1950er Mertens-Kunst: Niedliches Kleinkind-Schneewittchen im weißen Hängerchen, Handbemalt, 18 cm Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Alfred Mertens: Sweet Toddler Snow White in White Smock Dress, Hand-painted, 18 cm German Wall Figure

MERTENS, SCHNEEWITTCHEN: Eines der frühesten Mertens-Schneewittchen ist das sehr schlichte gelbe Apfel-Schneewittchen, ohne Krone und mit einem grünen Zwerg im kurzen Kleidchen aus den 1930er-Jahren. Danach kam das weiße Art Deco-Schneewittchen mit Babybauch, knielangem Zopf und dem Gratulations-Zwerg mit Blumen und langen Hosen. Die Figur war sehr beliebt und wurde in den 1930er- und 1940er-Jahren tausendfach produziert. Dann gab es kurzzeitig ein mageres kleines Schneewittchen in kräftigem Gelb mit einer kleinen Prinzessinnenkrone. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die zwanzigjährige Phase mit den weiß-gelben (mehr weiß als gelb) Schneewittchen in vielen Varianten. Später folgten unter anderem das hellblaue Ballkleid-Schneewittchen und das lila-weiße Schneewittchen mit Hochfrisur. Das letzte Mertens-Schneewittchen in durchschnittlicher Größe war das weiß-rosa Mohnblumen-Schneewittchen von 1979. Danach folgte nur noch das sehr ungewöhnliche Schneewittchen von 1984 in einer riesigen Sondergröße (40 cm) mit Apfel und T-Shirt.

🇬🇧 MERTENS, SNOW WHITES: One of the earliest Mertens Snow Whites figures was the simple (crownless) yellow apple Snow White with the green dwarf in a short hoodie dress from the 1930s. Next came the white Art Deco Snow White with a baby bump, knee-length braid, and the congratulatory flower dwarf in long trousers. This figure was very popular and was produced in the 1930s and 1940s. Then there was a short phase with a skinny little Snow White in bright yellow with a small princess crown. After the Second World War followed a 20-year phase of white-and-yellow (more white than yellow) Snow Whites in many variations. Later came, among others, the light blue ballgown Snow White and the white-and-purple Snow White with the very tall beehive hair. The last regular-sized Mertens Snow White was the white-and-pink poppy Snow White from 1979. The very last Mertens Snow White from 1984 was a huge 40 cm figure with an apple and a T-shirt. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Schmale Weltkriegs-Gänsemagd, Handbemalt 19cm 🇬🇧 Sad Second World War Goose Maid (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MERTENS, KRIEGSKINDER: So wie viele andere Hersteller von Märchen-Holzbildern hat auch Alfred Mertens in den Kriegsjahren weiterhin produziert. Allerdings litt seine Firma deutlich mehr als die anderen großen Hersteller unter dem Materialmangel. Daher ist die Mertens-Kriegsware leicht zu erkennen, denn die meisten Figuren der frühen 1940er-Jahre sind klein, blass und traurig, wie die Kriegskinder. Zudem haben sie häufig verblichene Gesichtszüge, da Mertens zu dieser Zeit keinen dicken, satten Schutzlack (Firnis) hatte, der die Farben normalerweise schützt und zum Leuchten bringt.

🇬🇧 MERTENS, WAR CHILDREN: Like other manufacturers of German Wall Figures, Alfred Mertens continued production during the Second World War. However, his company suffered more than the other major manufacturers from material shortages. That’s why Mertens’ wartime wood pictures are easy to recognize: Most of the figures from the early 1940s are small, pale, and sad—like the war children. They also often have faded facial features, as Mertens at that time no longer had access to the thick, rich protective varnish that usually preserves the colors and makes the figures shine. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Hans im Glück mit roter Zipfelmütze, Handbemalt 23cm 🇬🇧 Hans in Luck with Red Cap (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MERTENS, KRIEGSKINDER: So wie viele andere Hersteller von Märchen-Holzbildern hat auch Alfred Mertens in den Kriegsjahren weiterhin produziert. Allerdings litt seine Firma deutlich mehr als die anderen großen Hersteller unter dem Materialmangel. Daher ist die Mertens-Kriegsware leicht zu erkennen, denn die meisten Figuren der frühen 1940er-Jahre sind klein, blass und traurig, wie die Kriegskinder. Zudem haben sie häufig verblichene Gesichtszüge, da Mertens zu dieser Zeit keinen dicken, satten Schutzlack (Firnis) hatte, der die Farben normalerweise schützt und zum Leuchten bringt.

