Mit Datum 1942, Märchen-Holzbild: Sieben-Raben-Schwester mit weißer Schürze, Eifelkunst

Eifelkunst mit Datum 1942: Sieben-Raben-Schwester mit rotem Schürzenkleid, Handbemalt 24cm [EN] Musing 7 Ravens Sister, WW2 *

EIFELKUNST, STEMPEL: Ilse Schneider hat drei Arten von Logos beziehungsweise Stempeln auf den Rückseiten ihrer Märchen-Holzbilder verwendet. Anfang der 1930er-Jahre waren es drei kaum lesbare, stilisierte Buchstaben: Zwei schräg eingeritzte Buchstaben „E“ und „K“ (für Eifelkunst), dazwischen ein „S“ für Schneider, das fast wie ein „Z“ aussah. Später folgte ein gut lesbares, eingeprägtes „Eifelkunst“ – und schließlich ein einfacher Farbstempel, der nicht mehr ins Holz eingeprägt wurde. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] EIFELKUNST, STAMPS: Ilse Schneider used three types of logos or stamps on the backs of her German Wall Figures. In the early 1930s, she carved three barely legible letters into the backs: an “E” and a “K” for Eifelkunst, with an “S” for Schneider in between, which almost looked like a “Z”. Later, there was a clearly legible “Eifelkunst” impressed into the wood, and finally a simple ink stamp that was no longer carved in. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1930er Märchen-Holzbild (Kind): Gelbe Puppenmutter mit Puppenwagen, frühe Mertens-Kunst

1930er Mertens-Kunst: Gelbe Puppenmutter mit Puppenwagen, Handbemalt 17cm [EN Yellow Doll Mother with Pram

PUPPENMÜTTER: Viele Hersteller von Märchen-Holzbildern hatten auch die beliebten Puppenmütter im Programm. Neben der Puppe wurden häufig auch folgende Beigaben gezeigt: Puppenwagen, Wiege, Babytragetuch, Teddies oder ein Löffel zum Füttern. Auch die Haarfarben waren unterschiedlich, denn die meisten menschlichen Puppenmütter wollte auch gerne ein Puppenmutter-Holzbild mit ihrer eigenen Haarfarbe haben. Die schwarzhaarige Puppenmutter von Mertens hat einen reizenden weißen Blumenkranz auf dem Kopf. Mein Favorit ist die tanzende Puppenmutter mit Zöpfen, ebenfalls von Alfred Mertens, aus den Fünfzigerjahren.

[EN] DOLL MOTHERS: Many producers of the old German Wall Figures had doll mother figures, sometimes with accessories like a doll pram, baby sling, cradle, teddy bears or even a spoon to feed the doll. They came in different hair colors because most human doll mothers liked a wall hanging with her own hair color. The black hair doll mother by Mertens had a pretty white flower crown. My favorite stems from Mertens, too: It’s the dancing doll mother with braids from the Fifties. (Buch/25)

1950er Märchen-Holzbild: Großes Marienkind mit Himmelsschlüssel, Hellerkunst

1950er Hellerkunst: Marienkind mit Himmelsschlüssel, Handbemalt 28cm [EN] Saint Mary’s Child with Heaven’s Key *

MARIENKIND: Das Marienkind ist ein Märchen der Gebrüder Grimm. Es ist sehr moralisch und wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten. Man sieht es nur selten auf den Holzbildern aus dem letzten Jahrhundert: Bei Heller ist das Marienkind zusammen mit Maria abgebildet, die dem Mädchen den Himmels-Schlüssel reicht. Ravi hat das rote Marienkind, das zu trauern scheint – es erinnert mich immer an den Tod von Lisa Viertel (Ravi-Künstlerin), da ich diese Figur erstmalig fast zur gleichen Zeit entdeckte, als ich auf ihrer Beerdigung war.

