1930er Märchenholzbild Kind, Junge, zerrissener Hosenboden

1930er Die Kinderstube: Großer zarter Junge mit zerrissenem Hosenboden 27cm [EN] Antique Large Delicate Boy with Torn Seat of Pants (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

WIE HEISSEN DIE DENN JETZT? Die Märchen-Holzbilder aus dem letzten Jahrhundert haben viele Namen; so viele, dass sie eigentlich keinen haben. Ich habe den Genre-Namen „Märchen-Holzbilder“ geprägt, denn es sind Bilder aus Holz, meist mit klassischem Märchenmotiv. Mein englischer Genre-Name beschreibt die zusätzlichen Eigenschaften der „German Wall Figures“: Sie stammen zu 99 % aus Deutschland und sind Figuren, die man an die Wand hängt. Selbst die Hersteller hatten damals unterschiedliche Bezeichnungen für die Figuren. Sie nannten sie damals „Wandfiguren“ (Mertens), „Märchenfiguren“ (Heller), „Märchen-Wandfriese“ (Ravi) oder auch „Kinder-Wandbilder“ (Münchner).

🇬🇧 WHAT ARE THEY CALLED, NOW? The German Wall Figures from the last century have many names—so many that they basically have none. I coined two genre names: The German one is “Märchen-Holzbilder”, which translates to fairy tale wood pictures. The English genre name describes their other key features: “German Wall Figures.” 99% of them (millions, actually) were made in Germany and meant to be hung on the wall. Even the manufacturers used different terms back then: “Wandfiguren” (Mertens), “Märchenfiguren” (Heller), “Märchen-Wandfriese” (Ravi), or “Kinder-Wandbilder” (Münchner). (Buch/25)

1940er Märchenholzbild Hellerkunst Zwerg, Fliegenpilzhut, spät, Jahreszeit Herbst

1940er Hellerkunst: Früher Herbstzwerg mit Fliegenpilzhut 27cm Märchen-Holzbild [EN] Midcentury Dwarf with Toadstool Hat, German Wall Figure

FARBSCHICHTEN FÜHLEN: Besonders schön ist es, wenn ein Märchen-Holzbild aus der Mitte des letzten Jahrhunderts eine dicke und satte Farbschicht besitzt. Fährt man mit dem Finger darüber, spürt man die unterschiedlichen Ebenen – etwa die aufgemalten Punkte auf einem Kleid: eine wunderbare Haptik, zusätzlich zu dem besonderen Werkstoff, aus dem die Figur ohnehin besteht: Holz.

🇬🇧 FEELING THE PAINT LAYERS: It’s especially lovely to hold a mid-century German Wall Figure in your hands when it has thick and richly applied paint. You can feel the different layers with your fingers—for example, the dots on a dress. It’s a delightful tactile experience that enhances the charm of the material itself: wood. (Buch/25)

1940er Hampelmann Hellerkunst, Kleiner Muck

1940er Hellerkunst: Früher Kleiner Muck mit Fez 21cm Hampelmann [EN] Midcentury Little Muck with Fez, Jumping Jack

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HAMPELMÄNNER: Alle großen Märchen-Holzbild-Manufakturen haben damals auch Hampelmänner hergestellt. Sehr originelle Motive kamen zum Beispiel vom Original Bergischer Engel und von Ravi. Alfred Mertens jedoch erzielte mit mehreren Hundert verschiedenen Motiven die höchsten Hampelmann-Verkaufszahlen. Andere Namen, unter denen diese Figuren angeboten wurden: Hampel-Figuren, Zugfiguren oder Ziehfiguren.

🇬🇧 JUMPING JACKS: All of the large manufacturers of German Wall Figures also produced jumping jacks. Very funny and very cute pull figures came for example from Original Bergischer Engel and Ravi-Kunst. Mertens-Kunst however produced several hundreds of different jumping jack motifs and they achieved the highest production numbers. (Buch/25)

1970er Märchenholzbild Mertens-Kunst Kind, Strandmädchen, Kirschzopfbänder

1970er Mertens-Kunst: Strandmädchen mit Kirsch-Zopfbändern, Siebdruck, 24 cm, Märchen-Holzbild [EN] 1970s Alfred Mertens: Beach Girl with Cherry Hair Ties, Screen-printed, 24 cm, German Wall Figure