🇬🇧 MERTENS, WAR CHILDREN: Like other manufacturers of German Wall Figures, Alfred Mertens continued production during the Second World War. However, his company suffered more than the other major manufacturers from material shortages. That’s why Mertens’ wartime wood pictures are easy to recognize: Most of the figures from the early 1940s are small, pale, and sad—like the war children. They also often have faded facial features, as Mertens at that time no longer had access to the thick, rich protective varnish that usually preserves the colors and makes the figures shine. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Roter „Glücksklee“-Zwerg mit Marienkäfer, Handbemalt 23cm 🇬🇧 Second World War Gnome with Lucky Clover (Märchen-Holzbild, German Wall Figure) *

MERTENS, EPOCHEN: Man kann die Holzbilder von Alfred Mertens in Antik, Jahrhundertmitte und Vintage einteilen. Die antiken Figuren aus den 1930er-Jahren waren komplett handbemalt und hatten teilweise noch Elemente vom Jugendstil oder auch Art Deco Stil. Beispiel: das frühe Sieben-Raben-Schwesterchen mit Haarreif. In der Jahrhundertmitte wurden die Figuren kleiner, was mit dem Materialmangel im Zweiten Weltkrieg zusammenhing und später beibehalten wurde. Die Figuren aus den 1940er-Jahren sind zum größten Teil noch handbemalt, aber spätestens in den 1950er-Jahren begann Mertens-Kunst, die schmalen Grundformen (Gesichter, Hände, Umrisse) aufzudrucken, während der Rest der Figur noch handbemalt wurde – auch die Seitenränder. Zu den Vintage-Figuren zählen all die Holzbilder, die schon vollständig im Siebdruckverfahren hergestellt worden sind – ungefähr ab den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren, als schließlich die allerletzten Kinder-Wandfiguren von Mertens erschienen.

🇬🇧 MERTENS, ERAS: You can divide the German Wall Figures by Alfred Mertens into antique, mid-century, and vintage. The antique wood plaques are from the 1930s and completely hand-painted. Some of them also include elements of Art Nouveau and Art Deco style—for example, the early Seven Ravens sister with the hairband. Around the middle of the last century, the figures became smaller due to the material shortages during the Second World War. Most of the 1940s wood plaques were still entirely hand-painted. By the 1950s, however, Mertens-Kunst began printing the slim base shapes—faces, hands, and outlines—while the rest of the figure was still painted by hand, including the edges. The vintage wall figures were fully screen-printed, roughly from the 1960s to the 1980s, when the very last fairy tale motifs were designed by Mertens-Kunst. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Böse Hexe in bunten Nachkriegs-Farben, Handbemalt 20cm 🇬🇧 Post-War Witch in Bight Colors (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MÄRCHEN ODER KEIN MÄRCHEN? Das ist die wichtigste Grundfrage zu den Motiven der Kinder-Wandfiguren aus dem letzten Jahrhundert. Die Holzbilder-Ära hatte im Grunde nur zwei Themenbereiche: Eine Figur war entweder ein Märchen oder kein Märchen. Dann war es oft ein reines Kindermotiv, zum Beispiel ein Frühlingskind mit Blumen oder ein frierender kleiner Junge mit Schneeball – wie die berühmte Heller-Figur aus den 1930er-Jahren. Die häufigsten Motive waren allerdings die klassischen Brüder-Grimm-Märchen, daher auch der Genre-Name: Märchen-Holzbilder.

