1960er Mertens-Kunst: Reizende Griechin in weißer Tunika als Hampelmann, Siebdruck 🇬🇧 1960s Alfred Mertens: Charming Greek Girl in White Tunic as Jumping Jack, Screen-printed

MERTENS, HAMPELMÄNNER: Der große Spielzeug-Hersteller Alfred Mertens hat im letzten Jahrhundert mehrere Hundert verschiedene Hampelmänner produziert, mit teilweise sehr hohen Auflagen, wie zum Beispiel die berühmten Enten „Quack“ und „Quacksi“ aus den 1960er-Jahren. Auch bekannte Künstler entwarfen Hampelmänner für Mertens-Kunst; Ostheimer designte beispielsweise die „Michel“-Figur. Die allermeisten Hampelmann-Figuren wurden jedoch von Ute Mertens entworfen, der Tochter von Alfred Mertens. Manchmal steht der ganze Name, manchmal nur die gedruckte Signatur „Ute“ auf diesen Figuren, oft unten seitlich auf einem Fuß.

🇬🇧 MERTENS, JUMPING JACKS: Alfred Mertens produced several hundred different jumping jack toys in the last century—some in very high quantities, like the famous duck “Quack” from around the 1970s. There were also designs by Mertens from famous artists, such as the 1974 “Michel” figure by Ostheimer, labeled “Made in Western Germany.” However, most of the jumping jack figures were designed by Ute Mertens, the daughter of Alfred Mertens, with her full name on the backs. Some of her early figures carry only her printed signature “Ute,” often on the side of one of the feet. (Buch/25)

1950er Mertens-Kunst: Sitzendes Aschenputtel mit roten Haaren und roter Weste, Siebdruck, 18 cm Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Alfred Mertens: Seated Cinderella with Red Hair and Red Vest, Screen-printed, 18 cm German Wall Figure

MERTENS, GRÖSSENSCHRUMPFUNG: Mit dem Zweiten Weltkrieg wurden die Märchen-Holzbilder von Mertens-Kunst kleiner. Das geschah aus der Not heraus: Die Manufaktur von Alfred Mertens hatte besonders unter der Materialknappheit zu leiden. Die einstmals bis zu 30 cm großen Wandfiguren wurden mit einem Mal weniger als 20 cm hoch. Das sparte Holz sowie auch Farben und Firnis, die ebenfalls schwer erhältlich waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die meisten Figuren erst einmal klein, dann pendelten sie sich bei einem Durchschnitt von etwa 21 cm ein. Die stolzen Größen der alten Mertens-Figuren aus den Vorkriegsjahren waren somit Vergangenheit.

🇬🇧 MERTENS, SIZE SHRINKING: During the Second World War, the German Wall Figures by Mertens-Kunst became smaller. That was due to the fact that Alfred Mertens’ workshop suffered especially from material shortages—not only varnish and paint, but wood had become scarce as well. The once up to 30 cm tall wood plaques suddenly shrank to under 20 cm. In the first postwar years, most figures remained small, and later settled at an average height of about 21 cm. The proud sizes of the prewar Mertens wood pictures were history. (Buch/25)

1950er Mertens-Kunst: Niedliches Aschenputtel mit knielangem Zopf 19cm 🇬🇧 Midcentury Cute Cinderella with Knee Long Braid (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MERTENS, EPOCHEN: Man kann die Holzbilder von Alfred Mertens in Antik, Jahrhundertmitte und Vintage einteilen. Die antiken Figuren aus den 1930er-Jahren waren komplett handbemalt und hatten teilweise noch Elemente vom Jugendstil oder auch Art Deco Stil. Beispiel: das frühe Sieben-Raben-Schwesterchen mit Haarreif. In der Jahrhundertmitte wurden die Figuren kleiner, was mit dem Materialmangel im Zweiten Weltkrieg zusammenhing und später beibehalten wurde. Die Figuren aus den 1940er-Jahren sind zum größten Teil noch handbemalt, aber spätestens in den 1950er-Jahren begann Mertens-Kunst, die schmalen Grundformen (Gesichter, Hände, Umrisse) aufzudrucken, während der Rest der Figur noch handbemalt wurde – auch die Seitenränder. Zu den Vintage-Figuren zählen all die Holzbilder, die schon vollständig im Siebdruckverfahren hergestellt worden sind – ungefähr ab den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren, als schließlich die allerletzten Kinder-Wandfiguren von Mertens erschienen.

