1930er Münchner-Kinder-Wandbilder: Große Hänsel und Gretel mit Rüschenhauben-Hexe als drei Einzelfiguren, Handbemalt, 26 cm, Märchen-Holzbilder 🇬🇧 1930s Münchner-Kinder-Wandbilder: Large Hansel and Gretel with Ruffled Bonnet Witch as Three Separate Figures, Hand-painted, 26 cm, German Wall Figures

MÜNCHNER KINDER-WANDBILDER: „Münchner Kinder-Wandbilder“ war der Name der frühen Münchner-Kunst. Die Sockel waren meist abgerundet und zeigen ein Wiesenmotiv. Diese Märchen-Holzbilder waren recht groß und wurden aus besonders dickem Sperrholz gefertigt. Die meisten stammen aus den 1930er-Jahren; einige Pappe-Figuren vermutlich auch aus den Kriegsjahren: Im Zweiten Weltkrieg war häufig auch das Holz von der Materialknappheit betroffen.

🇬🇧 MÜNCHNER KINDER-WANDBILDER: That was the name of the early Münchner-Kunst. You often found a rounded meadow base and the added word “Handmalerei” (hand-painted) on the back. The pictures were large and made from especially thick plywood. They were produced primarily in the 1930s, but presumably also during the war years, as some wall figures were made of cardboard. During the Second World War, materials often became scarce—in this case, plywood. (Buch/25)

1970er Eva Günther: Braunes Fliegenpilzhaus mit Rotkäppchen, Handbemalt, 20×20 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1970s Eva Günther: Brown Fly Agaric House with Little Red Riding Hood, Hand-painted, 20×20 cm, German Wall Figure

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EVA GÜNTHER, PREISE: Auf den Rückseiten der Märchen-Holzbilder von Eva Günther aus den 1950er bis 1980er Jahren finden sich oft mit Bleistift aufgeschriebene Preise – häufig in ungewöhnlichen Beträgen, etwa mit 5 oder 10 Pfennig am Ende. So kenne ich unter anderem eine aufwändig gezeichnete Froschkönig-Prinzessin für 3,95 DDR-Mark und ein schreitendes Rotkäppchen ebenfalls für 3,95 Mark – später in einer vereinfachten Version für 4,05 Mark. Ich vermute, dass die Figuren mit Preisen um die 4 Mark aus den 1950er Jahren stammen. Die Sandmännchen- beziehungsweise die Abendgruß-Figuren lassen sich gut datieren, da das DDR-Sandmännchen erst ab 1959 existierte. Auch hier scheint die Inflationstheorie zu passen: Ich kenne ein Sandmännchen, ein Schnatterinchen und einen Pittiplatsch – jeweils zu 5,45 Mark –, die ich den 1960er Jahren zuordnen würde.

🇬🇧 EVA GUENTHER, PRICES: On the backs of many of Eva Günther’s wall figures from the 1950s to the 1980s, you’ll find prices written in pencil—often with unusual amounts ending in 5 or 10 Pfennig. Since these figures were made in the GDR, the currency was GDR-Mark. For example, I’ve seen a finely drawn Frog Prince princess priced at 3.95 Mark, and a striding Little Red Riding Hood also for 3.95 Mark—later released in a simplified version for 4.05 Mark. I assume that the figures priced around 4 Mark date from the 1950s. The Little GDR Sandman („Sandmännchen“) wasn’t introduced until 1959, which makes the Sandman figures easier to date. My inflation theory applies as well: I know a Sandman, a Schnatterinchen, and a Pittiplatsch, each priced at 5.45 Mark, which I would attribute to the 1960s. (Buch/25)

1940er Weha-Kunst: Hänsel und Gretel mit Hauben-Hexe, Handbemalt 21 + 23 cm Märchen-Holzbilder [EN] Hansel and Gretel with Bonneted Witch, German Wall Figures

WEHA, ÜBERSICHT: „Weha“ steht für WEerkstätten HAupt. Diese Kunstgewerbe-Manufaktur wurde 1946, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, offiziell angemeldet. Dresden war zerstört, und der Architekt Fritz Haupt (Geburtsjahr 1913) konnte nicht mehr an seiner Hochschule unterrichten. So gründete er Weha-Kunst, später in Dippoldiswalde (Erzgebirge) ansässig. Weha ist berühmt für die kleinen Blumenkinder, aber es entstanden auch Märchen-Holzbilder. Die ersten Wandfiguren waren noch komplett handbemalt. Später ging man zum Siebdruck über. Einige der sehr frühen Märchen-Holzbilder entstanden eventuell auch schon vor der offiziellen Anmeldung 1946: Sie sollten in einem Kolonialwarenladen im zweiten Weltkrieg verkauft worden sein. Weiß jemand vielleicht mehr darüber? In der DDR war Weha enteignet worden. Der nach dem Mauerfall wiederaufgenommene Betrieb wurde im Frühling 2022 schließlich eingestellt.