🇬🇧 FAIRY TALE OR NOT A FAIRY TALE? That is the most important basic question concerning the motifs of last century’s German Wall Figures. You can divide the wood figure era into two main types: The figure either showed a fairy tale—or not. In the latter case, it was often a simple child motif, for example a spring girl with flowers or a freezing little boy with a snowball, like the famous Heller figure from the 1930s. Most of the motifs, however, were classic Brothers Grimm fairy tales—that’s why the German genre name is “Märchen-Holzbild,” meaning fairy tale wood picture. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Zweiter-Weltkrieg-Hexe mit Hänsel und Gretel, Handbemalt 20+22cm 🇬🇧 Second World War Witch with Hansel and Gretel (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MERTENS, HÄNSEL UND GRETEL: Bisher kenne ich rund fünfundzwanzig verschiedene Hänsel-und-Gretel-Figuren von Alfred Mertens – die Hexen mitgezählt. Die Figuren wurden so gestaltet, dass die beiden Kinder in Not zusammen auf einer Figur erscheinen und die Hexe eine Einzelfigur war. Man musste also immer zwei Figuren kaufen, um das Märchen komplett zu haben. Wie immer bei Mertens-Kunst ging man mit der Mode: So trug eine Gretel aus den 1940er-Jahren ein schwarzes Mieder, auf dem die Schnürung angedeutet war. Wer hätte gedacht, dass diese „altmodischen“ Mieder in den 2020er-Jahren tatsächlich wieder modern wurden?

🇬🇧 MERTENS, HANSEL AND GRETEL: I’ve known roughly 25 different Hansel and Gretel figures by Alfred Mertens so far, including the witches. Most of the figures were designed so that the two children in distress appear together on one figure, while the witch was always a separate piece. So you had to buy two figures to have the complete fairy tale. As always with Mertens-Kunst, they followed fashion: for example, one Gretel from the 1940s wore a black bodice with decorative lacing. Who would have thought that these “old-fashioned” corsets would actually become fashionable again in the 2020s? (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Buntes Nachkriegs-Rumpelstilzchen auf schwarzem Sockel, handbemalt, 21 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Alfred Mertens: Colorful Postwar Rumpelstiltskin on Black Base, Hand-painted, 21 cm, German Wall Figure

MERTENS, FARBEXPLOSION: Die Manufaktur von Alfred Mertens hatte während des Zweiten Weltkriegs besonders stark – so sehr wie kein anderer der großen Hersteller von Märchen-Holzbildern – unter dem Materialmangel gelitten. Die Figuren aus den Kriegsjahren waren klein, blass und matt, denn besonders der Schutzlack (Firnis) war nicht mehr verfügbar gewesen. Das ist der Grund, warum die Mertens-Holzbilder der ersten Nachkriegsjahre extrem hervorstechen: Alle Farben waren wieder verfügbar, auch der Schutzlack, der die Figuren erst richtig zum Leuchten brachte. Das Kriegsende scheint dem Mertens-Team besonderen Mut gemacht zu haben, denn neben der „Farbexplosion“ (bunter als je zuvor!) gab es auch viele neue, außergewöhnlich schöne Motive!

🇬🇧 MERTENS, COLOR EXPLOSION: The wonderful woodcraft manufacturer Alfred Mertens suffered particularly severely from material shortages during the Second World War—more than any other major producer of German Wall Figures. The Mertens wartime wood plaques were small, pale, and dull, especially because the protective varnish was no longer available. That is why the Mertens wood pictures from the early postwar years stand out so vividly: All colors were available again, including the varnish that made the figures truly shine. The end of the war also seems to have given the Mertens team new courage—besides the “color explosion” (more colorful than ever before!), there were also many new and exceptionally beautiful designs. (Buch/25)

1930er+1940er Mertens-Kunst: Zweimal Hans im Glück zum Vergleich, Handbemalt 30+26cm 🇬🇧 Twice Hans in Luck for Comparison (Märchen-Holzbilder, German Wall Figures)

MERTENS, NACHAHMUNGEN WERDEN VERFOLGT: Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg war die Not für viele Menschen in Deutschland sehr groß. Besonders das Essen war knapp, und viele hungerten und verhungerten. Mein eigener Vater war damals sechs Jahre alt und ging betteln, denn das Brot, das sein Vater für die sieben Geschwister schickte, war zu wenig und kam oft schimmelig an. Auf dem Schwarzmarkt oder in Geschäften von Freunden (wenn man denn Beziehungen hatte) haben die Menschen viele selbstgebastelte Kopien von Märchen-Holzbildern zum Kauf angeboten. Deshalb haben die Kinder-Wandfiguren von Mertens-Kunst aus dieser Zeit teilweise den Stempel „Nachahmungen werden verfolgt“ auf der Rückseite.