MERTENS, WASSERBALL-MÄDCHEN: Eines der ersten Märchen-Holzbilder, die ich jemals gesehen habe (das war im Februar 2014), war die 1970er-Mertens-Figur von dem Strandkind mit Kirsch-Zopfbändern, wie sie damals gerade in Mode waren. Erinnerungen kamen hoch: Ich weiß noch, wie sie sich anfühlten – die glatten, roten, runden Kirschen-Zopfbänder. Und beim Strand denke ich immer an Haffkrug damals an der Ostsee: überall die gelbe Werbung für Delial-Sonnenmilch und die blauen Nivea-Sonnenmilchflaschen, die wir benutzten und später als Wasserpistole verwendeten. Manchmal war es so heiß, dass der Sand sogar unter den Fußsohlen brannte. Vor den Strandpromenade-Läden buntes Sandspielzeug und das Softeis mit Schokostreuseln. In dem Moment also, als ich 2014 diese Figur in den Händen hielt, war ich infiziert, und meine Märchen-Holzbild-Forschung konnte beginnen.

🇬🇧 MERTENS, BEACH BALL GIRL: One of the first German Wall Figures I ever saw (in February 2014) was the 1970s Mertens wood picture of the beach child with cherry hair ties, which had been fashionable at the time. Memories came flooding back: I still remember how they felt—those smooth, red, round cherry hair ties. And when I think of the beach, I always think of Haffkrug back then at the Baltic Sea: the yellow advertisements for Delial sunscreen and the blue Nivea bottles that we used—and later turned into water pistols. Sometimes it was so hot that the sand burned under the soles of our feet. In front of the beach promenade stores, there were colorful sand toys and we had soft serve ice cream with chocolate sprinkles. From the moment I held this beach girl wood plaque in my hands in 2014, I got hooked, and my German Wall Figures research began shortly afterwards. (Buch/25)

1940er Märchenholzbild Hellerkunst Rumpelstilzchen

1940er Hellerkunst: Frühres Feuertanz-Rumpelstilzchen 27cm [EN] Midcentury Fire Dance Rumpelstiltskin (Märchen-Holzbild, German Wall Figure) *

RUMPELSTILZCHEN: Die allermeisten Rumpelstilzchen-Holzbilder aus dem 20. Jahrhundert zeigen es mit dem berühmten Lagerfeuer. Der böse Brüder-Grimm-Gnom tanzt darum herum, schmiedet Pläne und ist voller Vorfreude. Aber es gibt Ausnahmen: Da sehen wir auch die (oft weinende) Müllerstochter zum Beispiel mit dem Stroh, das sie zu Gold spinnen soll. Und neben ihr das Rumpelstilzchen, das seine Hilfe anbietet und jedes Mal sinngemäß wissen will – „Was kriege ich dafür?“ Mein Favorit unter den Rumpelstilzchen ist die Art Deco Mertens-Figur aus den 1930er Jahren, wo das Rumpelstilzchen wie eine große Elfe aussieht, mit grünem kurzen Hoodie und nackten Beinen.

🇬🇧 RUMPELSTILTSKIN: Most of the Rumpelstiltskins on the German Wall Figures of the last century are shown with his famous campfire. The evil Brothers Grimm’s gnome is dancing around it, making plans and looking forward to the promised gift. But there are exceptions: I know wood pictures where we also see the (often crying) miller’s daughter for example with all the straw she’s supposed to spin to gold. Next to her we see Rumpelstiltskin (or Rumplestitskin or Rumple) offering his help. And always asking: “What’s in it for me?” My favorite is the antique Mertens Rumpelstiltskin wood plaque from the 1930s where he looks like a large fairy, with his short green hoodie and naked legs. (Buch/25)

1960er Märchenholzbild Hellerkunst Zwerg, Baby, Wasserrosen

1960er Hellerkunst: „Das Wunder“ mit Zwerg und Seerosen-Baby, Siebdruck 22cm [EN] “The Miracle” with Dwarf and Water Lily Baby (Märchen-Holzbild, German Wall Figure)

HELLERKUNST, EPOCHEN: Man kann die Hellerkunst-Figuren in drei Epochen unterteilen; Antik, Jahrhundertmitte und Vintage. Antike Hellerkunst stammt aus den 1920er und 1930er Jahren. Die ganz frühen Bilder hatten meist einen Sockel mit geraden Seiten und spitzen Kanten. Die Heller-Märchen-Holzbilder der Jahrhundertmitte hatten den abgerundeten Sockel und waren bis um 1960 herum noch komplett handbemalt. Dann folgte eine Übergangszeit von Siebdruck plus Handbemalung. Zur Vintage Hellerkunst gehören die späten Siebdruckfiguren Ende des letzten Jahrhunderts: Sie weisen gar keine Handbemalung mehr auf.