🇬🇧 WEHA, OVERVIEW: “Weha” stands for WEerkstätten HAupt. Mr Fritz Haupt (born 1913) was an architect who had lost his job after the Second World War. He had worked at a Dresden University that was destroyed during the war. So he founded his famous workshop in Dippoldiswalde in the Ore Mountains, in 1946. Weha is most famous for their tiny flower girl figures, but they also produced German Wall Figures. The first wood plaques had still been hand-painted; later they switched to screen-printing. In the years that followed the workshop belonged to the communist GDR for several decades. Later the family got the rights of their company back but the business was finally closed down in 2022. (Buch/25)

1950er Edelholz Freiberg: Sich verbeugender grauer Gestiefelter Kater in Mittelalter-Kleidung, DDR, 20×18 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Edelholz Freiberg: Bowing Gray Puss in Boots in Medieval Clothing, GDR, 20×18 cm, German Wall Figure

DDR, VEBs: Die Deutsche Demokratische Republik (1949–1990) hat einige, aber nicht alle Hersteller von Märchen-Holzbildern in VEBs (Volkseigene Betriebe) umgewandelt oder ihnen einen solchen zugeordnet. Besonders betroffen waren die beiden großen Hersteller Edelholz Freiberg und Kurt Süß: Aus ihnen wurden der „VEB Kunstgewerbe Werkstätten Olbernhau“ und der „VEB Kunstgewerbliche Holzverarbeitung Meißen“, letzterer später umbenannt in „VEB Holzkunst Dresden BT. III Meißen“. Die Abkürzung BT steht dabei für Betriebsteil.

🇬🇧 GDR, VEBs: The Communist German Democratic Republic (1949–1990) transformed some, but not all, private producers of Wall Figures into VEBs (state-owned enterprises). This applied especially to the two major producers Edelholz Freiberg and Kurt Süß. They were renamed as follows: “VEB Kunstgewerbe Werkstätten Olbernhau” and also “VEB Kunstgewerbliche Holzverarbeitung Meißen,” which was later changed to “VEB Holzkunst Dresden BT. III Meißen.” The abbreviation BT stands for “Betriebsteil” (plant section). (Buch/25)

1970er Eva Günther: Kleiner grüner Zwerg mit Handgeste, Handbemalt 15cm 🇬🇧 Small Green Dwarf with Hand Gesture (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

EVA GÜNTHER, OLBERNHAU-IRRTUM: Die Märchen-Holzbilder von Eva Günther trugen auf der Rückseite fast immer das Logo mit den drei Tannen und dem Buchstaben G darunter. Deshalb nenne ich die Manufaktur auch „Drei Tannen G“. Es gibt zwei verschiedene Varianten dieses Stempels. Die häufigere ist sehr detailliert: Die Tannen sind klar erkennbar, und der Waldboden ist durch Schraffur angedeutet. Der zweite Stempel zeigt die drei Tannen stark vereinfacht und stilisiert. Wie ich seit 2024 weiß, steht das „G“ im Stempel für den Nachnamen der Künstlerin, also Günther. Früher hatte ich vermutet, dass die Figuren aus Olbernhau stammen könnten, denn drei Tannen erscheinen im Stadtwappen der Stadt Olbernhau im Erzgebirge (Sachsen). Tatsächlich aber lebte die inzwischen verstorbene Künstlerin in Erfurt, im Bundesland Thüringen. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 EVA GUENTHER, OLBERNHAU MISTAKE: Eva Günther’s German Wall Figures almost always featured a stamp on the back showing three fir trees with a letter G underneath. Because of that, I’ve also referred to her studio as “Three Pines G.” There are two different versions of this stamp. The more common one is very detailed: the trees are clearly recognizable, and the forest floor is indicated by cross-hatching. The second version is much more simplified and stylized. As I learned in 2024, the “G” stands for the artist’s surname, Günther. Previously, I had assumed these figures came from Olbernhau, since this town’s coat of arms in Saxony’s Ore Mountains also shows three fir trees. But in fact, the late artist lived in Erfurt, in the federal state of Thuringia. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1950er Münchner-Kunst: Kleiner roter Wolkenengel 🇬🇧 Tiny Red Cloud Angel (Christbaumschmuck, Christmas Tree Decoration)

