AND BACK: American soldiers bought many German Wall Figures when they were stationed in Germany after the Second World War. Those beautiful wood plaques made perfect gifts for their kids, nieces and nephews back home, always very special–very often very beautiful. Also in the decades following the 1940s they remained popular in the United States of America. Many German arts and crafts manufacturers got large orders from “Übersee” (overseas). There are several figures of which I definitely know they made the journey to the USA and back: those that I bought from the USA myself. (Buch/25)

1950er Graupner: Trinkender Landarbeiter mit Bierflasche und Spaten, 25 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 1950s Graubele: Drinking Farm Worker with Beer Bottle and Spade, 25 cm, Hobby Craft

GRAUPNER, ÜBERSICHT: Johannes Graupner war ein bedeutender Hersteller von Laubsägevorlagen, die von 1930er- bis zu den 1990er Jahren hergestellt wurden. Er gründete seine Firma, indem er Anfang der 1930er Jahre ein in Cannstatt (Stuttgart) ansässiges Unternehmen übernahm, das Vorlagen für Laubsägearbeiten herstellte. Der neue Betrieb entwickelte sich zu einem Familienunternehmen und brachte wunderschöne Vorlagen hervor – nach und nach unter drei verschiedenen Namen: Cannstatter Laubsäge-Arbeiten, Graupner und Graubele. Der älteste mir bekannte Graupner-Katalog stammt aus den 1930er Jahren. Später erschienen die meisten Vorlagen unter dem Namen „Graubele“. Ab etwa 1959 wurde wieder der Name „Graupner“ verwendet, bis in die 1990er Jahre hinein.

🇬🇧 GRAUPNER, OVERVIEW: Johannes Graupner was a major producer of fretsaw figure templates from the 1930s to the 1990s. He founded his company by taking over a Cannstatt (Stuttgart) business that had been producing fretsaw templates in the early 1930s. The new business developed into a family-run company that produced beautiful templates under three different names over time: Cannstatter Laubsäge-Arbeiten, Graupner, and Graubele. The oldest Graupner catalog I know dates back to the 1930s. Later, most templates were published under the name “Graubele.” From around 1959 onward, the name “Graupner” was used again until the 1990s. (Buch/25)

1940er Vobach: Geschnitztes Brüderchen und Schwesterchen mit Blumenkranz, 12 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 Midcentury Vobach: Carved Little Brother and Sister with Flower Crown, 12 cm, Hobby Craft

VOBACH: Die allerersten Laubsägevorlagen von Vobach mit echten Märchenmotiven stammen aus den 1930er Jahren; es waren zum Aufbügeln gedachte Abplättmuster. Es erschien immer ein großes Faltblatt, das sehr klein zu einer Art Heft zusammengelegt und leicht verklebt wurde. Es gab die verschiedensten Themen; eines mit Brüder-Grimm-Motiven hieß „Vobach-Aufbügelmuster, Nr. 31711 K, 6 Märchenfiguren in Laubsägearbeit als Christbaumschmuck“. Vorne war eine kleine Lebkuchengretel zu sehen. Ein ähnliches Heft zeigte ein hübsches Brüderchen und Schwesterchen mit Blumenkranz als Cover. Die meisten fertigen Vobach-Figuren, die ich kenne, wurden nicht als Christbaumschmuck gefertigt, also ohne ein Aufhängeband. Es hatte übrigens auch 1920 schon ein Buch mit Laubsägearbeiten von einem Verlag „W. Vobach“ gegeben. Der Titel lautete: „Arbeiten aus Zigarrenkistenholz”. Ich bin mir jedoch inzwischen nicht mehr sicher, ob da ein Zusammenhang besteht.

🇬🇧 VOBACH: The first Vobach fretsaw templates with fairy tale motifs date from the 1930s; they were patterns intended to be ironed on. It was a large sheet which had been folded very small into a kind of booklet and it was lightly glued. There were a variety of topics; one with Brothers Grimm motifs reads as follows: “Vobach iron-on pattern, No. 31711 K, 6 fairy tale characters in fretsaw as Christmas tree decorations” (translated). A small Gretel with a gingerbread heart could be seen on the front. A similar booklet has a pretty Little Brother and Little Sister with a flower crown as the cover picture. Most of the finished Vobach plaques that I know were not made as Christmas tree decorations; they have no hanger. Interestingly, in 1920 there had already been a book with fretwork templates from a publisher “W. Vobach.” with the title “Working with Cigar Box Wood.” However, I am not sure whether there is a connection. (Buch/25)