🇬🇧 HELLER, ERAS: You can divide the Hellerkunst wood pictures into three eras: antique, mid-century, and vintage. The antique figures are from the 1920s and 1930s, with the very early ones often having a base with straight sides and sharp edges. The mid-century Heller wall figures had rounded bases and were completely hand-painted until about 1960, after which came a transitional period with screen printing plus additional hand-painting. The vintage Hellerkunst figures from the late 20th century were screen-printed only, with no more hand-painting. (Buch/25)

1950er Märchenholzbild Original Bergischer Engel Sterntaler, Blaumond

1950er Original Bergischer Engel: Spitzenhemd-Sterntaler auf blauem Halbmond, 21cm [EN] Star Money Girl on Blue Crescent Moon

ORIGINAL BERGISCHER ENGEL, ÜBERSICHT: Der eigentliche „Original Bergischer Engel“ war nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus entstanden und existierte von 1945 bis 1967 (fast 25 Jahre lang); die Produktion war in Solingen-Wald. Die Entwürfe stammten alle von Johanna Gruner-Witkop (4.11.1928 – 8.3.2023). 1967 verkaufte Frau Gruner-Witkop schließlich ihre „Firma“ (um sich fortan ganz ihrer Familie mit kleinen Kindern widmen zu können) an Alfred Mertens von Mertens-Kunst, was sich vor allem auf die Namensrechte, die Motivrechte und die Siebdruck-Maschinen bezog; die Produktion fand fortan im 400 km entfernten Pfullingen statt. Zu den schönsten Figuren des „originalen“ Original Bergischer Engel gehört die blonde Schornsteinfegerin mit Kleeblatt und Hufeisen (ein Hampelmann) und das Aschenputtel mit dem O-Mund; beides sehr frühe, noch ganz handbemalte Figuren.

🇬🇧 ORIGINAL BERGISCHER ENGEL, BASIC OVERVIEW: The “first” original Bergischer Engel was created out of necessity after the Second World War and existed from 1945 to 1967 (almost 25 years); the production took place in Solingen-Wald. The designs were made by Johanna Gruner-Witkop (11/4/1928 – 3/8/2023). In 1967, Mrs. Gruner-Witkop finally sold her “company” (in order to be able to devote herself entirely to her family with small children) to Alfred Mertens from Mertens-Kunst, which primarily referred to the naming rights, the motif rights and the screen printing machines. From then on, production took place in Pfullingen, 400 km away. Among the most beautiful figures of the “original” Original Bergischer Engel are the blond chimney sweep girl with the four-leaf clover and the horseshoe (a jumping jack) and the Cinderella with the O-mouth; both very early, still entirely hand-painted figures. (Buch/25)

1930er Märchenholzbild Mertens-Kunst Hänsel Gretel, Vorkrieg, fragil

1930er Mertens-Kunst: Filigrane Hänsel und Gretel mit gesenktem Blick 22cm Märchen-Holzbild [EN] Antique Hansel and Gretel with Downcast Eyes, German Wall Figure

MERTENS, HÄNSEL UND GRETEL: Bisher kenne ich rund fünfundzwanzig verschiedene Hänsel-und-Gretel-Figuren von Alfred Mertens – die Hexen mitgezählt. Die Figuren wurden so gestaltet, dass die beiden Kinder in Not zusammen auf einer Figur erscheinen und die Hexe eine Einzelfigur war. Man musste also immer zwei Figuren kaufen, um das Märchen komplett zu haben. Wie immer bei Mertens-Kunst ging man mit der Mode: So trug eine Gretel aus den 1940er-Jahren ein schwarzes Mieder, auf dem die Schnürung angedeutet war. Wer hätte gedacht, dass diese „altmodischen“ Mieder in den 2020er-Jahren tatsächlich wieder modern wurden?