[EN] MARY’S CHILD: Mary’s Child is an almost forgotten Brothers Grimm fairy tale—probably because it is very solemn and moral. You’ll rarely find it on German Wall Figures. In Heller’s version, the Holy Mary hands the golden Heaven’s key to the poor little girl. Ravi’s red version looks as if the girl is mourning. That wood plaque always reminds me of the death of Lisa Viertel (Ravi artist), as I first discovered this figure around the same time I attended her funeral. (Buch/25)

1930er Märchen-Holzbild: Schreiender Zwerg mit tauber Schnecke, frühe Mertens-Kunst

1930er Mertens-Kunst: Schreiender Zwerg mit tauber Schnecke, Handbemalt 17cm [EN] Shouting Dwarf with Snail *

MERTENS, EPOCHEN: Man kann die Holzbilder von Alfred Mertens in Antik, Jahrhundertmitte und Vintage einteilen. Die antiken Figuren aus den 1930er-Jahren waren komplett handbemalt und hatten teilweise noch Elemente vom Jugendstil oder auch Art Deco Stil. Beispiel: das frühe Sieben-Raben-Schwesterchen mit Haarreif. In der Jahrhundertmitte wurden die Figuren kleiner, was mit dem Materialmangel im Zweiten Weltkrieg zusammenhing und später beibehalten wurde. Die Figuren aus den 1940er-Jahren sind zum größten Teil noch handbemalt, aber spätestens in den 1950er-Jahren begann Mertens-Kunst, die schmalen Grundformen (Gesichter, Hände, Umrisse) aufzudrucken, während der Rest der Figur noch handbemalt wurde – auch die Seitenränder. Zu den Vintage-Figuren zählen all die Holzbilder, die schon vollständig im Siebdruckverfahren hergestellt worden sind – ungefähr ab den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren, als schließlich die allerletzten Kinder-Wandfiguren von Mertens erschienen.

[EN] MERTENS, ERAS: You can divide the German Wall Figures by Alfred Mertens into antique, mid-century, and vintage. The antique wood plaques are from the 1930s and completely hand-painted. Some of them also include elements of Art Nouveau and Art Deco style—for example, the early Seven Ravens sister with the hairband. Around the middle of the last century, the figures became smaller due to the material shortages during the Second World War. Most of the 1940s wood plaques were still entirely hand-painted. By the 1950s, however, Mertens-Kunst began printing the slim base shapes—faces, hands, and outlines—while the rest of the figure was still painted by hand, including the edges. The vintage wall figures were fully screen-printed, roughly from the 1960s to the 1980s, when the very last fairy tale motifs were designed by Mertens-Kunst. (Buch/25)

1930er Märchen-Holzbild: Rundkappen-Zwerg „Strupp“ mit Raben, Mertens-Kunst

1930er Mertens-Kunst: Rundkappen-Zwerg „Strupp“ mit Raben, Handbemalt 25cm [EN] Dwarf with Black Bird in his Hand *

NACKTKNIE-ZWERGE: Viele der frühen Zwergen-Holzbilder hatten diese reizenden knubbeligen Knie und nackte Beine. Später haben die meisten Hersteller sie mit Hosen ausgestattet. Durch die breiteren Hosen wurden die Figuren stabiler, das war wohl der Hauptgrund. Ein zweiter Grund: Knie sind schwer zu zeichnen und Hosen entsprechend einfacher. Bei den frühen Ravi-Wandfiguren ist die Kombination von nackten Beinen und kurzem Hoodie besonders reizend, zum Beispiel bei der 1940er-Figur „Zwerg mit Hellebarde“: Da steht das kurze Hoodie-Kleid sogar noch nach vorne ab.

🇬🇧 NAKED KNEES GNOMES: Many of the early gnomes on German Wall Figures had those cute naked legs with knobbly knees. Later, most producers gave them trousers. With the wider trousers the figures became less fragile–that was probably the main reason. Another reason: Knees are hard to draw, trousers are easier. The early Ravi wood plaques had this charming combination of naked legs and very short hoodies, for example with the 1940s figure “Dwarf with Halberd”: The short hoodie dress even lifts slightly at the front. (Buch/25)

1930er Märchen-Holzbild: Aschenputtel mit Hemdsärmeln, „Musterstück“, HU-Kunst

1930er „HU-Kunst“ (?): Aschenputtel „Musterstück“ mit Hemdsärmeln, Handbemalt 27cm [EN] Cinderella with White Shirt Sleeves *

KLEINE MANUFAKTUREN: Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele verschiedene Hersteller von Märchen-Holzbildern es im letzten Jahrhundert gegeben hat. Es waren sicherlich viele Hundert verschiedene. Einige hatten einen Namen auf der Rückseite, einige nicht. Zu den kleinen Manufakturen gehörten zum Beispiel Hosenmatz, Oltmanns, Heye, Handi, Pfeil, Rügen-Märchen-Kunst, Pavillon, Klara Luise Sturm, Gerheina und Silva.

