1960er Kurt Süß: Raketen-Sandmännchen 15x17cm (Geburt DDR-Sandmännchen: 1959) [EN] Rocket Sandman (Sputnik Crisis: 1957)

SPUTNIKSCHOCK-SANDMÄNNCHEN: Die Darstellung des DDR-Sandmännchens auf Raketen um 1960 ist kein Zufall, sondern steht im Zusammenhang mit dem Sputnikschock von 1957 und der politischen Aufladung von Raumfahrt als Symbol sozialistischer Überlegenheit. Seit der Einführung des DDR-Sandmännchens 1959 griffen Hersteller wie Kurt Süß, Edelholz Freiberg, Eva Günter (Drei Tannen G) sowie verschiedene VEB-Kunstgewerbebetriebe das Raketenmotiv auf und verbanden Kinderkultur mit zeitgenössischer Technik- und Fortschrittspropaganda.

[EN] SPUTNIK SHOCK SANDMAN: The depiction of the GDR Sandman riding rockets around 1960 was no coincidence but reflects the impact of the Sputnik shock of 1957 and the political use of space travel as a symbol of socialist progress. Introduced in 1959, the GDR Sandman was soon shown in rocket motifs by manufacturers such as Kurt Süß, Edelholz Freiberg, Eva Günter (Drei Tannen G), and various state-owned craft enterprises, linking children’s culture with contemporary technology and propaganda.

1940er Münchner Kinder-Wandbilder: Diorama mit rosa Gänsemagd, Handbemalt 27x56cm [EN] Goose Girl Diorama

MÜNCHNER KINDER-WANDBILDER: „Münchner Kinder-Wandbilder“ war der Name der frühen Münchner-Kunst. Die Sockel waren meist abgerundet und zeigen ein Wiesenmotiv. Diese Märchen-Holzbilder waren recht groß und wurden aus besonders dickem Sperrholz gefertigt. Die meisten stammen aus den 1930er-Jahren; einige Pappe-Figuren vermutlich auch aus den Kriegsjahren: Im Zweiten Weltkrieg war häufig auch das Holz von der Materialknappheit betroffen. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 MÜNCHNER KINDER-WANDBILDER: That was the name of the early Münchner-Kunst. You often found a rounded meadow base and the added word “Handmalerei” (hand-painted) on the back. The pictures were large and made from especially thick plywood. They were produced primarily in the 1930s, but presumably also during the war years, as some wall figures were made of cardboard. During the Second World War, materials often became scarce—in this case, plywood. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1960er Münchner-Kunst: Kleine Hänsel und Gretel auf Wiesensockel 17cm [EN] Hansel and Gretel Pair on Meadow Base

MÜNCHNER, NACHKRIEGSFIGUREN: Bei den Märchen-Holzbildern der Münchner-Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg findet man eher selten einen Firmen-Aufkleber oder Stempel auf der Rückseite. Es gibt aber ein anderes häufiges Erkennungszeichen: Drei große gestempelte Zahlen unten auf der Rückseite! (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 MÜNCHNER, POSTWAR FIGURES: With the German Wall Figures by Munich Art after the Second World War, one rather rarely finds a company sticker or stamp on the back. But there is another identifying feature: three large stamped numbers at the bottom on the back! (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1960er Eva Günther: Nackter Gestiefelter Kater, Handbemalt 16x15cm [EN] Naked Black Puss in Boots

EVA GÜNTHER, ÜBERSICHT: Zehn Jahre lang kannte ich nur den Rückseiten-Stempel dieser Märchen-Holzbilder – drei Tannen und der Buchstabe G. Im Dezember 2024 erhielt ich dankenswerterweise eine E-Mail von Herrn Schmidt aus Radeberg bei Dresden, der die Künstlerin noch persönlich gekannt hatte. Er schrieb mir: „Es handelt sich um Eva Günther (1932–1997). Sie war Malerin und Grafikerin, ausgebildet an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt, und lebte seit den 1950er-Jahren mit ihrem Ehemann Horst Günther (1928–1993) in Erfurt in einem neu gebauten Eigenheim, in dem sich auch Atelier und Werkstatt befanden. Es war also zu DDR-Zeiten ein kleiner selbstständiger Kunstgewerbe-Familienbetrieb, in dem diese Märchenfiguren und die Lieblinge der DDR-Sandmännchen-Fernsehsendung entworfen und einzeln in Handarbeit hergestellt wurden … In späteren Jahren war Eva Günther als Zeichenlehrerin und Kunsterzieherin am Gymnasium des Erfurter Ursulinen-Klosters tätig.“ (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 EVA GUENTHER, OVERVIEW: For ten years, I only knew the backstamp of these German Wall Figures–three fir trees and the letter G. In December 2024, I was grateful to receive an email from Mr. Schmidt from Radeberg near Dresden, who had known the artist personally. He wrote: “Her name was Eva Günther (1932–1997). She was a painter and graphic artist, trained at the Burg Giebichenstein University of Art near Halle (Saale) in Saxony-Anhalt, and from the 1950s onward she lived with her husband Horst Günther (1928–1993) in Erfurt in a newly built home, which also housed their studio and workshop. During the GDR era, this was a small, independent arts and crafts family business, where these fairy tale figures and the beloved characters from the East German Sandman TV show were designed and individually handmade … In later years, Eva Günther worked as an art teacher at the Ursuline Monastery high school in Erfurt.” (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1950er Kurt Süß: Anthropomorphe Igelfrau mit Schürze 18cm [EN] Anthropomorph Hedgehog Woman