MINI-FIGUREN: Einige der größeren Märchen-Holzbild-Manufakturen stellten im letzten Jahrhundert auch Figuren in Minigrößen her. Diese Mini-Größen wurden vor allem für die Weihnachtsdekoration hergestellt, als Christbaumschmuck. Man verwendete die teilweise winzigen Größen aber auch für Mobiles, Kinder-Messlatten, Wanduhren, kleine Dioramen, Kerzenhalter, Tischkartenhalter und Ähnliches. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 MINI FIGURES: Many of the large German Wall Figure manufacturers also produced miniature figures in the last century. These were primarily made for Christmas decorations, such as Christmas tree ornaments. These sometimes very tiny figures were also used for mobiles, measuring sticks, wall clocks, small dioramas, candle holders, place card holders, and similar items. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1930er Münchner Kinder-Wandbilder(?): Winziger schicker Junge und Engel, Handbemalt 9cm 🇬🇧 Tiny Dapper Boy and Angel (Geburtstagskranz-Figuren, Birthday Wreath Figures)

MÜNCHNER KINDER-WANDBILDER: „Münchner Kinder-Wandbilder“ war der Name der frühen Münchner-Kunst. Die Sockel waren meist abgerundet und zeigen ein Wiesenmotiv. Diese Märchen-Holzbilder waren recht groß und wurden aus besonders dickem Sperrholz gefertigt. Die meisten stammen aus den 1930er-Jahren; einige Pappe-Figuren vermutlich auch aus den Kriegsjahren: Im Zweiten Weltkrieg war häufig auch das Holz von der Materialknappheit betroffen. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 MÜNCHNER KINDER-WANDBILDER: That was the name of the early Münchner-Kunst. You often found a rounded meadow base and the added word “Handmalerei” (hand-painted) on the back. The pictures were large and made from especially thick plywood. They were produced primarily in the 1930s, but presumably also during the war years, as some wall figures were made of cardboard. During the Second World War, materials often became scarce—in this case, plywood. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1950er Münchner-Kunst: Kleines Tannen-Sterntaler auf blauem Herzsockel, 17 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Münchner-Kunst: Small Pine Tree Star Money Girl on Blue Heart Base, 17 cm, German Wall Figure

MÜNCHNER, HERZ-SOCKEL: Die Märchen-Holzbilder der Manufaktur „Münchner-Kunst“ wurden um die Mitte des letzten Jahrhunderts herum produziert. Das auffälligste Kennzeichen war wohl der Herz-Sockel, den die Figuren ab den 1950er-Jahren bekamen: Die Figuren stehen auf roten, blauen oder gelben Herzen. Nur Hänsel und Gretel bekamen einen braunen Sockel.

🇬🇧 MUENCHNER, HEART BASE: The German Wall Figures by the manufacturer Münchner-Kunst were produced around the middle of the last century. The most striking feature is the (rather late) heart base: Many wood plaques are standing on a red, blue, or yellow heart. Only Hansel and Gretel got a brown heart–a gingerbread heart. (Buch/25)

1960er Münchner-Kunst: Sehr bespieltes großes Rotkäppchen auf blauem Herz-Sockel, 26 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Münchner-Kunst: Very Played Large Little Red Riding Hood on Blue Heart Base, 26 cm, German Wall Figure

Viele Kratzer und Farbabrieb und kleine Dellen – diese Figur hatte wohl ein Kind gerne in der Hand! Kein Wunder, denn dieses Rotkäppchen ist auch haptisch besonders schön: Die Farben sind so großzügig dick und satt aufgetragen, dass man die Schichten mit dem Finger fühlen kann!

🇬🇧 Many scratches and paint wear and small dents – my guess is a child played with it, a lot! No wonder since this Little Red Riding Hood is a haptic beauty: The colors are lush, applied so thick you can feel the layers with your finger.

1950er Münchner-Kunst: Kleines Engelkopf-Paar mit Blumenkränzen, Handbemalt, 25–16 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Münchner-Kunst: Small Pair of Angel Heads with Flower Crowns, Hand-painted, 25–16 cm, German Wall Figure

ENGEL UND RELIGIÖSES: Religiöse Themen sind auf den historischen Märchen-Holzbildern kaum zu finden. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen: Zum einen das Weihnachtsmotiv, insbesondere die Krippenszene von Bethlehem mit Maria, Josef und dem Jesuskind. Die zweite Ausnahme sind Engel – sie werden von vielen Menschen nicht zwingend mit Religion verbunden: Selbst viele Nicht-Religiöse schätzen Engel als geliebte Schutzsymbole.

🇬🇧 ANGELS AND RELIGIOUS MOTIFS: Religious themes are rarely found on historic German Wall Figures. But there are two exceptions: One is the subject of Christmas, especially the nativity scene with Mary, Joseph, and the baby Jesus in the manger. The second exception are angels, which many people do not necessarily associate with religion: Even non-religious people often cherish angels as beloved symbols of protection. (Buch/25)