🇬🇧 SMALL MANUFACTURERS: It’s always astonishing how many different manufacturers of German Wall Figures there were in the last century. There were certainly hundreds of them. Some had a name on the back, some didn’t. Examples of small manufacturers include Hosenmatz, Oltmanns, Heye, Handi, Pfeil, Rügen-Märchen-Kunst, Pavillon, Klara Luise Sturm, Gerheina, and Silva. (Buch/25)

1940er Märchen-Holzbild (DDR): Frühes Schneewittchen mit langem Zopf, Weha-Kunst *

1940er Weha-Kunst: Frühes Schneewittchen mit langem Zopf, Handbemalt 22cm [EN] Ore Mountains Snow White with Delicate Dwarf *

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WEHA, ÜBERSICHT: „Weha“ steht für WEerkstätten HAupt. Diese Kunstgewerbe-Manufaktur wurde 1946, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, offiziell angemeldet. Dresden war zerstört, und der Architekt Fritz Haupt (Geburtsjahr 1913) konnte nicht mehr an seiner Hochschule unterrichten. So gründete er Weha-Kunst, später in Dippoldiswalde (Erzgebirge) ansässig. Weha ist berühmt für die kleinen Blumenkinder, aber es entstanden auch Märchen-Holzbilder. Die ersten Wandfiguren waren noch komplett handbemalt. Später ging man zum Siebdruck über. Einige der sehr frühen Märchen-Holzbilder entstanden eventuell auch schon vor der offiziellen Anmeldung 1946: Sie sollten in einem Kolonialwarenladen im zweiten Weltkrieg verkauft worden sein. Weiß jemand vielleicht mehr darüber? In der DDR war Weha enteignet worden. Der nach dem Mauerfall wiederaufgenommene Betrieb wurde im Frühling 2022 schließlich eingestellt. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] WEHA, OVERVIEW: “Weha” stands for WEerkstätten HAupt. Mr Fritz Haupt (born 1913) was an architect who had lost his job after the Second World War. He had worked at a Dresden University that was destroyed during the war. So he founded his famous workshop in Dippoldiswalde in the Ore Mountains, in 1946. Weha is most famous for their tiny flower girl figures, but they also produced German Wall Figures. The first wood plaques had still been hand-painted; later they switched to screen-printing. In the years that followed the workshop belonged to the communist GDR for several decades. Later the family got the rights of their company back but the business was finally closed down in 2022. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1930er Märchen-Holzbild: Kniendes Jugendstil-Mädchen, frühe Eifelkunst

1930er Eifelkunst: Kniendes Jugendstil-Mädchen, Handbemalt, 18 cm [EN] Art Nouveau Girl with Blue Flower *

EIFELKUNST, ÜBERSICHT: Eifelkunst, manchmal auch Eifel-Kunst geschrieben, existierte von den 1930er- bis etwa zu den 1970er-Jahren. Die Gründerin und Künstlerin war Ilse Schneider (1910–2009). Ende der (alten) Zwanzigerjahre hatte Ilse Schneider zunächst für Hellerkunst gearbeitet. Bald jedoch gründete sie ihre eigene Werkstatt für Märchen-Holzbilder – vermutlich Anfang der 1930er-Jahre. So entstanden reizende Ilse-Schneider-Motive wie beispielsweise das Tapfere Schneiderlein mit Bügeleisen oder Däumelinchen in der roten Tulpe. Auch die Zwerge, die eine Riesen-Erdbeere tragen, gehören zu den besonders reizvollen Motiven von Eifelkunst.