🇬🇧 MERTENS, ERAS: You can divide the German Wall Figures by Alfred Mertens into antique, mid-century, and vintage. The antique wood plaques are from the 1930s and completely hand-painted. Some of them also include elements of Art Nouveau and Art Deco style—for example, the early Seven Ravens sister with the hairband. Around the middle of the last century, the figures became smaller due to the material shortages during the Second World War. Most of the 1940s wood plaques were still entirely hand-painted. By the 1950s, however, Mertens-Kunst began printing the slim base shapes—faces, hands, and outlines—while the rest of the figure was still painted by hand, including the edges. The vintage wall figures were fully screen-printed, roughly from the 1960s to the 1980s, when the very last fairy tale motifs were designed by Mertens-Kunst. (Buch/25)

1960er Mertens-Kunst: Aschenputtel mit roten Haaren und Dutt, Siebdruck, 24 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1960s Alfred Mertens: Cinderella with Red Hair and Bun, Screen-printed, 24 cm, German Wall Figure

KINDCHENSCHEMA: Das „Kindchenschema“ ist ein wissenschaftlicher Begriff. Große Köpfe und große Augen werden intuitiv als besonders niedlich und schützenswert empfunden. Der Begriff wurde im letzten Jahrhundert vom Nobelpreisträger Konrad Lorenz (Zoologe) geprägt. Vor allem in den Sechziger- und Siebzigerjahren waren diese besonders niedlichen Motive sehr beliebt. Viele Hersteller von Märchen-Holzbildern wandten das Kindchenschema an. Beispiel: Das 1930er-Mertens-Schneewittchen mit dem knielangen Zopf und dem Babybauch hat einen sehr kleinen Kopf, während das 1960er-Ballkleid-Schneewittchen von Mertens einen dreimal so großen Kopf hat.

🇬🇧 CUTENESS: “Cuteness” is actually a scientific expression. The German term for it (“Kindchenschema”) is internationally used: It was coined by the German zoologist Konrad Lorenz (Nobel Prize winner) in the last century. A large head and big eyes make people (and mammals, too) intuitively want to protect the young ones. These cute motifs were especially popular in the 1960s and 1970s. Many producers of German Wall Figures applied this to their children’s wood plaques. Example: The 1930s Mertens Snow White with the longest braid (and a baby belly) has a very small head, while the 1960s Mertens “Ball Dress Snow White” has a head three times its size. (Buch/25)

1980er Mertens-Kunst: Rosa Aschenputtel mit Mopp 23cm 🇬🇧 Cute Eighties Cinderella with Mop (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MODERNE MERTENS-KUNST: Ich nenne diese Märchen-Holzbilder so, weil sie sehr spät entstanden sind – in den 1980er-Jahren. Aber alt sind sie doch: Von 1980 bis 2025 sind 45 Jahre vergangen, und im Jahr 2030 wird es ein halbes Jahrhundert sein. Unfassbar für Babyboomer: Das war doch erst vorgestern! Und selten sind diese Mertens-Figuren auch, denn die Auflagen wurden zum Ende hin immer geringer. Zu den allerletzten Märchenfiguren gehören zum Beispiel das Kätzchen-Dornröschen sowie die Hänsel und Gretel mit Schiebermütze.