🇬🇧 MERTENS, HANSEL AND GRETEL: I’ve known roughly 25 different Hansel and Gretel figures by Alfred Mertens so far, including the witches. Most of the figures were designed so that the two children in distress appear together on one figure, while the witch was always a separate piece. So you had to buy two figures to have the complete fairy tale. As always with Mertens-Kunst, they followed fashion: for example, one Gretel from the 1940s wore a black bodice with decorative lacing. Who would have thought that these “old-fashioned” corsets would actually become fashionable again in the 2020s? (Buch/25)

1940er Märchenholzbild Asti-Kunst Sandmann, Ole Lukøje

1940er Asti-Kunst: Dänischer Sandmann Ole Lukøje/Ole Augenschließer mit Spritze und Schirm, 20 cm, Märchen-Holzbild [EN] 1940s Asti-Kunst: Danish Sandman Ole Lukøje/Ole Eye-closer with Syringe and Umbrella, 20 cm, Danish Wall Figure

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ASTI-KUNST: Die „Spezialität“ der dänischen Asti-Kunst-Manufaktur waren die Märchen von Hans Christian Andersen (1805–1875), die literarisch gesehen sogenannte „Kunstmärchen“ sind, da sie von ihm selbst geschrieben wurden und nicht bereits durch die Tradition überliefert worden waren. Beispiele von Asti-Märchen-Holzbildern mit Andersen-Motiven: Ole Luk-Oie / Ole Lukoie (Ole Augenschließer), der dänische Sandmann mit Schirm und Spritze, und das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern. Ich vermute, dass Asti von den 1930er- bis zu den 1950er-Jahren produziert hat – anfangs noch mit kompletter Handbemalung, später in einer Art Siebdruckverfahren mit handbemalten Rändern. Auch der runde Rückseiten-Stempel änderte sich im Laufe der Zeit: Erst wurde er eingeprägt, später aufgestempelt. Das Motiv blieb gleich: der Name „Asti-Kunst“ mit einem reizenden kleinen Kerzenmädchen. Weiß jemand mehr über Asti-Kunst aus Dänemark? Bitte schreiben Sie mir!

🇬🇧 ASTI-KUNST: The “specialty” of the Danish manufacturer Asti-Kunst Kunst were the fairy tales of Hans Christian Andersen (1805–1875), which are so-called „literary fairy tales,“ as they were written by him and had not been passed down through tradition. Examples of Asti wall figures with Andersen motifs include Ole Luk-Oie / Ole Lukoie (Ole the Eye-Closer), the Danish Sandman with umbrella and syringe, and The Little Match Girl. I think that Asti produced their wood plaques from the 1930s to the 1950s, initially with full hand-painting, and later using a type of screen-printing process with hand-painted edges. The round back stamp also changed over time: first it was embossed, later stamped on. The label remained the same: the name „Asti-Kunst“ with a charming little candle-holding girl. Does anyone know more about Asti-Kunst from Denmark? Please get in touch! (Buch/25)

1930er Märchenholzbild Mertens-Kunst? Zwerg, Sockelreiter

1930er Mertens-Kunst (?): Wunderbarer Nacktknie-Zwerg als Sockelreiter 23cm [EN] Antique Gnome as Base Rider (Märchen-Holzbild, German Wall Figure) *

WAS IST DAS DENN? Genau das fragte ich mich, als ich 2014 zum ersten Mal ein historisches Märchen-Holzbild in den Händen hielt. Inzwischen weiß ich, dass die Ära dieser Kinder-Wandfiguren von den 1920er bis zu den 1980er Jahren dauerte, aber wieso hatte ich diese Figuren nie zuvor gesehen, obwohl ich 1963 geboren bin? Hobby-Laubsägearbeiten kannte ich, die hatte mein kleiner Bruder damals zu Hause gebastelt, aber doch nicht solche Schätze! Später wurde mir klar: Die hochwertigen Manufaktur-Arbeiten waren damals nur für reiche Kinder, und zu denen gehörten wir nicht. Ab 2014 aber lernte ich die historischen Märchen-Holzbilder kennen und lieben und fing an, sehr intensiv darüber zu forschen, zu fotografieren und alle meine Erkenntnisse zu teilen – in inzwischen vielen Tausend Arbeitsstunden.

🇬🇧 WHAT IS THAT? That’s what I thought when I was holding my first German Wall Figure in my hands. That was back in February 2014. Now I know that the era of those children’s wood pictures lasted from the 1920s to the 1980s, but I had never come across them before, even though I was born in 1963. Later, I found out why: Those high-quality, manufacturer’s wood pictures had only been for the rich kids back then, so they were too expensive for my parents. But those figures still reflected my childhood. So, I started finding out more about their history, putting in thousands of hours of research, taking photos, and sharing my findings. (Buch/25)