KURT SÜSS, MARKANTE MOTIVE: Zu den besonders ungewöhnlichen Märchen-Holzbildern von Kurt Süß gehört das „auferstehende“ Schneewittchen im Glas-Sarg aus den 1960er-Jahren, umrankt von rosaroten Rosen. Die schönsten Farben zeigt wohl das sich räkelnde, lächelnde Dornröschen im weiß-gelben Kleid – neben ihr kniet der Prinz im königsblauen Hemd. Auffällig sind auch die drei Igel-Figuren von Kurt Süß: zum einen die klassische Hase-und-Igel-Szene mit dem Schild „Ziel“, zum anderen ein häusliches Igelpaar – er mit langer Pfeife, sie mit Schürze. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] KURT SÜSS, STRIKING MOTIFS: Among the most unusual German Wall Figures by Kurt Süß is the 1960s depiction of Snow White rising from her glass coffin, surrounded by pink and red roses. The most beautiful colors can be found on a different motif: the lolling, smiling Sleeping Beauty in a white and yellow dress, with a kneeling prince at her side in a royal blue shirt. Also striking are the three hedgehog plaques by Kurt Süß: one shows the classic “Hare and the Hedgehog” fairy tale with a “Finish” sign, the others feature a domestic hedgehog couple–the male with a long pipe, the female in an apron. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1950er Kurt Süß (?): Ungewöhnlicher DDR-Indianer, Handbemalt 26cm [EN] Unusual GDR Indian/Native American with Rifle

KURT SÜSS, ÜBERSICHT: Der ehemalige Kunstgewerbehersteller Kurt Süß aus Meißen konnte etwa zwanzig Jahre lang unter seinem eigenen Namen produzieren, wohl von den 1940er- bis 1960er-Jahren. Vermutlich in den späten Sechzigerjahren wurde die Manufaktur in einen VEB (Volkseigener Betrieb) der DDR (1949–1990) umgewandelt. Kurt Süß hat vor allem Märchen-Holzbilder hergestellt – sowohl der frühen Phase wie auch in den VEB-Jahrzehnten. Darüber hinaus produzierte er kleine Kerzenhalter mit Mini-Engeln oder Kindern, ebenfalls in beiden Phasen. Eine der bekanntesten Figuren von Kurt Süß war der Kleine Muck, rasant und farbenfroh auf einer Wolke fliegend. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

🇬🇧 KURT SÜSS, OVERVIEW: Kurt Süß from Meissen could produce under his own name for about 20 years, most likely from the 1940s to the 1960s. Presumably in the late 1960s, his company was turned into a “VEB,” a publicly owned company during the Communist GDR regime (1949–1990). Kurt Süß mainly produced fairy tale motifs—in his early years as well as in the VEB decades. He also created charming little candle holders with tiny angels and children, also in both phases. One of the most popular Kurt Süß wood plaques was the Little Muck—very colorful and speedily flying on a cloud. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1940er Weha-Kunst: Art Deco Schneewittchen mit langem Zopf, Handbemalt 22cm [EN] Ore Mountains Snow White with Delicate Dwarf *

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KONTEXT: WEHA – frühe handbemalte Wandfiguren
Die frühen Wandfiguren der Firma WEHA unter der künstlerischen Leitung von Fritz Haupt waren zunächst vollständig handbemalte Holzbilder im Stil des Art Déco. Diese frühen Arbeiten zeichnen sich durch eine hohe malerische Sorgfalt und eine differenzierte Figurenauffassung aus. Innerhalb der heute als „Märchen-Holzbilder“ bezeichneten Objektgruppe gelten sie als besonders qualitätsvolle Beispiele der frühen Phase. Zu den bekannten frühen Motiven zählen unter anderem Dornröschen mit überlangen weißen Ärmeln, Gretel mit flatterndem Rock und Hänsel in Pagenkleidung sowie der Rattenfänger von Hameln mit fliegendem Frack. Als bildlicher Referenzpunkt ist das Motiv Dornröschen auf dem Buchcover von Die Ära der Märchen-Holzbilder / Vintage German Wall Figures (Christiane Dietz, 2025) abgebildet.

