1940er Hellerkunst: Großes Wiegenkind mit oranger Kappe, Handbemalt, 30 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Hellerkunst: Large Cradle Child with Orange Cap, Hand-painted, 30 cm, German Wall Figure

WIEGENKINDER: Die Wiege war ein beliebtes Motiv auf den alten Märchen-Holzbildern. Es gab sie mit und ohne Baldachin, mit liegenden oder sitzenden Kindern, manchmal auch mit Geschwisterkind. Die meisten großen Manufakturen haben sie produziert, oft in verschiedenen Ausführungen über mehrere Jahrzehnte hinweg. Ein sehr seltenes Exemplar stammt von Ravi: Ein Baby in der Wiege, und das ältere Schwesterchen daneben zeigt mit dem Finger nach oben, zum Vogel, der ihm zuzwitschert. Ebenfalls ungewöhnlich für Ravi: Die Figur hat einen roten Sockel – und sie ist ungewöhnlich groß.

🇬🇧 CRADLE CHILDREN: The cradle was a popular motif in the vintage German nursery. Producers of wall figures made them with or without canopy, with sitting or lying children, sometimes with siblings, too. Some manufacturers made different designs over the decades. A very rare item comes from Ravi: A baby in a powder blue canopy cradle with the older sister next to it who is pointing to the bird on the crest. The figure also has a red base, which is very unusual for Ravi, too. (Buch/25)

1930er Hellerkunst: Erntekranz-Mädchen mit Blumenkränzen, „Ernting“, Handbemalt 22cm 🇬🇧 Harvest Wreath Girls with Flower Crowns (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

REINIGUNG: Tatsächlich ist die Reinigung der alten Märchen-Holzbilder ein Problem! Ich hatte die Gelegenheit, dazu eine Expertin zu befragen, Birgit Linnhoff, Diplom-Restauratorin im Restaurierungszentrum Kiel. Sie riet vehement dazu, die alten Wandfiguren überhaupt nicht zu reinigen, höchstens mit einem weichen Pinsel den Staub zu entfernen. Die oberste Schicht sei ein Schutz, den man nicht durch Reiben oder gar Flüssigkeiten entfernen dürfe, auch nicht mit Wasser, nicht einmal mit milden Reinigungsmitteln. Ich selbst habe viel mit der Reinigung experimentiert und es ist tatsächlich so, dass die oberste Schicht (Firnis/Schutzlack) für eine Figur oft der größte Schutz ist: Ganz zu Anfang hatte ich einmal eine schöne antike Heller-Figur matt geputzt. Zuvor glänzte sie, aber nachdem einige Flecken entfernt worden waren, sahen die Farben traurig aus und leuchteten nicht mehr. Es empfiehlt sich also, wenn man Bilder reinigen möchte, dies sehr vorsichtig zu tun und ggf. erst an einer unauffälligen Stelle zu testen, wie die Farben reagieren.

🇬🇧 CLEANING: Cleaning the old German Wall Figures is actually a problem! I once had the chance to ask an expert about this, Birgit Linnhoff, a graduate conservator/restorer in Kiel. She strongly advised against cleaning the old wood pictures at all, only removing dust with a soft paintbrush if necessary. The top layer (lacquer) preserves the lines and colors, and it should not be destroyed by rubbing or using liquids, not even water or mild cleaning agents. I have experimented a lot with cleaning wood pictures, and I once ended up with a beautiful antique Heller figure that had dull colors instead of the bright ones after cleaning it. So, if you do want to clean a wood plaque, be careful: It may be best to try it first on a small part of the figure to see how the colors react. (Buch/25)

1930er Hellerkunst: Frühe Rehkinder mit blauem Hemd, „Brachmond“, Handbemalt 18×18cm 🇬🇧 Deer Children “June” with Blue Shirt (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

HELLER, STALLGERUCH: Auf der Website der Manufaktur Heller (vormals Hellerkunst) findet sich im Bereich „Über uns“ ein Hinweis auf die frühen Anfänge des Unternehmens (Stand 12/2025): „Anfang der 1930er-Jahre, mit dem Umzug nach Dreis-Brück in der Eifel in ein altes Bauernhaus, begann Georg Heller dessen kleinen Ziegenstall in eine Werkstatt umzubauen.“ Frühe Hellerkunst-Figuren weisen daher nicht selten einen wahrnehmbaren, unterschiedlich stark ausgeprägten Stallgeruch auf. Dieser ist nicht als Mangel zu verstehen, sondern vielmehr als material- und zeittypisches Merkmal, das auf eine frühe Herstellung und die handwerklichen Produktionsbedingungen der 1930er Jahre verweist.