🇬🇧 MODERN MERTENS-KUNST: I call these 1980s German Wall Figures “modern” because they belong to the very last Mertens-Kunst creations. Still, they are old: from the 1980s to 2025, 45 years have passed, and in 2030 it will be half a century! Hard to believe for baby boomers—the Eighties feel like just yesterday. These wood pictures are also rare, as Mertens no longer produced them in large numbers. The very last fairy tale figures include, for example, the Sleeping Beauty with a kitten and Hansel and Gretel with flat cap. (Buch/25)

1950er Mertens-Kunst: Niedliches sitzendes Aschenputtel mit blau-roter Weste, Siebdruck, 18 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Alfred Mertens: Sweet Sitting Cinderella with Blue-Red Vest, Screen-printed, 18 cm, German Wall Figure

MERTENS, GRÖSSENSCHRUMPFUNG: Mit dem Zweiten Weltkrieg wurden die Märchen-Holzbilder von Mertens-Kunst kleiner. Das geschah aus der Not heraus: Die Manufaktur von Alfred Mertens hatte besonders unter der Materialknappheit zu leiden. Die einstmals bis zu 30 cm großen Wandfiguren wurden mit einem Mal weniger als 20 cm hoch. Das sparte Holz sowie auch Farben und Firnis, die ebenfalls schwer erhältlich waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die meisten Figuren erst einmal klein, dann pendelten sie sich bei einem Durchschnitt von etwa 21 cm ein. Die stolzen Größen der alten Mertens-Figuren aus den Vorkriegsjahren waren somit Vergangenheit.

🇬🇧 MERTENS, SIZE SHRINKING: During the Second World War, the German Wall Figures by Mertens-Kunst became smaller. That was due to the fact that Alfred Mertens’ workshop suffered especially from material shortages—not only varnish and paint, but wood had become scarce as well. The once up to 30 cm tall wood plaques suddenly shrank to under 20 cm. In the first postwar years, most figures remained small, and later settled at an average height of about 21 cm. The proud sizes of the prewar Mertens wood pictures were history. (Buch/25)

1960er Mertens-Kunst: Aschenputtel mit Besen und blonder Hochfrisur, Siebdruck 22cm Märchen-Holzbild [EN] Cinderella with Broom and Blonde Updo, German Wall Figure

WIE HEISSEN DIE DENN JETZT? Die Märchen-Holzbilder aus dem letzten Jahrhundert haben viele Namen; so viele, dass sie eigentlich keinen haben. Ich habe den Genre-Namen „Märchen-Holzbilder“ geprägt, denn es sind Bilder aus Holz, meist mit klassischem Märchenmotiv. Mein englischer Genre-Name beschreibt die zusätzlichen Eigenschaften der „German Wall Figures“: Sie stammen zu 99 % aus Deutschland und sind Figuren, die man an die Wand hängt. Selbst die Hersteller hatten damals unterschiedliche Bezeichnungen für die Figuren. Sie nannten sie damals „Wandfiguren“ (Mertens), „Märchenfiguren“ (Heller), „Märchen-Wandfriese“ (Ravi) oder auch „Kinder-Wandbilder“ (Münchner).

🇬🇧 WHAT ARE THEY CALLED, NOW? The German Wall Figures from the last century have many names—so many that they basically have none. I coined two genre names: The German one is “Märchen-Holzbilder”, which translates to fairy tale wood pictures. The English genre name describes their other key features: “German Wall Figures.” 99% of them (millions, actually) were made in Germany and meant to be hung on the wall. Even the manufacturers used different terms back then: “Wandfiguren” (Mertens), “Märchenfiguren” (Heller), “Märchen-Wandfriese” (Ravi), or “Kinder-Wandbilder” (Münchner). (Buch/25)

1960er Mertens-Kunst: Großartige elegante Ägypterin im Kleopatra-Stil, Siebdruck, 26 cm, Hampelmann 🇬🇧 1960s Alfred Mertens: Magnificent Elegant Egyptian Woman in Cleopatra Style, Screen-printed, 26 cm, Jumping Jack

MERTENS, HAMPELMANN-COUP: Man muss zunächst wissen, dass Anfang der 1960er-Jahre immer noch der Hersteller „Original Bergischer Engel“ der Marktführer für Hampelmänner in Deutschland war. Dann passierten zwei Dinge gleichzeitig: Johanna Gruner-Witkop, die Besitzerin des Original Bergischer Engel, wollte ihren Betrieb aufgeben, und Alfred Mertens und sein Sohn Reiner Mertens wollten in das Hampelmann-Geschäft einsteigen. Frau Gruner-Witkop verkaufte also alle Rechte und Maschinen des Original Bergischer Engel mitsamt den wichtigen Produktionsgeheimnissen an Mertens. So kam es, dass die allergrößte Anzahl an verkauften Hampelmännern im letzten Jahrhundert tatsächlich von Mertens-Kunst stammt.