CONTEXT: WEHA – early hand-painted wall figures
The early wall figures produced by WEHA under the artistic direction of Fritz Haupt were initially fully hand-painted wooden works in an Art Deco style. These early examples are characterized by careful painterly execution and a differentiated approach to figure design. Within the group of objects today commonly referred to as “Fairy-Tale Wall Figures” or “German Wall Figures,” they are regarded as particularly high-quality examples of the early phase.Typical early motifs include Sleeping Beauty with elongated white sleeves, Gretel with a fluttering skirt and Hansel in page attire, as well as The Pied Piper of Hamelin depicted with a flying cape. As a visual point of reference, the Sleeping Beauty wall figure is illustrated on the cover of Die Ära der Märchen-Holzbilder / Vintage German Wall Figures (Christiane Dietz, 2025).

1940er Weha-Kunst: Bundhauben-Zwerg mit Kerzenaura 22cm, Handbemalt [EN] Dancing Dwarf with Candlelight *

WEHA, HANDBEMALT: Die ersten Wandfiguren von Fritz Haupt waren noch komplett handbemalte Art Deco Holzbilder. Sie sind kleine Meisterwerke und gehören zu den zauberhaftesten der Märchen-Holzbild-Ära. (Siehe Buchcover!) Beispiele: Das zarte Dornröschen mit den überlangen weißen Ärmeln, die Flatterrock-Gretel mit dem Pagen-Hänsel und der Rattenfänger von Hameln mit fliegendem Frack.

[EN] WEHA, HAND-PAINTED: The early Art Deco Wall Figures by Fritz Haupt were still completely hand-painted. They are small masterpieces and belong to the most magical ones of the German Wall Figures era. Early Weha examples: The dainty Sleeping Beauty with the overlong white sleeves, the Gretel with a fluttering red skirt and the page boy Hansel (see the cover of this book!), and the Rat Catcher of Hamelin with a flying cape. (Buch/25)

1960er Münchner-Kunst: Matrosenkragen-Sterntaler mit braunem Haar 18cm [EN] Small Brunette Star Money Girl

MÜNCHNER, HERZSOCKEL: Die Märchen-Holzbilder der Manufaktur Münchner-Kunst wurden um die Mitte des letzten Jahrhunderts herum produziert. Das auffälligste Kennzeichen war wohl der Herz-Sockel, den die Figuren ab den 1950er-Jahren bekamen: Die Figuren stehen auf roten, blauen oder gelben Herzen. Nur Hänsel und Gretel bekamen einen braunen Sockel. (Aus dem Buch: Die Ära der Märchen-Holzbilder, Vintage German Wall Figures, 2025, Christiane Dietz)

[EN] MÜNCHNER, HEART BASE: The German Wall Figures by the manufacturer Münchner-Kunst were produced around the middle of the last century. The most striking feature is the (rather late) heart base: Many wood plaques are standing on a red, blue, or yellow heart. Only Hansel and Gretel got a brown heart–a gingerbread heart. (From the Book: Vintage German Wall Figures, Die Ära der Märchen-Holzbilder, 2025, Christiane Dietz)

1960er Eva Günther: Schneewittchen mit schwarzem Zopf, Handbemalt 24cm [EN] GDR Snow White with Black Braid

EVA GÜNTHER, OLBERNHAU-IRRTUM: Die Märchen-Holzbilder von Eva Günther trugen auf der Rückseite fast immer das Logo mit den drei Tannen und dem Buchstaben G darunter. Deshalb nenne ich die Manufaktur auch „Drei Tannen G“. Es gibt zwei verschiedene Varianten dieses Stempels. Die häufigere ist sehr detailliert: Die Tannen sind klar erkennbar, und der Waldboden ist durch Schraffur angedeutet. Der zweite Stempel zeigt die drei Tannen stark vereinfacht und stilisiert. Wie ich seit 2024 weiß, steht das „G“ im Stempel für den Nachnamen der Künstlerin, also Günther. Früher hatte ich vermutet, dass die Figuren aus Olbernhau stammen könnten, denn drei Tannen erscheinen im Stadtwappen der Stadt Olbernhau im Erzgebirge (Sachsen). Tatsächlich aber lebte die inzwischen verstorbene Künstlerin in Erfurt, im Bundesland Thüringen.

[EN] EVA GUENTHER, OLBERNHAU MISTAKE: Eva Günther’s German Wall Figures almost always featured a stamp on the back showing three fir trees with a letter G underneath. Because of that, I’ve also referred to her studio as “Three Pines G.” There are two different versions of this stamp. The more common one is very detailed: the trees are clearly recognizable, and the forest floor is indicated by cross-hatching. The second version is much more simplified and stylized. As I learned in 2024, the “G” stands for the artist’s surname, Günther. Previously, I had assumed these figures came from Olbernhau, since this town’s coat of arms in Saxony’s Ore Mountains also shows three fir trees. But in fact, the late artist lived in Erfurt, in the federal state of Thuringia. (Buch/25)