1940er Graupner: Strickende Gänseliesel mit fliegender Schürze, 25 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 1940s Graubele: Knitting Goose Girl with Flying Apron, 25 cm, Hobby Craft

GRAUPNER, ÜBERSICHT: Johannes Graupner war ein bedeutender Hersteller von Laubsägevorlagen, die von 1930er- bis zu den 1990er Jahren hergestellt wurden. Er gründete seine Firma, indem er Anfang der 1930er Jahre ein in Cannstatt (Stuttgart) ansässiges Unternehmen übernahm, das Vorlagen für Laubsägearbeiten herstellte. Der neue Betrieb entwickelte sich zu einem Familienunternehmen und brachte wunderschöne Vorlagen hervor – nach und nach unter drei verschiedenen Namen: Cannstatter Laubsäge-Arbeiten, Graupner und Graubele. Der älteste mir bekannte Graupner-Katalog stammt aus den 1930er Jahren. Später erschienen die meisten Vorlagen unter dem Namen „Graubele“. Ab etwa 1959 wurde wieder der Name „Graupner“ verwendet, bis in die 1990er Jahre hinein.

🇬🇧 GRAUPNER, OVERVIEW: Johannes Graupner was a major producer of fretsaw figure templates from the 1930s to the 1990s. He founded his company by taking over a Cannstatt (Stuttgart) business that had been producing fretsaw templates in the early 1930s. The new business developed into a family-run company that produced beautiful templates under three different names over time: Cannstatter Laubsäge-Arbeiten, Graupner, and Graubele. The oldest Graupner catalog I know dates back to the 1930s. Later, most templates were published under the name “Graubele.” From around 1959 onward, the name “Graupner” was used again until the 1990s. (Buch/25)

1960er Graupner: Hänsel und Gretel mit unheimlicher Hauben-Hexe (Katalog: 5464), Laubsägearbeit 🇬🇧 1960s Graubele: Hansel and Gretel with Eerie Bonnet Witch (Catalog: 5464), Hobby Craft

GRAUPNER, ÜBERSICHT: Johannes Graupner war ein bedeutender Hersteller von Laubsägevorlagen, die von 1930er- bis zu den 1990er Jahren hergestellt wurden. Er gründete seine Firma, indem er Anfang der 1930er Jahre ein in Cannstatt (Stuttgart) ansässiges Unternehmen übernahm, das Vorlagen für Laubsägearbeiten herstellte. Der neue Betrieb entwickelte sich zu einem Familienunternehmen und brachte wunderschöne Vorlagen hervor – nach und nach unter drei verschiedenen Namen: Cannstatter Laubsäge-Arbeiten, Graupner und Graubele. Der älteste mir bekannte Graupner-Katalog stammt aus den 1930er Jahren. Später erschienen die meisten Vorlagen unter dem Namen „Graubele“. Ab etwa 1959 wurde wieder der Name „Graupner“ verwendet, bis in die 1990er Jahre hinein.

🇬🇧 GRAUPNER, OVERVIEW: Johannes Graupner was a major producer of fretsaw figure templates from the 1930s to the 1990s. He founded his company by taking over a Cannstatt (Stuttgart) business that had been producing fretsaw templates in the early 1930s. The new business developed into a family-run company that produced beautiful templates under three different names over time: Cannstatter Laubsäge-Arbeiten, Graupner, and Graubele. The oldest Graupner catalog I know dates back to the 1930s. Later, most templates were published under the name “Graubele.” From around 1959 onward, the name “Graupner” was used again until the 1990s. (Buch/25)

1950er Unbekannt/Österreich: Reizendes Rotkäppchen mit Lackschuhen, Handbemalt, 25 cm, Laubsägearbeit 🇬🇧 1950s Unknown/Austria: Charming Little Red Riding Hood with Patent Leather Shoes, Hand-painted, 25 cm, Hobby Craft

Diese reizende Figur stammt aus Österreich. Der erste Eindruck ist der einer Hobbyarbeit, allerdings ist die Ausführung (abgesehen von ihrer Perfektheit) mit professioneller zusätzlicher Randbemalung versehen, was wiederum für eine Manufaktur spricht. Kennt jemand vielleicht die Vorlage?

🇬🇧 This engaging figure is from Austria. The first impression is that of a hobby craft, but it is rather perfect work with additional painting at the sides, which is very professionell. So it might be a manufacturer’s work. Does anyone know the motive from a children’s book, maybe?