[EN] Heller, Stable Odor: On the website of the Heller manufactory (formerly Hellerkunst), the section “About Us” includes a note on the early history of the workshop (as of December 2025): “In the early 1930s, with the move to Dreis-Brück in the Eifel into an old farmhouse, Georg Heller began converting its small goat stable into a workshop.” As a result, the earliest Hellerkunst figures often retain a perceptible stable odor, varying in intensity. This should not be regarded as a flaw but rather as a material- and period-specific characteristic, pointing to early production and the craft-based working conditions of the 1930s. (12/5)

1940er Hellerkunst: Laufender Tulpen-Zwerg mit verdeckten Augen auf blauem Sockel, Handbemalt, 23 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Hellerkunst: Running Tulip Gnome with Covered Eyes on Blue Base, Hand-painted, 23 cm, German Wall Figure

ZWERGE, ÜBERSICHT: Zwerge, Gnome und Wichtel waren in der Märchen-Holzbild-Ära (1920er bis 1980er Jahre) überaus beliebt. Alle großen Manufakturen produzierten große Mengen von den Zwergen als flache Wandfiguren: Heller, Mertens, Ravi, Bergischer Engel, Ilse Schneider aus der Eifel, die Münchner-Hersteller, Edelholz Freiberg (Erzgebirge), Kurt Süß (DDR) und viele mehr. Sehr viele Wichtel kamen damals von Grossmann in Oberbayern. Die süßen Bayern-Zwerge waren quasi die Spezialität von Grossmann: Die Manufaktur hat damals tausende ihrer liebenswerten Zwerge aus Deutschland ins Ausland verschickt. Aber auch die Vorlagen-Hersteller von Hobbyarbeiten, allen voran Johannes Graupner, schufen viele Motive mit Zwergen. Am ungewöhnlichsten ist wohl der Chefkoch-Zwerg mit dem Fliegenpilz-Gericht und der Katze.

🇬🇧 DWARFS, OVERVIEW: Dwarfs or gnomes were very popular in the era of German Wall Figures (1920s to 1980s). Many professional wood art manufacturers made those beautiful wood plaques: Heller, Mertens, Ravi, Bergischer Engel, Ilse Schneider of the Eifel region, the Munich producers, Edelholz Freiberg from the Ore Mountains, Kurt Süß (GDR), and many more. Many dwarfs were produced by Grossmann in Upper Bavaria. Loveable little gnomes were Grossmann’s specialty, and they shipped thousands of them to the USA and other countries. But also the producers of hobby craft templates offered many different dwarf motifs, especially Johannes Graupner. He also provided one of the most unique fretsaw figures: The Chef Dwarf with a poisonous mushroom dish and a cat. (Buch/25)

1930er Hellerkunst: Trachtenkinder mit Bandhaube, „Hessen“, Handbemalt 21cm 🇬🇧 Tradional Costume Children with Ribbon Bonnet (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

HELLER, TRACHTENKINDER: Die ersten Trachtenkinder von Magda Heller stammen aus den späten 1920er Jahren. Anfangs waren es Einzelfiguren mit individuellem Charakter: Das frühe Schwarzwaldmädel spielt mit seinem Schleifenband und der erste Hessenjunge hat die Hände in die Seiten gestemmt. In den 1930er Jahren entstanden schließlich die tanzenden Kinderpaare in verschiedenen Landestrachten. Es gab auch einen großen Maibaum mit bunten Bändern. In den Hellerkunst-Katalogen findet man unter anderem folgende Namen für die Trachtenkinder: Schwarzwald-Mädel, Tiroler Paar, Friesen, Niedersachsen, Rheinländer, Hessen und Oberbayern.