[EN] EIFELKUNST, OVERVIEW: Eifelkunst, sometimes also written Eifel-Kunst, existed from the 1930s until around the 1970s. The founder and artist was Ilse Schneider (1910–2009). In the late 1920s, Ilse Schneider initially worked for Hellerkunst. Soon after, she founded her own arts and crafts studio, likely in the early 1930s, and began producing thousands of German Wall Figures. Ilse Schneider created beautiful designs such as The Brave Little Tailor with a Pressing Iron, Thumbelina in a Red Tulip, and Dwarfs Carrying a Giant Strawberry. (Buch/25)

1950er Märchen-Holzbild: Peterchens Mondfahrt im weißen Nachthemd, Ravi-Kunst *

1950er Ravi-Kunst: Peterchens Mondfahrt im weißen Nachthemd, Handbemalt 17x15cm [EN] Little Peter’s Journey to the Moon in White Shirt *

PETERCHENS MONDFAHRT: Dieses Märchen schrieb der Autor Gerdt von Bassewitz vor über hundert Jahren. Die tierliebenden Geschwister Peter und Anneliese reisen zum Mond, um dem Maikäfer Herr Sumsemann zu helfen, einen alten Fluch zu brechen und so endlich sein sechstes Beinchen zu bekommen. Peter nimmt seinen Hampelmann und Anneliese ihre Puppe mit auf die Reise. Die meisten Figuren zeigen nur Peter und den Mond. Eine der schönsten Einzelfiguren ist von Alfred Mertens aus den Vierzigerjahren: Peterchen mit Strampelanzug in einer großen Mondsichel. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] LITTLE PETER’S JOURNEY TO THE MOON: This fairy tale was written by Gerdt von Bassewitz. It’s now over a hundred years old. The animal-loving siblings Peter and Anneli are traveling to the moon to help maybug Mr. Sumsemann to undo a curse and get his missing sixth leg back. Little Peter takes his jumping jack toy along, and Anneli her doll. Most wood pictures only show Peter and the moon. The most beautiful single figure is from the forties, made by Alfred Mertens: „Peterchen“ in a romping suit, sitting in a half moon. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1930er Märchen-Holzbild: Schneeglöckchen-Elfe mit Blumenhut, frühe Mertens-Kunst

1930er Mertens-Kunst: Schneeglöckchen-Elfe mit Blumenhut, Handbemalt 28cm [EN] Delicate Snowdrop Fairy *

MERTENS, EPOCHEN: Man kann die Holzbilder von Alfred Mertens in Antik, Jahrhundertmitte und Vintage einteilen. Die antiken Figuren aus den 1930er-Jahren waren komplett handbemalt und hatten teilweise noch Elemente vom Jugendstil oder auch Art Deco Stil. Beispiel: das frühe Sieben-Raben-Schwesterchen mit Haarreif. In der Jahrhundertmitte wurden die Figuren kleiner, was mit dem Materialmangel im Zweiten Weltkrieg zusammenhing und später beibehalten wurde. Die Figuren aus den 1940er-Jahren sind zum größten Teil noch handbemalt, aber spätestens in den 1950er-Jahren begann Mertens-Kunst, die schmalen Grundformen (Gesichter, Hände, Umrisse) aufzudrucken, während der Rest der Figur noch handbemalt wurde – auch die Seitenränder. Zu den Vintage-Figuren zählen all die Holzbilder, die schon vollständig im Siebdruckverfahren hergestellt worden sind – ungefähr ab den 1960er- bis zu den 1980er-Jahren, als schließlich die allerletzten Kinder-Wandfiguren von Mertens erschienen.

[EN] MERTENS, ERAS: You can divide the German Wall Figures by Alfred Mertens into antique, mid-century, and vintage. The antique wood plaques are from the 1930s and completely hand-painted. Some of them also include elements of Art Nouveau and Art Deco style—for example, the early Seven Ravens sister with the hairband. Around the middle of the last century, the figures became smaller due to the material shortages during the Second World War. Most of the 1940s wood plaques were still entirely hand-painted. By the 1950s, however, Mertens-Kunst began printing the slim base shapes—faces, hands, and outlines—while the rest of the figure was still painted by hand, including the edges. The vintage wall figures were fully screen-printed, roughly from the 1960s to the 1980s, when the very last fairy tale motifs were designed by Mertens-Kunst. (Buch/25)