🇬🇧 MERTENS, COPYING WILL BE PROSECUTED: In and after the Second World War, the hardship for many people in Germany was extreme. Food in particular was scarce, and people were starving—even to death. My own father was six years old when he went begging, because the bread his father sent for the seven siblings was not enough and often arrived moldy. On the black market—or in stores of friends, if one was lucky—people also tried to sell homemade copies of German Wall Figures. That’s why some of the wall pictures by Alfred Mertens from that time carry the stamp “Copying will be prosecuted” on the back. (Buch/25)

1940er Mertens-Kunst: Hans im Glück mit Schnallenschuhen, Handbemalt, 26 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Alfred Mertens: Lucky Hans with Buckle Shoes, Hand-painted, 26 cm, German Wall Figure

KRIEGSWARE: Viele Hersteller haben im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) weiter produziert, aber oft gab es Materialmangel. Hochwertiger Firnis, Farben und Qualitätsholz fehlten. Material, Logistik, Personal – alles floss in die Rüstung, wenn man nicht gerade gute Beziehungen hatte, wie zum Beispiel Ravi. Ilse Schneider (Eifel) zeichnete im Zweiten Weltkrieg viele Motive vorübergehend auf dickes rechteckiges Holz, es waren also keine Figuren mehr. Die Kriegsfiguren von Alfred Mertens waren klein, blass und traurig – wie die Kriegskinder. Eine Manufaktur aus den Niederlanden hat in den 1940er-Jahren in besonders hohen Auflagen produziert: Deren bekannteste Wandfigur ist der kleine Däumling mit seinen Siebenmeilenstiefeln und Pudelmütze. Vom gleichen Hersteller stammen auch noch folgende Hollandzwerge: der Finstere mit erhobener Laterne, der Verzweifelte auf einem Fliegenpilz und der Grinsende mit dem Fliegenpilz im Arm. Viele dieser Figuren wurden damals von den deutschen Soldaten gekauft, in der Besetzungszeit.

🇬🇧 WAR PRODUCTS: Many manufacturers continued production during the Second World War (1939–1945), but there were often material shortages. High-quality varnish, paints, and wood were lacking. Materials, logistics, staff—everything went into armaments unless one had particularly good connections, such as Ravi in Hamburg. During the Second World War, Ilse Schneider from the Eifel region temporarily painted many motifs on thick rectangular wood plaques—not as fretsaw figures anymore. And Mertens‘ war figures were small, pale, and sad—like war children. A manufacturer in the Netherlands produced particularly large quantities in the 1940s; their most famous wood plaque is Little Thumb with his seven-league boots and a bobble hat. The same manufacturer also produced the following Dutch dwarfs: the sinister one with the raised lantern, the desperate one on a toadstool, and the grinning one with the toadstool in his arms. Many of these figures were purchased by German soldiers during the occupation. (Buch/25)

1930er Mertens-Kunst: Laufendes Rotkäppchen mit weißen Strumpfhosen, Handbemalt 25cm 🇬🇧 Walking Little Red Riding Hood (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

MERTENS, ÜBERSICHT: Mertens-Kunst hat über sechs Jahrzehnte lang Märchen-Holzbilder hergestellt, von den frühen 1930er- bis zu den späten 1980er-Jahren. Alfred Mertens wurde am 21.3.1898 in Wiesbaden geboren und starb am 29. Juni 1987 in Hallwangen/Dornstetten. Die ersten Kinder-Wandfiguren von Alfred Mertens entstanden Anfang der 1930er-Jahre in Reutlingen, im „Reutlinger Werkhaus“, einem Kunstgewerbegeschäft, das Alfred Mertens mit seiner Frau Maria Mertens 1928 gegründet hatte. Am 5.10.1936 meldete Alfred Mertens seine Werkstatt im nahe gelegenen Pfullingen an: zunächst Panoramastraße 20, später Bergstraße 15 und ab 1971 Carl-Zeiss-Straße 7. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 MERTENS, OVERVIEW: Mertens-Kunst produced German Wall Figures for more than six decades, from the early 1930s to the late 1980s. Alfred Mertens was born on March 21, 1898, in Wiesbaden and died on June 29, 1987 in Hallwangen/Dornstetten. The first fairy-tale wood pictures by Alfred Mertens were created in the early 1930s in Reutlingen, in the “Reutlinger Werkhaus,” a crafts store founded by Alfred and his wife Maria Mertens in 1928. On October 5, 1936, Alfred Mertens registered his workshop in nearby Pfullingen: first at Panoramastraße 20, later at Bergstraße 15, and from 1971 at Carl-Zeiss-Straße 7. (From the book: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)