🇬🇧 HELLER, TRADITIONAL COSTUMES: In the late 1920s Magda Heller created the first children in traditional clothes. At the beginning they were figures with single children each having their own character: The first Black Forest Girl was playing with her apron ribbon and the first Hessian Boy had his hands stemmed on his hips. In the 1930s the dancing couples emerged, in different costumes, covering many regions. Heller also designed a large maypole with colorful ribbons. In the Hellerkunst catalogs you find the names for the different regions, for example: Black Forest Girl, Tyrol couple, Friesen children, Lower Saxony, Rhineland, Hesse and Upper Bavaria (translated). (Buch/25)

1940er Hellerkunst: Breitformatiger Däumling mit Siebenmeilenstiefeln und Pudelmütze, Handbemalt, 20 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Hellerkunst: Wide-Format Little Thumb with Seven-League Boots and Bobble Hat, Hand-painted, 20 cm, German Wall Figure

HELLERKUNST, EPOCHEN: Man kann die Hellerkunst-Figuren in drei Epochen unterteilen; Antik, Jahrhundertmitte und Vintage. Antike Hellerkunst stammt aus den 1920er und 1930er Jahren. Die ganz frühen Bilder hatten meist einen Sockel mit geraden Seiten und spitzen Kanten. Die Heller-Märchen-Holzbilder der Jahrhundertmitte hatten den abgerundeten Sockel und waren bis um 1960 herum noch komplett handbemalt. Dann folgte eine Übergangszeit von Siebdruck plus Handbemalung. Zur Vintage Hellerkunst gehören die späten Siebdruckfiguren Ende des letzten Jahrhunderts: Sie weisen gar keine Handbemalung mehr auf.

🇬🇧 HELLER, ERAS: You can divide the Hellerkunst wood pictures into three eras: antique, mid-century, and vintage. The antique figures are from the 1920s and 1930s, with the very early ones often having a base with straight sides and sharp edges. The mid-century Heller wall figures had rounded bases and were completely hand-painted until about 1960, after which came a transitional period with screen printing plus additional hand-painting. The vintage Hellerkunst figures from the late 20th century were screen-printed only, with no more hand-painting. (Buch/25)

1940er Hellerkunst: Sitzender kleiner Schalmei-Zwerg aus dickem Holz, Handbemalt, 14×17 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1940s Hellerkunst: Small Seated Shawm Gnome Made of Thick Plywood, Hand-painted, 14×17 cm, German Wall Figure

HOSENMALER: Der berühmteste „Hosenmaler“ aller Zeiten war Daniele da Volterra, der die allzu freizügigen Darstellungen in der Sixtinischen Kapelle übermalen musste, nachdem Michelangelo sich geweigert hatte. Auch viele der großen Märchen-Holzbild-Manufakturen des letzten Jahrhunderts wurden zu Hosenmalern, jedenfalls, was die Zwerge anging: Die frühen Art Deco Gnome hatten meistens nackte Beine, aber ab den 50er- und 60er-Jahren bekamen sie plötzlich Hosen. Hier waren es wohl andere Gründe, und ich vermute Folgende: Die Figuren wurden durch die breiteren Hosenbeine stabiler, denn die frühen schmalen nackten Beine waren recht bruchanfällig gewesen. Zudem sind Hosen einfacher zu zeichnen als knubbelige Knie. Und das Aussehen der Figuren sollte wohl auch einen moderneren Touch bekommen.