🇬🇧 MERTENS, JUMPING JACK COUP: To understand the importance of this, you first have to know that in the early 1960s the manufacturer Original Bergischer Engel was still the market leader for German jumping jack figures. Then two things happened at the same time: Johanna Gruner-Witkop, the owner of Original Bergischer Engel, decided to leave the business, and Alfred Mertens and his son Reiner Mertens wanted to enter the jumping jack market. Mrs. Gruner-Witkop sold all rights, machinery, and valuable production secrets of Original Bergischer Engel to Mertens. Looking back from the 2020s, it turns out that the largest number of jumping jack figures sold in the 20th century actually did come from Mertens-Kunst. (Buch/25)

1970er Mertens-Kunst: Niedlicher Zwerg mit braunem Fliegenpilz und psychedelischem Spatz, Siebdruck, 24 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1970s Alfred Mertens: Cute Dwarf with Brown Toadstool and Psychedelic Sparrow, 24 cm, Screen-printed, German Wall Figure

PSYCHEDELISCHE ELEMENTE: Vor allem Mertens-Kunst hat seine Märchen-Holzbilder im Laufe der Jahrzehnte immer wieder der aktuellen Mode, dem aktuellen Design angepasst; man findet zum Beispiel in den 1960er und 1970er Jahren auch psychedelische Elemente auf den Mertens-Holzbildern. Sie wurden allerdings dezent verwendet; man erkennt sie oft erst auf den zweiten Blick. Bei einem Brüderchen und Schwesterchen von 1968 hat das Mädchen-Kopftuch psychedelische Kreise; und bei einem Schneewittchen von 1973 (mit der weißen Blume im Haar) ist es das Kleid, das unten am Saum psychedelisch anmutende Verzierungen hat.

🇬🇧 PSYCHEDELIC ELEMENTS: Over the decades, especially Mertens-Kunst has repeatedly adapted their German Wall Figures to the current fashion and the current design; for example, on the 1960s and 1970s Mertens figures, you can find psychedelic elements. However, they were used discreetly–you often only recognize them at second glance. On a 1968 Little Brother and Little Sister wood plaque, the girl’s headscarf has psychedelic circles, and on a 1973 Snow White (the one with the white flower in her hair), it’s the dress that has some psychedelic embellishments at the bottom. (Buch/25)

1950er Mertens-Kunst: „Seifenbläser“-Zwerg mit filigranen rosa-grünen Seifenblasen, Siebdruck, 22 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Alfred Mertens: “Soap Bubble Blower” Dwarf with Filigree Pink and Green Soap Bubbles, Screen-printed, 22 cm, German Wall Figure

HAPTIK: Das hervorstechendste Merkmal der vergangenen Ära der Märchen-Holzbilder ist die Tatsache, dass die Figuren zwar dünn (meist 3 mm), aber dennoch kompakt und solide waren. Auf Holz gemalt oder auf Holz gedruckt, aber in jedem Fall so, dass man etwas Festes in den Händen hielt. Das ist der große Unterschied zu einer Kinderbuch-Illustration, die nur aus Papier besteht. Es ist auch etwas ganz anderes als die modernen Merchandise-Produkte für Kinder, die in der Regel aus Kunststoff bestehen.

🇬🇧 HAPTICS: The most striking feature of the old German Wall Figures era is the fact that they were made of wood. Very thin (mostly 3 mm), but still something solid. That is a big difference to illustrations in children’s books that only consist of paper. The wall figures were wooden products, and that’s one of the reasons they still create such a special nostalgic feeling: This old-fashioned Brothers Grimm “merchandise” didn’t come in plastic. That’s why they appeal to collectors in the new century, too. (Buch/25)