🇬🇧 BREECHES-MAKER: The most famous “breeches-maker” of all times was Daniele da Volterra who had to overpaint the too naked people in the Sistine Chapel after Michelangelo had refused to do so. Many of the larger wall figures manufacturers of the last century also became breeches-makers, at least with their dwarf figures. Most of the early Art Deco gnomes had had naked legs, but in the 50s/60s they suddenly got trousers. For different reasons, obviously, and I think it was because of this: The figures became more stable, because the earlier narrow legs were rather fragile. Also, trousers are easier to draw than knobbly knees. And the look of the figures was supposed to get a more modern touch. (Buch/25)

1930er Hellerkunst: Unheimliches Rumpelstilzchen als Hampelmann mit Feuerzungen-Kleid, Handbemalt, 24 cm 🇬🇧 1930s Hellerkunst: Eerie Rumpelstiltskin Jumping Jack with Fire-Tongue Dress, Hand-painted, 24 cm

HAPTIK: Das hervorstechendste Merkmal der vergangenen Ära der Märchen-Holzbilder ist die Tatsache, dass die Figuren zwar dünn (meist 3 mm), aber dennoch kompakt und solide waren. Auf Holz gemalt oder auf Holz gedruckt, aber in jedem Fall so, dass man etwas Festes in den Händen hielt. Das ist der große Unterschied zu einer Kinderbuch-Illustration, die nur aus Papier besteht. Es ist auch etwas ganz anderes als die modernen Merchandise-Produkte für Kinder, die in der Regel aus Kunststoff bestehen.

🇬🇧 HAPTICS: The most striking feature of the old German Wall Figures era is the fact that they were made of wood. Very thin (mostly 3 mm), but still something solid. That is a big difference to illustrations in children’s books that only consist of paper. The wall figures were wooden products, and that’s one of the reasons they still create such a special nostalgic feeling: This old-fashioned Brothers Grimm “merchandise” didn’t come in plastic. That’s why they appeal to collectors in the new century, too. (Buch/25)

1950er Hellerkunst: Brüderchen und Schwesterchen mit kurzen Haaren, Handbemalt, 24 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Hellerkunst: Little Brother and Little Sister with Short Hair, Hand-painted, 24 cm, German Wall Figure

HELLER, FIRMENNAMEN-ERFINDER: Magda und Georg Heller als Hersteller der allerersten Märchen-Holzbilder haben auch den ersten Namen für eine solche Manufaktur erdacht, mit dem Wort „Kunst“ am Ende: Hellerkunst! Wer das später im 20. Jahrhundert alles nachgemacht hat? Sehr viele Hersteller, der berühmteste unter ihnen Alfred Mertens mit Mertens-Kunst. Welche Manufakturen noch das Wort „Kunst“ an ihren Namen gehängt haben? Hier jeweils der Anfang der jeweiligen Namen: Münchner, Eifel, Niedersachsen, Holsten, Ravi, Weha, Asti, Wrangel, Noah und noch viele andere.

🇬🇧 HELLER, BUSINESS NAME INVENTORS: The married couple Magda and Georg Heller, inventors of the very first German Wall Figures, also created the first company name of its kind: Hellerkunst! They added the word “Kunst” (meaning “art” in German) to their name. Who copied this naming idea later in the 20th century? Many manufacturers, the most famous being Alfred Mertens with Mertens-Kunst. Other makers also added “Kunst” to their names: Münchner, Eifel, Niedersachsen, Holsten, Ravi, Weha, Asti, Wrangel, Noah, and many more. (Buch/25)

1950er Hellerkunst: Mond-Elfe mit unheimlichem grünem Licht, Handbemalt, 27 cm, Märchen-Holzbild 🇬🇧 1950s Hellerkunst: Moon Elf with Eerie Green Light, Hand-painted, 27 cm, German Wall Figure

KERZENLICHT: Ich liebe Märchen-Holzbilder, auf denen Kerzen zu sehen sind. Besonders schön sind Kerzenfiguren mit einer Aura, wenn auch der Schein der Kerze sichtbar ist oder ein kerzenähnliches Leuchten. Es gibt verschiedene Methoden, dieses Leuchten zu zeichnen: Bei Magda Heller war es manchmal ein geheimnisvolles grünes Licht, ein Feenlicht wie bei der Laterne/Wunderlampe von Aladdin.

🇬🇧 CANDLE LIGHT: I love wall figures with candles on them. Especially pretty are those candles with an aura, where you can see the light of the candle or a candle-like shine. There are several ways of drawing this: Magda Heller sometimes used a mysterious green light—a fairy light, for example on the magic lamp/lantern of the Aladdin wood plaque. (Buch/25)